ÜBER BAUERN, HIRTEN UND ISLAMISTEN UND DIE AUSWIRKUNGEN DER KLIMAKRISE IN MALI

Bettina Rühl hat in Mali Gespräche mit Vertretern aller im Konflikt operierenden Gruppen geführt. Der Klimawandel hat die Konflikte noch verstärkt. Ein sehr eindringliches, hörenswertes Feature!
Und das sagte die Auch-Malierin Charlotte Wiedemann dazu, als sie es bei der Wiederausstrahlung auf ihrer Seite verlinkte: „Über den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Jihadismus und interethnischen Massakern: exzellent recherchiertes Radiofeature von Bettina Rühl über Mali. Eine Stunde Journalismus, wie er sein sollte: fragend, vorsichtig, alle Seiten hörend. Mehr Militär hilft dort gar nichts.“

Klimakrise in Mali – Über Bauern, Hirten und Islamisten
WDR5 – 15.12.2019
Von Bettina Rühl
Im westafrikanischen Mali eskaliert die Gewalt zwischen Hirten und Bauern, Hunderte von Menschen wurden in den vergangenen Monaten getötet. Die Ursachen der vermeintlich ethnischen Konflikte liegen im Versagen des Staates.
Die Hirten aus dem Volk der Fulani (auch Peulh genannt, Ed.) und die Bauern vom Volk der Dogon haben jahrhundertelang friedlich zusammen gelebt und sich dank ihrer unterschiedlichen Wirtschaftsformen ergänzt: Die halbnomadisch lebenden Fulani treiben ihre Herden in regelmäßigen Wanderzyklen durch das Gebiet der Bauern. Der Dung der Tiere förderte die Fruchtbarkeit des Bodens, die Rinder und Ziegen fraßen die Erntereste.
Heute sind aus den Nachbarn Konkurrenten geworden: Durch zunehmende Trockenheit bringen die fruchtbaren Böden weniger Ertrag. Und wegen des starken Bevölkerungswachstums werden mehr Acker- und Weideflächen gebraucht als bisher. Da die malische Regierung sich nicht um die Landfrage kümmert, bekämpfen sich Viehzüchter und Bauern zunehmend mit Waffengewalt. Und in das Vakuum, das der Staat hinterlässt, stoßen radikale Islamisten und werden für die Bevölkerung in Mali zunehmend attraktiv. Auch weil sie bei Landkonflikten Urteile sprechen und die Streitfälle lösen.

HÖREN SIE => Das Feature über Bauern, Hirten und Islamisten.

15.12.2019. 53:07 Min.. Verfügbar bis 09.12.2020. WDR 5.
© 2019 www1.wdr.de

Und die

Fotostrecke zur Reportage

gibt es unten auf der wdr-Seite (17 Fotos)

Bettina Rühl zu ihrer Recherche:

In diesem Jahr habe ich viele Fotos auf mein Handy geschickt bekommen, die aus Mali stammen und so verstörend sind, dass ich sie an dieser Stelle nicht veröffentlichen kann. Sie zeigen verbrannte Häuser, zerstörte Dörfer, verkohlte und verstümmelte Leichen. Begleitet wurden die Bilder regelmäßig mit gegenseitigen Schuldzuweisungen zweier ethnischer Gruppen im westafrikanischen Mali, die einander auf vergleichbare Weise grausame Gewalt antun. Aus der Ferne konnte ich die schweren Vorwürfe nicht überprüfen. Also bin ich hingefahren.

Seit einigen Jahren beobachte ich, wie sich die Konflikte in Mali ausbreiten. Immer wieder habe ich aus dem Norden des Landes berichtet, wo im Rahmen der UN-Mission MINUSMA auch ein Kontingent der Bundeswehr stationiert ist. Im Norden operieren seit 2012 islamistische Gruppen, greifen die Bevölkerung, die malische Armee und die UN-Soldaten an. Trotz aller internationaler Bemühungen, Mali zu stabilisieren und zu befrieden, nimmt die Gewalt immer mehr zu. Warum? Diese Frage hat mich in den vergangenen Jahren immer wieder beschäftigt. Diesmal fuhr ich in die Region, aus der die Fotos stammen: ins Zentrum des Landes. Ich wollte die Gründe der Gewalt besser verstehen. Während meiner Reise habe ich viele Theorien, Gerüchte und Beschuldigungen gehört. Vieles war verwirrend und verstörend, aber am Ende hatte ich besser verstanden, warum Mali nicht zur Ruhe kommt.

