Wenn Kinder zu Goldgräbern werden
Bamako (Rhein-Neckar-Zeitung) – 03.08.2022
Dürre und Gewalt treiben immer mehr Menschen in Mali in die Not. In Nana-Kéniéba wird dennoch mit Vertriebenen geteilt und gemeinsam auf den großen Fund gehofft.
Von Bettina Rühl
Aus der Tiefe der Erde kommt dumpfes Rumpeln, manchmal schlägt Metall auf Gestein. Dann ein Ruf, und Nouhou Arama zieht kräftig an einem schwarzen Seil. Nach einigen Minuten kommt ein aufgeschnittener Kanister nach oben, der mit Gesteinsbrocken gefüllt ist. .…Weiterlesen nach dem Foto
Quand les enfants deviennent des chercheurs d’or
Bamako (Rhein-Neckar-Zeitung) – 03.08.2022
La sécheresse et la violence poussent de plus en plus de Maliens dans la misère. À Nana-Kéniéba, on partage pourtant avec les déplacés et on aspire ensemble à la grande découverte.
Par Bettina Rühl
Trouvez la traduction française du site par google ICI

Foto (c) B.Rühl/epd: Des enfants espèrent trouver de l’or : ils sont assis autour d’un puisard de terre à Nana-Kéniéba. – Hoffen auf Gold: Kinder sitzen in Nana-Kéniéba um einen Erdschacht.
Arama leert den Kanister und lässt ihn wieder nach unten. Wenig später geht dort das Rumpeln weiter.
Arama gibt sein Alter mit 18 Jahren an, er sieht aber deutlich jünger aus. Er ist verantwortlich für ein tiefes Erdloch, von dem er, seine Freunde und die Bewohner des Dorfes Nana-Kéniéba im Süden Malis hoffen, dass es Gold enthält. Nicht nur die Kinder suchen hier ihr Glück, sondern auch Männer und Frauen. „Unser Marabou hat uns vorausgesagt, dass wir hier Gold finden“, erklärt Amadou Keïta, einer der Söhne des Dorfchefs. Den Marabou, einen islamischen Heiligen, hatten die Dorfbewohner konsultiert, weil sie sich in ihrer Not nicht mehr anders zu helfen wussten. Keïta hat die Oberaufsicht über das Grabungsprojekt, an dem sich die gesamte Bevölkerung beteiligt.
In Mali gibt es viele Gründe für die zunehmende Armut. Der westafrikanische Sahelstaat befindet sich seit 2012 in einer schweren politischen und Sicherheitskrise. Nach drei Militärputschen regiert in der Hauptstadt Bamako nun eine militärische Übergangsregierung unter Oberst Assimi Goïta. Von der Bevölkerung bekommt sie bisher viel Zustimmung, während die letzte zivile Regierung wegen der grassierenden Korruption den Zorn der Menschen auf sich zog. Vor allem bei der wichtigsten staatlichen Aufgaben hatte sie komplett versagt: das Leben der Bürgerinnen und Bürger zu schützen.
Mehrere radikal-islamische Gruppen kämpfen in Mali gegen die Regierung, gegeneinander und gegen die Bevölkerung. Sie gehören teils zum „Islamischen Staat“, teils zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Hinzu kommen brutale ethnische Konflikte und Angriffe anderer bewaffneter Gruppen. Internationale Organisationen wie Human Rights Watch werfen der malischen Armee und ihren russischen Verbündeten ebenfalls schwere Menschenrechtsverletzungen vor.
Tausende Menschen wurden in den vergangenen Jahren Opfer der Gewalt, Hunderttausende sind aus ihren Dörfern geflohen und nun auf Hilfe angewiesen. Hinzu kommt eine schwere Dürre in der Region. Und auch in Mali sind die Preise für viele Produkte gestiegen.
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Migazin – 02.05.2022
Nach zwei Militärputschen haben die Nachbarländer Sanktionen gegen Mali verhängt. Seitdem leidet die ohnehin arme Bevölkerung unter massiven Preissteigerungen. Hinzu kommen Dürre, Gewalt – und der Ukraine-Krieg.
Von Bettina RühlUND => Die Menschen leben zwischen Angst und Solidarität
Deutschlandfunk Kultur – 16.05.2022
Von Bettina Rühl (früherer Bericht aus Nana-Kéniéba)
Arama hat keinen Zweifel daran, dass in den Gesteinsbrocken Gold ist, was tatsächlich nicht ganz unwahrscheinlich ist. „Es ist nur etwas schwer zu finden“, sagt der zarte, ernst blickende Junge, der der regionalen Mode folgend trotz Temperaturen von deutlich über 30 Grad eine Wollmütze trägt. Die Jungen, die ihm helfen, wirken noch jünger als er, einige tragen ebenfalls Mützen. Keiner von ihnen war in der Schule. „Sollten wir doch kein Gold finden, gehen wir wieder aufs Feld“, sagt Arama.
