AFEL BOCOUM APPELLIERT MIT «LINDÉ» AN DIE MALISCHE NATION – Le nouvel album de Afel Bocoum est un appel à la paix

en haut/oben Foto (c) Seydou Camara/Instruments4Africa: Afel Bocoum, chanteur et guitariste du Mali – Afel Bocoum, Sänger und Gitarrist aus Mali

Friedensstifter
(La  version française se trouve en bas)
In Mali ist der Blues mehr als das Fundament des Pop: Afel Bocoums meisterhaftes Album „Lindé“ ist ein Appell an seine Nation.
Süddeutsche Zeitung – 29. September 2020
Von Jonathan Fischer
Die Geschichte hinter der Geschichte ist oft die eigentlich interessante. Etwa wenn Akteure in zweiter Reihe sich mit selbstlosem Enthusiasmus für ein musikalisches Werk aufarbeiten, und am Ende nur das Kleingeschriebene im Booklet darauf hinweist. So auch im Fall des großartigen neuen Albums „Lindé“ des malischen Veteranen Afel Bocoum.

Aufs Bild klicken: Lindé (Full album, 11 Titel)

Kritiker feiern die geniale Produktion. Die ist von Damon Albarn, Rockstar bei Blur und den Gorillaz, und Nick Gold, Weltmusik-Entdecker vom World-Circuit-Label, der Ry Cooder zum Buena Vista Social Club brachte und immer wieder afrikanische Stars in Amerika groß machte. Die vermischten für Bocoum den lässig schaukelnden Groove traditioneller Songhoy-Klänge mit Soul- und Reggae-Elementen.

Dann ist da aber noch der Mann ohne den dieses Album nie zustande gekommen wäre: Paul Chandler. Ein Amerikaner, der seit über eineinhalb Jahrzehnten von Bamako aus nicht nur Afel Bocoum und dessen Band betreut sondern als Musiker, Produzent und Gründer der Hilfsorganisation „Instruments 4 Africa“ die traditionelle Musik Malis dokumentiert, Filme produziert und Festivals organisiert. Chandler erzählt, dass er in den Neunzigerjahren, zu seiner Zeit als Musikschullehrer in Amerika regelmäßig unter Panik-Attacken litt. Kein Arzt, kein Psychiater konnte ihm helfen. Bis er die malische Musik entdeckte. 1999 hatte er ein Konzert von Ali Farka Touré in New York besucht. Mehr noch als dieser Star des malischen Wüstenblues aber beeindruckte Chandler die Vorband um Tourés Gitarristen Afel Bocoum. Dessen Sound wirkte wie Medizin für den Großstädter. Eine Proto-Blues-Ästhetik, in der Schmerz und Freude in rollenden Rhythmen zusammenfinden. „Nachdem ich Afels Show gesehen hatte, war ich entschlossen, nach Afrika auszuwandern“.
Er warnt die Jugend vor der Illusion, sie würden als Migranten in Europa ein Paradies vorfinden
Chandler rief auf gut Glück bei der amerikanischen Schule in Bamako an. Wie schnell er denn kommen könne, fragte man ihn. Denn die Stelle des Musiklehrers sei gerade verwaist. Wenig später zog Chandler nach Mali. Sein musikalisches Idol Afel Bocoum war nun ständiger Besuch bei ihm.
Bocoum war seinem Onkel Ali Farka Touré bereits als Kind auf Schritt und Tritt gefolgt. Er trug die Gitarre, machte Botengänge, besorgte Geld. Später wurde er in die Band der malischen Musiklegende aufgenommen. Als Sänger, Gitarrist und Songwriter entwickelte er seine eigene Variante des aufreizend bluesigen, wellenartig und in funkelnden Brechungen dahinströmenden Sounds, den man mit dem Städtchen Niafunké am Ufer des Niger assoziiert. Doch erst 1999 nahm Bocoum, inzwischen 44 Jahre alt, sein Debütalbum auf. „Alkibar“ hieß es, und überzeugte Damon Albarn auf der Stelle. Der nahm Bocoum in sein „Mali Music“-Projekt auf, holte ihn für die Africa Express-Jams nach London und vor über 65 000 Zuschauern auf die Hauptbühne des Roskilde-Festivals. Wie Salif Keita oder Tinariwen hatte Bocoum keine Berührungsängste mit dem Pop.
Nach dem Tod Ali Farka Tourés im Jahre 2006 galt der Neffe als natürlicher Nachfolger. Doch Bocoums Bescheidenheit stand ihm im Weg. Und als halb Mali 2012 durch Dschihadisten besetzt wurde, seine Heimat zwischen Nord und Süd zerrissen schien, ein Militärputsch zu einer anhaltenden Krise führte, legte er die Gitarre zeitweise ganz zur Seite. Hatten die malischen Musiker hier noch etwas auszurichten? Es war Chandler, der den alten Mann aus dem inneren Exil holte. Nach dem gemeinsamen Projekt „Alkibar Junior“ mit jüngeren Musikerkollegen aus Niafunké, produzierte der Amerikaner den Film „It Must Make Peace“, eine eindrückliche Dokumentation der bedrohten malischen Musiktraditionen, dem Afel Bocoum als Erzähler und Hauptdarsteller diente.

