„WIR AFRIKANER MÜSSEN UNSEREN EIGENEN WEG IN DIE ZUKUNFT FINDEN“ : INTERVIEW MIT VEYE TATAH

In vielem hat sie so was von Recht:
die Informatikerin, Journalistin und Herausgeberin des Magazins „Africa Positive“ im Interview mit der Deutschen Welle.

„Afrika braucht eine mentale Evolution“
Deutsche Welle – 02.09.2018

Zusammengefasst von Kersten Knipp
Afrika braucht keine Revolution. Wohl aber eine Evolution – und zwar „eine mentale Evolution, eine Entwicklung, die das eigene Selbstbild erneuert“, sagt Veye Tatah, Informatikerin, Journalistin und Herausgeberin des Magazins „Africa Positive“. Eine Entwicklung, „die den Kontinent erlöst von den alten Stereotypen, die ihm Europa aufgezwungen hat und die die Afrikaner anschließend verinnerlichten“. Diese müssen die Afrikaner los werden. „Ansonsten riskieren sie, sich auf lange Zeit keinen Weg in eine würdige Zukunft bahnen zu können“.
Über diese Herausforderung müssten sich die Afrikaner bewusst werden, sagt Tatah im DW- Interview der Woche. „Die Kolonialherren haben immer gesagt: ‚Alles was aus eurem Land kommt ist schlecht, nur wir haben die Lösung über eure Probleme, nur unsere Produkte sind gut'“, resümiert Tatah die Erfahrungen vieler Afrikaner. „Auf diese Weise haben die Menschen ihre Wahrnehmung vor allem auf Europa orientiert – und nicht auf die Situation in ihren eigenen Ländern.“
– Engagement für Afrikas Zukunft –
Veye Tatah, geboren in Kamerun, lebt seit 27 Jahren in Deutschland, genauer: in Dortmund. Kamerun sei zur Zeit ihres Aufbruchs „sehr, sehr schön“ gewesen, sagt sie. „Aber als junges Mädchen hatte man auch immer dieses Bild von Europa und von Amerika vor Augen – ein Paradies.“
Bleiben wollte sie in diesem Paradies ursprünglich nicht – dann aber tat sie es doch. Und engagiert sich seit langem mit ihrem Magazin „Africa Positive“ für die Zukunft Afrikas. Das Titelblatt der jüngsten Ausgabe zeigt eine freudig tanzende Frau – freudig, weil es ein Jubiläum zu feiern gibt: „20 Jahre Africa Positive“ ist dort zu lesen. Die Themen, unter anderem: „Hoffnung auf ein Ende des Grenzkonfliktes zwischen Äthiopien und Eritrea“, oder „Kamerun als Fallbeispiel: Fluchtursachen bekämpfen, nicht die Flüchtlinge“. Eine weitere Geschichte widmet sich den enttäuschten Träumen afrikanischer Fußballfans: Warum schieden die Mannschaften des Kontinents bei der WM in Moskau so früh aus? Braucht auch der Fußball eine „mentale Evolution“? Wenn ja, wäre dies ein Beispiel dafür, wie umfassend die kulturelle Erneuerung sein müsste, betont Tatah.

Psychiatre et essayiste, auteur du livre „Peau noire, masques blancs“ (1952) – Vordenker des Dekolonialismus: der Arzt und Psychoanalytiker Frantz Fanon