Dass er ein Feld hat, dem er notfalls wieder eine Ernte abzuringen versuchen könnte, ist alles andere als selbstverständlich. Auch, dass das Dorf ihm eine Stelle für die Goldsuche zugewiesen hat, ist bemerkenswert. Denn Arama und seine Familie gehören zum Volk der Dogon. Sie sind vor der Gewalt in anderen Landesteilen hierher geflohen.
Seit 2016 haben rund 400 Dogon-Familien in Nana-Kéniéba Zuflucht gefunden, das sind etwa 1500 Menschen, bei gut 3000 einheimischen Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Menschen in der Region gehören überwiegend zum Volk der Malinké. „Sie waren in ihrer Heimat in Schwierigkeiten“, erklärt Dorfchef Sekou Keïta. „Abgesandte von ihnen haben uns gefragt, ob sie sich bei uns niederlassen könnten. Wir haben gesagt: ,Kein Problem, wir geben euch Land, ihr seid bei uns willkommen’.“
Sekou Keïta, der sein Alter auf 100 Jahre schätzt, sitzt in einem weißen Gewand auf der Holzliege vor seiner Lehmhütte, den Kopf mit einem randlosen Hut bedeckt. In der Hand hält er einen langen Holzstab, Insignie seiner Macht. Der Dorfchef ist die oberste Autorität, in wichtigen Fragen berät er sich mit dem Ältestenrat. So auch, als es um die Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Dogonland ging. Niemand stellte sich dagegen. Auch nicht, nachdem alle spürten, wie teuer sie für ihre Gastfreundschaft zahlen mussten. Zwar hatten sie den Neuankömmlingen Land zugewiesen, aber bis die ihre erste Ernte einbringen konnten, aßen alle das, was von der letzten Ernte der Dorfbewohner übrig war.
Inzwischen profitierten die Einheimischen durchaus auch von Flüchtlingen, meint Dorfchef Keïta. Die neuen Dorfbewohner arbeiten mit und bieten anderen ihre Dienste an, beispielsweise beim Hausbau. Oder eben jetzt in der Grube, von der Einheimische und Flüchtlinge gemeinsam hoffen, dass es eine Goldgrube ist.
© 2022 rnz.de
Wem nützt das malische Gold?
Sehr informatives Video vom marokkanischen Nachrichtenkanal Le360 Afrique
Mali: la production d’or dépasse les 70 tonnes, mais le pays en profite très peu
Le360 Afrique – 30.06.2022
Par Diemba Moussa Konaté, correspondant à Bamako
La production aurifère malienne a dépassé la barre des 70 tonnes au titre de l’exercice 2021, selon les estimations des autorités de tutelle. Toutefois, en dépit de la hausse de la production, l’or ne brille pas pour le Mali et les Maliens, mais plutôt pour les multinationales étrangères. …En lire plus & voir la vidéo
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Who’s getting Mali’s gold?

Bridges from Bamako – 08.08.2022
By Bruce Whitehouse *
For the past few years, Mali’s industrial gold production (as reported by the Malian government in various press outlets) has been trending upward:
Industrial gold production in Mali (tonnes)
This is surely good news: add rising production levels to the climbing value of gold on world markets and you have a growing benefit to the Malian economy and the Malian treasury. Mali has become Africa’s third-largest gold producer and is ranked sixteenth globally. Gold is by far Mali’s most valuable export, accounting for some three-quarters of official export earnings in 2019.
“Industrial production” of Malian gold comes from large mines operated by transnational firms like Barrick, Randgold, or Resolute. These companies invest massive capital to extract ore from the ground, usually from huge open pits. Together, they account for the vast majority of Mali’s annual gold production. “Artisanal gold production,” which has consistently shown up in government estimates as a paltry six tonnes per year, has been a sideshow in which desperate, pick- and shovel-wielding local men scratch around for anything too insignificant for the big players.
Or at least that’s what I used to think. But what if industrial production is actually the sideshow in Mali’s gold exports? (…)
Reuters estimated in 2016 that artisanal gold accounted for not a tenth but a third of Mali’s national production, and cautioned that the actual share could be even greater. The France 24 estimate puts it closer to half of Malian production, or about 60 tonnes, which is ten times the government’s guess. Those 174 tonnes of gold the Emiratis reported in 2021 had a declared value of $7.3 billion. Unregistered exports at anything near those levels constitute a huge amount of capital flight, taking place under the noses of Malian authorities. If the central government were able to collect its three-percent export tax on all that gold, it would gain hundreds of millions of dollars to spend every year on defense or social programs. …READ MORE
*) Bruce Whitehouse ist amerikanischer Anthropologieprofessor an der LEIGH University Pennsylvania, der ein Jahr in Bamako lebte und lehrte. Das Blog BRIDGES FROM BAMAKO richtete er 2011 ein und führt es nach seiner Rückkehr im Juni 2012 sporadisch weiter
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