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Hier spricht Afel Bocoum eindrücklich über musikalische Traditionen in Mali und über seine Liebe zur Musik

Chandler ließ Bocoum versprechen, dass er sich melde, wenn er neue Songs hätte. 2017 war es dann soweit. Auf gemeinsamen Trips durch ganz Mali hatte Bocoum die Ideen gesammelt, die nun das Grundgerüst von „Lindé“ bilden. Etwa als eine Gruppe Jugendlicher in einer Kleinstadt an der Grenze zu Mauretanien Gesang aufführten, wie sie bei Beschneidungszeremonien aufgeführt werden. Bocoum war von der Melodie elektrisiert. Er summte sie in sein Smartphone und machte daraus die aktuelle Single „Dakhamana“. „Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist unsere Sozialversicherung“, singt der Songhoy-Musiker, und mahnt seine Landsleute, sich ihrer ethnischen Unterschiede zum Trotz als Angehörige einer Nation zu begreifen. An anderer Stelle warnt er die Jugend vor der Illusion, sie würden als Migranten in Europa ein Paradies vorfinden. „Lasst uns in unser Land zurückzukehren, um zu arbeiten.“
Man merkt Bocoum seine Vergangenheit als Landwirt in Niafunké an. Schon damals nutzte er seine Musik dazu, die Vorzüge gemeinschaftlichen Wirtschaftens zu preisen, nun hat er dem Gründer des landwirtschaftlichen Kollektivs den Song „Djougal“ gewidmet. Musik und Moral gehören in Mali schon immer zusammen. Und Bocoum lässt keine Gelegenheit aus, daran zu erinnern.
In der aktuellen Situation bekommen Bocoums Friedens-Appelle eine ganz neue Dringlichkeit. Mitte August putschte sich in Bamako das Militär wieder an die Macht geputscht. Hunger droht. „Die Malier sind erschöpft“, sagt Bocoum. „Viele glauben nicht mehr an die Zukunft unseres Landes. um so mehr müssen wir uns bemühen, Hand in Hand zusammenzuarbeiten“.

„Lindé“, benannt nach dem Landstrich im Zentrum Malis, wo Bocoum aufwuchs, ist ein pazifistisches Statement. Die Rhythmen rollen eher als zu rocken. Der vom Chor beantwortete Gesang fleht im Stile eines langen Gebets. Afel Bocoum hat die Songs mit seiner Band komplett in Paul Chandlers Haus in Bamako eingespielt.
Anschließend flog der amerikanische Freund nach London, um es zusammen mit Nick Gold und Damon Albarn in dessen Studio abzumischen. Von Albarn stammt auch die Idee, den erkrankten Geigenspieler Bocoums durch Joan Wasser aka Joan As Police Woman zu ersetzen, die mit trockenen, gezupften Violinentöne den Blues herauskehrt. Und den jamaikanischen Skatalites-Posaunisten Vin Gordon zu holen, dessen Bläser-Overdubs wie selbstverständlich mit dem jahrtausendealten Groove fließen.
Fast scheint es, als hielte angesichts des Zusammenbruchs der Regierungs und der zivilen Strukturen in Mali nur noch die Kultur das Land zusammen. Musik als letztes Bindemittel? Afel Bocoum bestätigt diesen Eindruck. „Wir Musiker erinnern die Menschen an unsere große gemeinsame Geschichte – und an die Kraft der Versöhnung“. Eine musikalische Naturgewalt, die offensichtlich genauso in der Lehmhütte am Niger funktioniert wie in der Lehrerwohnung in New York.
© 2020 sueddeutsche.de


Un artisan de la paix
Au Mali, le blues est plus que le fondement de la pop : l’album génial „Lindé“ d’Afel Bocoom est un appel à sa nation.
Süddeutsche Zeitung – 29 septembre 2020
Par Jonathan Fischer
L’histoire derrière l’histoire est souvent celle qui est la plus intéressante. Par exemple, lorsque les acteurs de la deuxième rangée élaborent une œuvre musicale avec un enthousiasme altruiste, et qu’à la fin, seules les notes minuscules du livret le signalent. C’est également le cas du grand nouvel album „Lindé“ du vétéran malien Afel Bocoum. Les critiques célèbrent cette production exceptionnelle. Elle a été réalisée par Damon Albarn, la rock star de Blur and the Gorillaz, et Nick Gold, le découvreur de musique du monde du label World Circuit, qui a fait venir Ry Cooder au Buena Vista Social Club et qui a fait connaître à plusieurs reprises des stars africaines sur la scène américaine. Pour Bocoum, ils ont mélangé le groove décontracté des sons traditionnels Songhoy avec des éléments de soul et de reggae.