– Die koloniale Bürde –
Und darum wird es wohl gehen, ist Tatah überzeugt. Genau 150 Jahre, vom Einmarsch der Franzosen im heutigen Algerien 1830 bis zur endgültigen Unabhängigkeit Zimbabwes 1980, standen Teile Afrikas unter europäischer Herrschaft. Der Kontinent wurde geplündert – und seinen Menschen eine Weltsicht aufgezwungen, die nicht die ihre war. Der ursprünglich aus Martinique stammende, aber lange Zeit in Algerien arbeitende Arzt und Psychoanalytiker Frantz Fanon veröffentlichte 1952 über diesen Prozess ein berühmt gewordenes Buch: „Schwarze Haut, weiße Masken“. Das Werk war revolutionär, denn es umriss in nie dagewesener Schärfe die intellektuelle Entfremdung sehr vieler Afrikaner: „Der schwarze Mensch erscheint aus der Perspektive des Weißen als minderwertig, aber umgekehrt ist der Weiße mit seinen `Errungenschaften‘ Zivilisation, Kultur, kurz Intellekt, nachahmenswert.“
Fast 70 Jahre sind seit der Veröffentlichung des Buches vergangen. Aber die Probleme, sagt Veye Tatah, seien dieselben. „Immer noch heißt es: Alles was aus Europa kommt, ist toll – und alles, was aus Afrika kommt oder schwarz ist, ist schlecht. Das führt dazu, dass wir Afrikaner nicht mehr an uns selbst glauben. Wir nehmen unsere eigenen Sachen nicht mehr in die Hand. Das ist falsch.“

Foto (c) DW: Veye Tatah: „Nous les Africains doivent prendre en main nos problèmes, trouver nos solutions à nous, et faire avancer notre Afrique. – Afrikaner müssen ihren eigenen Weg in die Zukunft finden.

Es sei ein Irrtum, anzunehmen, man könne die eigene Entwicklung selbst steuern, wenn man nicht an sich selber glaube. „Stattdessen muss man sagen: ‚Wir wollen endlich mal unsere Probleme in die Hand nehmen, unsere Lösungen, lokale Lösungen, suchen und unser Afrika nach vorne bringen.‘ Wir Afrikaner müssen erkennen, dass nur wir selbst unsere Länder steuern können und steuern müssen!“.
– „Verbrechen des Kolonialismus“ –
Die Kolonialverbrechen sind bekannt. Die Belgier etwa waren rund 75 Jahr lang in der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Das Land wurde erst 1960 unabhängig. Von 1885 bis 1908 galt es sogar als Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. Schätzungen zufolge wurden bis zu zehn Millionen Kongolesen ermordet oder starben an den Folgen der brutalen Ausbeutung.
Auch Deutschland hat eine dunkle Kolonialgeschichte. Seit 1884 hatte sich das deutsche Kaiserreich zunächst als „Schutzgebiet“, dann als Kolonie gegriffen. Deutsche Siedler breiteten sich immer weiter aus, was die ursprünglichen Bewohner des Gebiets, die Hereros, 1904 dazu brachte, sich gegen die Besatzer zu erheben. Unter ihrem Kommandanten Lothar von Trotha nahmen die Deutschen den Auftstand zum Anlass, die Hereros möglichst vollständig zu vernichten. Sie trieben sie in die glühend heiße und wasserlose Omaheke-Wüste. Die Wüste, so ein Zeitzeuge, sollte fortsetzen, „was die deutschen Waffen begonnen hatten: die Vernichtung des Hererovolkes.“ Die Deutschen beanspruchten das Gebiet für sich. Entsprechend gingen sie vor. Man müsse „aufräumen, aufhängen, niederknallen bis auf den letzten Mann, kein Pardon (geben)“, empfahl ein deutscher Missionar.
– „Deutschland schuldet Afrika viel“ –
Auch Deutschland schulde Afrika etwas, sagt Veye Tatah – „eigentlich schon sehr, sehr viel“. Denn viele der gegenwärtigen Probleme gründeten in der Vergangenheit. „Die Europäer haben die afrikanischen Länder nicht so verlassen, dass sie danach selbstständig ihre eigene Zukunft in die Hände nehmen konnten. Die haben es vielmehr so gemacht, dass die Länder von Europa abhängig werden.“ So könne Europa diese Länder weiterhin ausbeuten.
Darum brauche es einen grundlegenden Wandel der Beziehungen. „Man muss eine ehrliche Beziehung mit den afrikanischen Ländern angehen.“ Dazu gehöre auch, dass man über das dahinterstehende System spreche. Denn nach wie vor schadeten die europäischen und westlichen Länder dem Kontinent – etwa durch eine teils fragwürdige Entwicklungshilfe, durch unfaire Handelsbeziehungen, durch unfaire Einmischung in die politischen Angelegenheiten. „Man muss das beenden, sonst kann keine richtige Arbeitsbeziehung entstehen.“
Auch politisch müsse sich Afrika erneuern, sagt Tatah. Viele afrikanische Länder hätten weiterhin ein politisches System, das eins zu eins von Europa exportiert worden sei. „Aber wir haben eine andere Kultur bei uns zu Hause. Warum müssen unsere Institutionen eins zu eins die europäischen kopieren?“ Normalerweise müsse jedes Land sich fragen, welche politischen Traditionen am besten zu ihm passten. „Auch wir können die Politik so gestalten, dass sie unsere Gegebenheiten, unsere Leben reflektiert – und nicht weiterhin alles aus Europa übernimmt.“
– „Deutschland bedeutet mir sehr viel“ –
Eine mentale Evolution also. Veye Tatah wird sie von Deutschland aus begleiten. Zwar mache sie tagtäglich rassistische Erfahrungen – ein böser Blick, ein böses Wort, abwehrende Körpersprache. Aber daran habe sie sich gewöhnt. Dennoch identifiziere sie sich mit dem Land. „Deutschland“, sagt Tatah, „bedeutet mir sehr, sehr viel. Denn hier habe ich mir meine Zukunft aufgebaut. Zudem fühle ich mich dem Land verbunden.“
© 2018 dw.com

