SAHEL – EIN DESASTER BAHNT SICH AN

Wie es in der Sahelzone zu einer Eskalation der Gewalt kommen konnte – und warum das für Europa verheerende Folgen haben dürfte
NZZ – 29.10.2019, 05:30
Von Fabian Urech
Die Zahl der Gewaltopfer und Vertriebenen nimmt in der Sahelzone in bedrohlichem Tempo zu. Europa betreibt vor allem Symptombekämpfung. Dafür dürfte es einen hohen Preis bezahlen.
Internationale Krisen werden selten früh erkannt. Sie schleichen sich an, sie gären über Jahre im Dunkeln, abseits der Schlagzeilen. Und dann, wenn es – scheinbar plötzlich – zum Flächenbrand kommt, ringt man in westlichen Regierungsämtern ratlos um eine Reaktion. Oft kommt sie zu spät, meist verpufft sie. So war es in Syrien, in Afghanistan, in Libyen. Und so droht es nun in der Sahelzone zu werden.
Die Sicherheitskrise in dem riesigen, wüstenähnlichen Gebiet südlich der Sahara hat sich in den letzten Monaten gefährlich zugespitzt. Experten sprechen von einer «Explosion der Gewalt». Trotz erheblichen militärischen Anstrengungen scheint eine Trendwende in weiter Ferne.
Eine Spirale der Gewalt
Wie ernst die Lage ist, zeigt der Blick auf die jüngsten Meldungen aus der Region: Angriff auf zwei Militärbasen im Zentrum Malis, mindestens 60 Tote. Fünf Tote bei einem Anschlag auf einen Polizeiposten im Westen Nigers. Angriff auf eine Goldmine im Norden Burkina Fasos, mindestens 20 Tote. Kurze Zeit später in unmittelbarer Nähe: Anschlag auf eine Moschee, mindestens 16 Tote.
Allein in den ersten drei Oktoberwochen ist es in Mali, Niger, Tschad und Burkina Faso – die vier Staaten mit insgesamt 75 Millionen Einwohnern bilden das Herz der Sahelzone – zu knapp 200 gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. Über 330 Personen sind dabei getötet worden.
Starker Anstieg der Gewalt in der Sahelzone
Dazu gehört, erstens, die missliche Wirtschaftslage. Die Länder des Sahels gehören zu den ärmsten der Welt. Rund 80 Prozent der Menschen leben in extremer Armut, 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Die meisten Jungen sind ohne Arbeit und ohne Perspektive. Verschärft wird diese Situation, zweitens, durch das rapide Bevölkerungswachstum. Noch immer bekommen Frauen in der Sahelzone im Schnitt mehr als fünf Kinder – mehr als in jeder anderen Weltregion. In Niger etwa wächst die Bevölkerung jährlich um vier Prozent. Wohlstandsgewinne für den Einzelnen sind da selbst bei kräftigem Wirtschaftswachstum kaum möglich.
Drittens leidet die Region an einem zunehmenden Regierungsversagen. In den Machtzirkeln Bamakos, Ouagadougous oder Niameys mangelt es nicht nur an Geld, um die grundlegenden staatlichen Aufgaben wahrzunehmen. Oft fehlt auch die Kompetenz und der politische Wille dazu. Im besten Fall, so etwa in Burkina Faso, scheint die Regierung um Verbesserung bemüht, ist aber machtlos. Im schlechteren Fall, etwa in Tschad, ist sie bis in den Kern korrupt und einzig am eigenen Machterhalt interessiert. Hier wird der Staat, so er überhaupt präsent ist, von der Bevölkerung in erster Linie als Bedrohung gesehen.
In der Sahelzone ist, viertens, der Klimawandel bereits deutlich spürbar. Die Temperaturen steigen hier laut der Uno eineinhalb Mal so schnell wie im Rest der Welt. Das führt zu einer Entwertung von Farmland, zu Hungerkrisen und zu den oftmals gewalttätigen Konflikten zwischen Hirten und Bauern. Eine wichtige Rolle spielt, fünftens, ein Ereignis, das bereits acht Jahre zurückliegt: der Sturz von Muammar al-Ghadhafi und der Beginn des libyschen Bürgerkriegs. Aus dem Maghreb-Staat wurde dadurch für die Milizen in der Sahelzone ein billiges und üppiges Waffenreservoir. Für Nigers Präsident Mahamadou Issoufou ist klar: «Die Ursache für die Destabilisierung der Sahelländer liegt in Libyen.»