Mais il y a aussi l’homme sans lequel cet album n’aurait jamais vu le jour : Paul Chandler. Un Américain qui, depuis plus de dix ans et demi, s’est non seulement occupé d’Afel Bocoum et de son groupe de Bamako, mais a également documenté la musique traditionnelle du Mali, produit des films et organisé des festivals en tant que musicien, producteur et fondateur de l’association „Instruments 4 Africa„. Chandler nous raconte que dans les années 90, alors qu’il était professeur de musique en Amérique, il souffrait régulièrement de troubles de la panique. Aucun médecin, aucun psychiatre ne pouvait l’aider. Jusqu’à ce qu’il découvre la musique malienne. En 1999, il assiste à un concert d’Ali Farka Touré à New York. Mais plus encore que cette star du blues du désert malien, Chandler a été impressionné par le groupe autour du guitariste de Touré, Afel Bocoum. Son son était comme un médicament pour cet habitant d’une grande ville. Une esthétique proto-blues dans laquelle la douleur et la joie se rejoignent dans des rythmes effrénés. „Après avoir vu le show d’Afel, j’étais déterminé à émigrer en Afrique.“
Il met en garde les jeunes contre l’illusion qu’en tant que migrants, ils trouveraient un paradis en Europe
Chandler a appelé au hasard le lycée américain de Bamako. Ils lui avaient demandé dans quel délai il pouvait venir. Parce que le poste de professeur de musique venait d’être vacant. Un peu plus tard, Chandler a déménagé au Mali. Son idole musicale, Afel Bocoum, lui rendait désormais régulièrement visite.
Enfant, Bocoum avait déjà suivi son oncle Ali Farka Touré à chaque étape du chemin. Il portait la guitare, faisait des courses, récupérait de l’argent. Plus tard, il a été accepté dans le groupe de la légende de la musique malienne. En tant que chanteur, guitariste et auteur-compositeur, il a développé sa propre version du son bluesy, ondulatoire et pétillant de réfractions que l’on associe à la petite ville de Niafunké sur les rives du Niger. Mais ce n’est qu’en 1999 que Bocoum, aujourd’hui âgé de 44 ans, a enregistré son premier album. Celui-ci s’appelait „Alkibar“ et a immédiatement convaincu Damon Albarn. Damon Albarn a inclus Bocoum dans son projet „Mali Music“, l’a fait venir à Londres pour les Africa Express Jams et sur la scène principale du Roskilde Festival devant un public de plus de 65 000 spectateurs. Comme Salif Keita ou Tinariwen, Bocoum n’avait pas peur de toucher à la pop.
Après la mort d’Ali Farka Touré en 2006, son neveu a été considéré comme le successeur naturel. Mais la modestie de Bocoum l’en empêche. Et quand la moitié du Mali a été occupée par les djihadistes en 2012, son pays d’origine entre le Nord et le Sud semblait déchiré, quand un coup d’État militaire a conduit à une crise qui perdurait, il a complètement mis la guitare de côté pendant un moment. Les musiciens maliens avaient-ils vraiment encore un rôle à jouer dans ce pays ? C’est Chandler qui a fait sortir le vieil homme de l’exil intérieur. Après le projet commun „Alkibar Junior“ avec de jeunes collègues musiciens de Niafunké, l’Américain a produit le film „It Must Make Peace“, une documentation impressionnante des traditions musicales maliennes menacées, dont Afel Bocoum a été le narrateur et l’acteur principal.

i4africa sur facebook
VOIR ici Afel Bocoum dans une vidéo (11min): J’ai beaucoup chanté pour le Mali..
Afel Bocoum évoque son amour pour la musique, le Mali et le rôle des artistes et des instruments dans la société traditionnelle