Advertisements

NOCH 4 TAGE: « RENCONTRES DE BAMAKO » JETZT ZU SEHEN IN HOLLAND

UPDATE: 29.08.2018, ursprünglicher Post 08.05.2018

Zu sehen vom 14. April bis zum 2. September: AFROTOPIA

Am 14. April wurde im Afrika Museum, in der Nähe von Nijmegen, die größte zeitgenössische panafrikanische Fotoausstellung mit dem Titel AFROTOPIA eröffnet.

MORE in MALI-INFOS, 13.01.2018
=> AFROTOPIA, DIE 11. BIENNALE DER AFRIKANISCHEN FOTOGRAFIE – Aux 11èmes Rencontres de Bamako, l’Afrique regarde son futur en photo

Afrika Museum
Postweg 6
6571 CS Berg en Dal
Anfahrt => Plan route via Google Maps Weiterlesen

AFRICAN ROOTS: KWAME NKRUMAH, KÄMPFER FÜR AFRIKANISCHE EINHEIT – Racines d’Afrique : Kwame Nkrumah, le combattant de l’unité africaine

Foto (c) aBamako.com/Momo: Statue de N’Krumah, Avenue Kwamé N’Krumah, Bamako-Hamdallaye – Denkmal für den Panafrikanisten Kwame Nkrumah in Bamako, auf einer Verkehrsinsel der Hauptverkehrsader Avenue Kwamé N’Krumah

1. African Roots: Kwame Nkrumah: der Kämpfer für die afrikanische Einheit
Deutsche Welle – 01.03.2018
Nach seinem Studium in den USA und England kehrte Kwame Nkrumah in sein Heimatland Ghana zurück, um dort den Kampf um die Unabhängigkeit zu führen. Er wird der erste Präsident des Landes werden. Seine Vision eines Föderalismus nach amerikanischem Vorbild wird allerdings niemals Wirklichkeit.
2. 61. Jahrestag der Unabhängigkeit von Ghana: Hommage an Kwame N’Krouma!
Info Matin – 12.03.2018
Die ghanaische Botschaft in Mali hat am Dienstag den 61. Jahrestag der Unabhängigkeit Ghanas durch die Kranzniederlegung am KWAME-NKROUMAH-Denkmal im Viertel ACI 2000 gefeiert.
3. Eine sehr viel ausführlichere Biografie
aBamako.com – 01.09.2014
(leider keine deutsche Übersetzung)