Hier ist das Manuskript: „Klimakrise in Mali – Über Bauern, Hirten und Islamisten“ [PDF, 921,4 KB] | 46 S.

3 Gedanken zu „ÜBER BAUERN, HIRTEN UND ISLAMISTEN UND DIE AUSWIRKUNGEN DER KLIMAKRISE IN MALI

  1. Wiederausstrahlung im NDR – Klimakrise in Mali – am 02. August 2020
    Ein Feature von Bettina Rühl
    Mit: Andrea Wolf, Daniel Berger, Gregor Höppner und David Vormweg
    Technische Realisation: Gerd Nesgen
    Regie: Philippe Brühl
    Produktion: WDR 2019
    Jetzt verfügbar bis 28.07.2021.

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  2. Am 12.11.2019 wurde im deutschlandfunk gesendet:
    Klimakrise und Kriege
    Kreislauf der Gewalt
    Von Bettina Rühl
    Der Kampf um lebenswichtige Ressourcen wird immer brutaler: In Mali eskalieren die Konflikte zwischen den Volksgruppen der Fulani und der Dogon. Es geht um Ackerflächen, Wälder und Weideland. Klimakrise und Bevölkerungswachstum führen dazu, dass die tradierten Bewirtschaftungsmuster nicht mehr funktionieren.
    Auf dem Viehmarkt der malischen Hauptstadt Bamako spielen Kinder zwischen Schafen und Kühen. Die Kinder gehören zu den dutzenden Vertriebenen, die auf dem Markt Zuflucht gesucht haben. Ihre notdürftigen Hütten stehen neben Strohhaufen und Futtertrögen. …
    Mahamad Guindo sitzt neben Schafen und Rindern auf dem Viehmarkt, auf einem Bettgestell aus rohem Holz. Er mag um die 80 Jahre alt sein und ist der Chef des Dogon-Dorfes Yara….
    Julius Jackson von der FAO : „Wir sehen im Klimawandel einen Multiplikator der Bedrohung, einen Verstärker von Konflikten. Er schafft nicht unbedingt Konflikte aus dem Nichts heraus, aber er kann bestehende Spannungen und verdeckte Brüche verschärfen. Der Klimawandel kann also ein zusätzlicher Risikofaktor für Gewalt sein und Situationen eskalieren, die ohnehin auf der Kippe stehen.“
    .…mehr erfahren

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  3. Malis Coup und Europas Scheitern
    Ein weiterer Essay von Bettina Rühl (August 2020), der nur über diesen pay-link zugänglich ist: https://www.riffreporter.de/afrikareporter/mali_militaerputsch/
    Der Militärputsch in Mali belegt das Scheitern der internationalen Politik. Seit Jahren sind tausende internationale Soldaten im Land, um Mali zu stabilisieren und die politische Krise zu beenden. Stattdessen nahm die Zahl bewaffneter Gruppen weiter zu, immer mehr Zivilisten wurden getötet, und die Islamisten vergrößerten ihren Einflussbereich.

    – Vermuteter Wahlbetrug hat den Unmut geschürt –
    Eines war der Militärputsch in Mali nicht: überraschend. Die Gründe für den Coup sind vielfältig, der Unmut schwelt seit Jahren. In den vergangenen Monaten gab es zwei wichtige Auslöser für die Verschärfung der Krise: Die Corona-Pandemie hat wegen geschlossener Grenzen, der zeitweisen nächtlichen Ausgangssperre und der verschärften Wirtschaftskrise bei einem großen Teil der Bevölkerung aus Unmut Zorn werden lassen. Ein weiterer wichtiger Auslöser: Die Unregelmäßigkeiten bei der Parlamentswahl im März und April dieses Jahres. …Read more

    Dieser Beitrag erschien im RiffReporter-Magazin „Afrika-Reporter“ hinter einer Bezahlschranke. Der Text ist per Einzelkauf für 99 ct zu erwerben . Der Erlös geht direkt an die Autorin für neue Recherchen.

    Militärputsch in Mali: Auch Europa hat versagt
    piqd.de – 31.08.2020
    …eine Zusammenfassung des Rühl-Artikels

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