Chandler a fait promettre à Bocoum de le contacter au moment où il avait de nouvelles chansons. En 2017, le moment était venu. Pendant des trajets effectués ensemble à travers le Mali, Bocoum a rassemblé les idées qui forment maintenant la structure de base du projet „Lindé“. Ainsi, dans une petite ville à la frontière de la Mauritanie, un groupe de jeunes a interprété des chansons telles qu’elles sont interprétées lors des cérémonies de circoncision. Bocoum a été électrisé par la mélodie. Il l’a fredonné dans son smartphone et a transformé ce dernier en le single actuel „Dakhamana“. „La cohésion sociale est notre assurance sociale“, chante le musicien songhoy, et exhorte ses compatriotes à se comprendre comme membres d’une seule nation, malgré leurs différences ethniques. Dans une autre chanson, il met les jeunes en garde contre l’illusion qu’en tant que migrants, ils trouveraient un paradis en Europe. „Retournons dans notre pays pour travailler“.

Le passé de Bocoum en tant qu’agriculteur à Niafunké est perceptible. Déjà à l’époque, il utilisait sa musique pour vanter les vertus de la production associative, et maintenant il a dédié la chanson „Djougal“ au fondateur du collectif agricole. Au Mali, la musique et la morale ont été liées de tout temps. Et Bocoum ne manque jamais une occasion de rappeler cela.
Dans la situation actuelle, les appels de Bocoum pour la paix prennent une toute nouvelle urgence. À la mi-août, les militaires ont repris le pouvoir à Bamako. Le danger de la faim plane. „Les Maliens sont épuisés“, dit Bocoum. „Beaucoup ne croient plus en l’avenir de notre pays, d’autant plus que nous devons travailler ensemble, main dans la main“.
„Lindé“, du nom de la contrée dans le centre du Mali où Bocoum a grandi, est l’affirmation d’un pacifiste. Les rythmes roulent plutôt que de faire du rock. Le chant auquel répond le chœur supplie comme une longue prière.

Afel Bocoum et son groupe ont enregistré les chansons dans leur intégralité au domicile de Paul Chandler à Bamako.
L’ami américain a ensuite pris l’avion pour Londres afin de mixer l’album avec Nick Gold et Damon Albarn dans son studio. C’est aussi Albarn qui a eu l’idée de remplacer le violoniste de Bocoum, tombé malade, par Joan Wasser alias Joan As Police Woman, qui fait ressortir le blues avec des sons de violon secs et pincés. Et de faire venir le tromboniste jamaïcain Vin Gordon des Skatalites, dont les overdubs de cuivres coulent tout naturellement avec le groove millénaire.
Il semble presque que, face à l’effondrement du gouvernement et des structures civiles au Mali, seule la culture maintienne le pays uni. La musique comme dernier élément de cohésion ? Afel Bocoum confirme cette impression. „Nous, les musiciens, rappelons aux gens notre grande histoire commune – et la force de la réconciliation“. Une force musicale naturelle qui fonctionne apparemment aussi bien dans la cabane en torchis au bord du Niger que dans l’appartement du professeur à New York.
© 2020 sueddeutsche.de

Afel Bocoum – Penda Djiga (Official Video)

Ein Gedanke zu „AFEL BOCOUM APPELLIERT MIT «LINDÉ» AN DIE MALISCHE NATION – Le nouvel album de Afel Bocoum est un appel à la paix

  1. Un bel article dans PAM, un magazine musical en ligne français et anglais consacré à la promotion et à la diffusion des musiques issues du continent africain et de sa diaspora.
    Afel Bocoum fait voyager son blues vers de nouveaux rivages
    Pan African Music – 4 septembre 2020
    L’héritier d’Ali Farka revient avec un nouvel album : Lindé. Produit par le label World Circuit et Damon Albarn, il reste fidèle au blues du fleuve Niger et le fait onduler vers de nouveaux rivages.
    Par Elodie Maillot
    « Les eaux de tes sources et de tes rivières sont abondantes et claires. Elles portent le parfum de fleurs et de racines odoriférantes, comme le vétiver dont l’arôme éloigne les insectes nauséabonds », écrivait le Malien Amadou Hampâté Bâ dans L’Étrange destin du Wangrin (1973). Ces lignes du célèbre auteur de « quand un vieux qui meurt c’est une bibliothèque qui brûle », parlent directement au cœur d’Afel Bocum, célèbre fils de la ville de Niafunké, au nord du Mali, au bord du Niger.
    Même si le fleuve n’est pas toujours si clair que ça dans cette bourgade au bord des dunes et aux portes du désert, à quelques heures de piste de Tombouctou, il a néanmoins toujours inspiré et porté la musique d’Afel Bocoum et celle de la légende locale et nationale, feu tonton Ali Farka Touré. …En lire plus

    Foto (c) PAM/Christien Jaspars

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