DEUTSCH (VON MIR VERBESSERTE GOOGLE-ÜBERSETZUNG) JEWEILS WEITER UNTER DEN FRZ. ORIGINALEN

Über die Comicserie zur afrikanischen Geschichte / Au sujet de cette série sur l’histoire africaine
=> „AFRICAN ROOTS“, GESCHICHTE DES KONTINENTS IN COMICS – Nouvelle série de BD sur l’histoire africaine: Racines d’Afrique
in MALI-INFORMATIONEN

1. Racines d’Afrique : Kwame Nkrumah : le combattant de l’unité africaine
Deutsche Welle – 01.03.2018
Par Isaac Kaledzi, Gwendolin Hilse et Philipp Sandner
Après des études aux USA et en Angleterre, Kwame Nkrumah retourne dans son pays natal, le Ghana, pour y mener le combat de l’indépendance. Il deviendra le premier président du pays. Sa vision d’un fédéralisme à l’américaine ne deviendra en revanche jamais réalité.

Cliquez sur l’image pour voir la vidéo en français
=> Das Video auf Englisch

Weiterlesen

10. RENTRÉE LITTÉRAIRE DU MALI: EINE ERFOLGSSTORY – L’anniversaire d’une success-story: grand moment de rétrospective, de prospective et de fête !

Die „Neue Literatursaison von Mali“ feiert ihr zehnjähriges Jubiläum
RFI – 19-02-2018 um 22:44
Die „Rentrée littéraire du Mali“ wurde 2008 gegründet und ist heute die Referenzveranstaltung, eine Buchmesse zur Förderung von Büchern und Lesen in Mali.

DEUTSCH (VON MIR VERBESSERTE GOOGLE-ÜBERSETZUNG) WEITER UNTER DEM FRZ. ORIGINAL


La «Rentrée littéraire du Mali» célèbre ses 10 ans
RFI – 19-02-2018 à 22:44
Par Catherine Fruchon-Toussaint, envoyée spéciale à Bamako
Créée en 2008, la « Rentrée littéraire du Mali » est devenue aujourd’hui l’événement référence dédié à la promotion du livre et de la lecture au Mali. Weiterlesen

EINE JUNGE FRAU KÄMPFT IN FRANKREICH GEGEN GENITALVERSTÜMMELUNG – Diaryatou, excisée à 8 ans, milite contre les MGF

Diaryatou, mit 8 Jahren beschnitten: es ist „ein Schrei, den man nie vergisst“
AFP – 2017.07.05 10:00
Mit 8 Jahren in Guinea beschnitten, mit 13 zwangsverheiratet, kämpft Diaryatou Bah heute in Frankreich gegen sexuelle Gewalt und Genitalverstümmelungen, die die Mädchen zerstören: sie warnt vor den Risiken für Jugendliche, die ihre Ferien im Herkunftsland ihrer Eltern verbringen wollen.

DEUTSCH (VON MIR VERBESSERTE GOOGLE-ÜBERSETZUNG) WEITER UNTER DEM FRZ. ORIGINAL

=>> WEBSITE Excision, parlons-en! http://www.alerte-excision.org/fr/

Diaryatou, excisée à 8 ans: c’est “un cri que l’on n’oublie jamais”
AFP – 05.07.2017 à 10:00
Par Jessica LOPEZ
Excisée à 8 ans en Guinée, mariée de force à 13 ans, Diaryatou Bah milite contre les violences et les mutilations sexuelles qui détruisent des fillettes, alertant sur les risques que peuvent encourir des adolescentes qui passent les vacances dans le pays d’origine de leurs parents. Et elle appelle les hommes à témoigner.

Foto (c) AFP/Jessica LOPEZ: Diaryatou Bah, ambassadrice de la campagne de prévention ”Excision, parlons-en!”, à Montreuil, près de Paris, le 30 juin 2017 – Diaryatou Bah, Botschafterin der Präventionskampagne ”Excision, parlons-en!” (“FGM, lasst uns darüber reden!”) in Montreuil bei Paris

Weiterlesen

DIESMAL OHNE DIE MALISCHEN ADLER: AFRIKANISCHE NATIONENMEISTERSCHAFT IN MAROKKO BEENDET – Fin du CHAN 2018 au Maroc – et pourquoi le Mali était un grand absent

