MANIFEST FÜR EIN EUROPA DER HUMANITÄT UND SOLIDARITÄT – Pas de frontières pour les Droits Humains

Auch in Mali gibt es Hunderte von Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen mit dem Ziel, ein besseres und menschenwürdiges Leben für sich und ihre Familien zu erreichen. Dafür setzen sie sich in Richtung der Festung Europa in Bewegung und versuchen, deren unsinnige Grenzen zu überwinden.
Daher veröffentlichen wir dieses Manifest, das bis zur Herbstkonferenz der Innenminister von Bund und Ländern im Dezember in Frankfurt am Main unterzeichnet werden kann – die gesammelten Unterschriften werden dann an die Innenminister übergeben – und bitten Sie, es zu unterschreiben
.

Il y a des centaines de Maliens qui mettent en jeu leur vie pour trouver une meilleure vie ailleurs, une vie digne pour eux-mêmes et pour leurs familles. C’est pour ça qu’ils partent de chez eux décidés vers la „Forteresse Europe“ et tentent de franchir ses frontières insensées.
C’est la raison pour laquelle on publie ce manifeste intitulé „KEINE GRENZEN FÜR MENSCHENRECHTE“ „Pas de frontières pour les Droits Humains – Pour un Europe d’humanisme et de solidarité“ dans notre blog tout en vous demandant d’y souscrire.
Ce manifeste n’existant pas en français (étant donné qu’il s’adresse aux ministres de l’intérieurs des Länder allemands), nous vous proposons à sa place l’appel „La Liberté à la place de Frontex“ publié sur le site d‘ afrique-europe-interact (association qui compte parmi les premiers sous-signataires du manifeste).

Pas de frontières pour les Droits Humains

Manifest: Für ein Europa der Humanität und Solidarität

Sechs Einsprüche gegen das Grenzregime

I.

Das Mittelmeer wird zum Massengrab der namenlosen Flüchtlinge. Die Zahl der Ertrunkenen steigt. Die EU verschließt den Schutzsuchenden aus Nordafrika den Zugang, überlässt sie in unwirtlichen Wüstenlagern entlang der tunesisch-libyschen Grenze sich selbst.

Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind 1,674 Flüchtlinge im Kanal von Sizilien ertrunken. Berichte über unterlassene Hilfeleistung durch Militärverbände oder kommerzielle Schiffe mehren sich. Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer verschärft sich – und Europa schaut zu. Menschen, die ihnen in Seenot helfen, werden angeklagt. Selbst eine spanische NATO-Fregatte, die im Meer vor Libyen Bootsflüchtlinge vor dem Ertrinken rettete, durfte keinen europäischen Hafen anlaufen und wurde gezwungen, die unerwünschten Passagiere in Tunesien von Bord zu bringen.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex steht für den Ausbau eines tödlichen Grenzregimes, das unsere „Welt der Freiheit und Demokratie“ vor dem Begehren der globalen Armen „schützen“ will. Dieses Grenzregime ist eine der größten direkten Menschenrechtsverletzungen, die im Namen der EU begangen wird. Der tägliche Tod an den europäischen Außengrenzen ist eine Folge davon. 60 Jahre nach dem Ja zur Genfer Flüchtlingskonvention ist es höchste Zeit, die Solidarität mit den Schutzsuchenden zu erbringen, zu der sie uns verpflichtet. Das Sterben an den Außengrenzen muss aufhören.

Wir wollen ein anderes Europa. Ein Europa, das wirklich für die Ideen der Humanität und Freiheit aller Menschen steht. Weiterlesen

MYTHEN DER MIGRATION (Charlotte Wiedemann) – Harraguantanamo. Le voyage d’Ilyess

Les mythes de la migration – cet essai primordial de l’auteure freelance Charlotte Wiedemann n’existe pas en français, malheureusement pour nos lecteurs francophones.
En tant que ersatz, on vous propose la documentation d’Ilyess, Tunisien, en partant de Tunisie à destination de Lampedusa, en 70 photos qu’il a prises avec son portable, en mars/avril 2011. Son portable photographie la barque chargée de migrants, la famille qui l’accueille à Lampedusa, et puis et surtout la „tendopoli“, le campement de Trapani, qu’il définit Guantanamo, les moments de repos jouant au foot, les gréves de la faim et du sommeil organisés par protestation en enfin le titre de séjour pour motifs humanitaires.
Les dernières prises de vue montrent le paysage sicilien qu’il voit du bus quand il est enfin libre de poursuivre son voyage. Ilyess arrive à Paris le 20 avril 2011.

Le voyage d’Ilyess a été publié d’abord dans le blog Fortress Europe de Gabriele Del Grande, journaliste italien suivant les routes de la migration et accompagnant les victimes de l’émigration clandestine.
=> VOIR LA VIDEO en bas sous l’article en allemand.

Dies ist ein weiterer Beitrag von Charlotte Wiedemann, einer freiberuflichen deutschen Autorin, die Reportagen aus dem Ausland, aber auch Bücher verfasst.
Sie wurde 1954 geboren und arbeitet seit 25 Jahren als Journalistin. Sie erhielt u.a. den Medienpreis Entwicklungspolitik 2008 – den Hauptpreis in der Kategorie Print.
In diesem Essay schreibt sie über die Akteure der Migration, ihre Beweggründe, ihren Mut und die Tatkraft, ein besseres Leben auf diese Weise einzufordern, und macht die Unsinnigkeit europäischer Abschottungspolitik klar. Das Zitat des Frontex-Reports liest sich auf diesem Hintergrund wie ein Hohn.
Trotz des Erscheinungsdatums (Juni 2009) hat die Analyse nichts von ihrer Aktualität verloren, wenn man einmal von dem kurzen Abschnitt über die Behandlung der Flüchtlinge in Libyen absieht, und auch das ist z.T. charakteristisch. Europa muss sich von diversen Mythen verabschieden – kämpfen wir dafür!

Mythen der Migration

„Menschlichkeit ist der wichtigste Eckstein modernen europäischen Grenzmanagements.“ Frontex General Report 2008

LE MONDE DIPLOMATIQUE 12.06.2009

Von Charlotte Wiedemann

Es war Nacht in Mali, eine Januarnacht, als sich die Nachricht in Windeseile verbreitete. Zuerst blinkten die Displays der Mobiltelefone bei den Aktivisten in Bamako, der Hauptstadt am Niger, dann sprang die Meldung über in die Diaspora, wanderte als Shortmessage durch die überfüllten Wohnheime der afrikanischen Migranten in den Vorstädten von Paris. Keine Unterschrift!, lautete die Nachricht; wer sie erhielt, wusste, was gemeint war. Weiterlesen