Das gestärkte Bewusstsein für eine Weltgegend, die lange Zeit als toter Winkel galt – das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Europas Unterstützung funktioniert nicht. Trotz den vielen Milliarden hat sich die Sicherheitslage in der letzten Zeit deutlich verschlechtert. Moumina Cheriff Sy, der Verteidigungsminister von Burkina Faso, sagte unlängst in seltener Offenheit, das Engagement der Europäer habe bisher «null Wirkung» erzielt.
Das Grundproblem besteht darin, dass Europa die Krise im Sahel vorab aus einem sicherheitspolitischen Blickwinkel betrachtet. «Entwicklung ohne Sicherheit ist nicht möglich», sagte Merkel kürzlich, als sie einen Ausbau der militärischen Kooperation ankündigte. Will heissen: zuerst Frieden, dann alles weitere. Diese Logik ist verkürzt. Mit Waffen allein werden sich die strukturellen Ursachen der Krise nicht beheben lassen. Ohne Gleichgewicht zwischen militärischen und (entwicklungs-)politischen Massnahmen betreibt man reine Symptombekämpfung. Merkels Kausalkette gilt nämlich auch in die andere Richtung: ohne Entwicklung keine Sicherheit.
Für Europa ist es höchste Zeit für einen Kurswechsel. Die militärische Hilfe ist richtig, womöglich wird gar ein weiterer Ausbau nötig sein. Wichtiger noch wäre es allerdings, die Ursachen des Problems anzugehen. Im Kern heisst das: Europa muss mithelfen, in der Sahelregion Zukunftsperspektiven zu schaffen. Mehr als alles andere werden zwischen Bamako und N’Djamena Ausbildungsplätze und Jobs benötigt. Und mindestens so wichtig wie funktionierende lokale Militäreinheiten sind funktionierende Spitäler und Schulen, ja überhaupt ein Staat, der nicht vorab eine Bedrohung für die Bürger darstellt, sondern Lösungen sucht für deren Probleme.
Wenn sich die Lebensbedingungen der Menschen nicht deutlich verbessern, werden die Gewalt, der Extremismus und der Abwanderungsdruck in der Region nicht verschwinden. Das ist, so simpel es klingen mag, eine epochale Aufgabe, zumal Europa diese im Sahelgebiet praktisch alleine wird stemmen müssen. Eine Alternative gibt es nicht.
© 2019 nzz.ch

2 Gedanken zu „SAHEL – EIN DESASTER BAHNT SICH AN

  1. DIE Brd..igung läuft
    rettung 1 ::D.Trump schafft es, die kabale weltweit aus ihren verstecken zuziehen und vor GERICHT zu stellen und den irdischen reichtum auf die MENSCHHEIT zu verteilen
    oder
    2. bei dem polsprung + null-punkt-energie beginnt das irdische LEBEN neu

    die migration ist ein geschäft der profiteure … die migranten geben ihr letztes hemd und die doitschen werden zerstört wie auch europa.= die weissen
    die usa und japan und andere warnen vor der reise nach D und der dort stattfindenden kriminalität …wer el merk glaubt das gesäusel von der SICHEREN brid , dem ist nicht zu helfen …die doitschen hungern während migranten noch verwöhnt werden b i s das geld alle ist …recht gibt es nicht migr werden gering gerichtet, die doitschen umso heftiger …
    ich schreibe dies, solange es noch geht, denn „frei meinungs-äusserung“ ist perdue … luise

    Liken

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