3. Marokko gewinnt die afrikanische Nationenmeisterschaft auf Kosten von Nigeria im Finale
L’Equipe – 04/02/2018 um 22:02
Marokko hat zum ersten Mal nach seinem Erfolg im Finale gegen Nigeria (4: 0) die Afrikanischen Nationenmeisterschaften gewonnen.
1. Afrikanische Nationenmeisterschaft 2018: Zerbrochener Traum der lokalen Adler
Bamako (L’Essor) – 21. August 2017
Nach dem viel versprechenden 2:2-Unentschieden im Hinspiel in Nouakchott versagte die Nationalmannschaft der Lokalspieler gegen die Mauretanier (1:0) im Modibo Keïta-Stadion und wird an der nächsten Nationenmeisterschaft im Januar 2018 nicht teilnehmen.
2. Marokko wird die CHAN 2018 statt Kenia organisieren
RFI – 15. Oktober 2017
Marokko wird die Afrikanische Nationenmeisterschaft (CHAN 2018) im nächsten Januar organisieren.

DEUTSCH (VON MIR VERBESSERTE GOOGLE-ÜBERSETZUNG) WEITER UNTER DEN FRZ. ORIGINALEN

Le Championnat d’Afrique des nations de football 2018 (CHAN 2016) ist die Afrikanische Nationenmeisterschaft 2018 (s. wikipedia), die in Marokko bis zum 4. Februar ausgetragen wurde. Zugelassen sind im Gegensatz zur Afrikameisterschaft (Afrika-Cup) CAN nur Spieler, die in den nationalen Meisterschaften ihrer Heimatländer spielen, also in lokalen Mannschaften.

CHAN 2016: DIE MALISCHEN ADLER WURDEN ZWEITER IN DER AFRIKANISCHEN NATIONENMEISTERSCHAFT; WARUM DENN „ADLER“? – Les Aigles sont rentrés vice-champions d’Afrique de Kigali; et pourquoi ce nom? in MALI-INFORMATIONEN – 13.02.2016

Foto (c) maliweb: Eliminatoire du CHAN 2018 – Die malische Nationalmannschaft in der Qualifikationsphase für den CHAN 2018

3. Le Maroc remporte le Championnat d’Afrique des nations aux dépens du Nigeria en finale
L’Equipe – 04/02/2018 à 22:02 Weiterlesen

NICHT WEISS SCHREIBEN: Interview mit Charlotte Wiedemann

Ein schönes Interview mit Charlotte Wiedemann, die gerade wieder einen „treffenden“ Beitrag über ihre letzte Recherchereise aus Mali geliefert hat.
LESEN SIE HIER:
=> Viel Militär, weniger Sicherheit; Mali – fünf Jahre nach Beginn der Interventionen

Reblogged:
interviewsmitjournalistinnen.com by Hannah El-Hitami

Interviews mit Journalist*innen

„Weiß“ ist zu einem kontroversen Wort geworden. Für die einen bedeutet es, Wahrheiten zu hinterfragen, die vielleicht nur aus eurozentrischer Sicht gelten, und sich mit Privilegien auseinanderzusetzen, die über Jahrhunderte entstanden sind. Für andere bedeutet das Wort einen Angriff, die Angst davor sich schuldig fühlen zu müssen, eine weitere Zensur im Namen der „Political Correctness“. Da ich eher zu der ersten Gruppe gehöre, fand ich es toll, Charlotte Wiedemanns Buch „Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben“ (2012) zum Geburtstag zu bekommen, und habe es in wenigen Tagen durchgelesen. Das Buch ist – wie sie selbst sagt – weder eine Streitschrift gegen den Auslandsjournalismus an sich noch eine ulkige Betrachtung ihrer eigenen Erfahrungen im Iran, in Mali, Kambodscha, etc. … Es ist ein (selbst-)kritisches Nachdenken darüber, wie Journalist*innen in Europa, für Europa, von Europa aus über die Welt berichten. Wie es in anderen Ländern und Kulturen tatsächlich aussieht, entspricht dabei oft…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.920 weitere Wörter