TROTZ AUSNAHMEZUSTANDS FAST EIN GEWÖHNLICHER TAG – Le dimanche à Bamako, c’est le jour des mariages

Version française sous les photos

(Eigener Bericht) Nicht aus der Ruhe bringen lassen – das Leben geht weiter, und so kann auch eine Hochzeit nicht verschoben werden, die, wie gewohnt in Bamako und Mali überhaupt, am Sonntag hunderte von Freunden, Nachbarn und Verwandten aus der näheren und weiteren Umgebung vereint. Zu gutem Essen – in einer Sonrai-Familie gibt es sogar zwei Gänge: zuerst Riz au gras, natürlich mit Hammelfleisch, und dann nochmal Reis mit Fakoye, der beliebten schwarzen Sauce aus dem Norden – und frohen Klängen, die die Frauen unter Lobeshymnen der Griots (eine Art traditioneller Minnesänger und -sängerinnen, heutzutage zu einem Beruf ausgeartet) zum Tanzen anfeuern.
Die Gäste wetteifern anscheinend mit der Braut, wenn man sich die kostbar bestickten Gewänder und die Turmfrisuren der Frauen anschaut. Das braucht viel Vorbereitung, und man scheut auch nicht wirklich die Kosten. Die wichtigsten Gäste, die Dembas (Brautmütter, diesmal gab es haufenweise Dembas, aber wichtig ist die Demba principale, die alles organisieren muss), ziehen sich zwischendurch um, müssen also zwei Gewänder vorbereitet haben.

DSCF5200sDSCF5262sFotos (c) aramata: Préparation des pieds pour la peinture au henné, et les invités au mariage sous la grande bâche
Vorbereitungen der Füße für die Henna-Bemalung und Hochzeitsgäste unter dem großen Zelt

Verkehr und Betrieb auf den Straßen hatten längst wieder die gewohnte Quirligkeit aufgenommen. Eine Polizeikontrolle gab es auf dem Rückweg, bitte den Kofferraum öffnen.
Unterdessen sucht Mali weitere Täter des Anschlags auf das Luxushotel Radisson Blu. (Siehe auch untenstehenden Bericht und Artikel vom 22.11. in den MALI-INFORMATIONEN.)

Garder le calme face aux événements – la vie continue, alors c’est presque impensable de vouloir reporter un mariage qui, comme c’est l’habitude à Bamako et au Mali, rassemble, le dimanche, des centaines d’amis, de voisins et de proches des quatre coins du pays. Pour bien manger, pour écouter les chants et louanges des griots et griottes (autrefois une sorte de troubadours, de nos jours dégénéré en une activité génératice de revenus), et pour faire danser les femmes.
Lors des mariages au milieu sonrhai il y a même deux repas : d’abord le riz au gras à la viande des moutons égorgés à cette fin, et après ça encore du riz à la sauce noire de fakoye, très populaire au nord.
Les invitées, à voir leurs habits brodés précieusement et leurs belles coiffures, semblent être entrées en concours avec la mariée. Ça demande beaucoup de préparations, et on y met les prix. Les invitées les plus importantes, les dembas ou marraines (cette fois-ci il y en avait plein, mais l’importance incombe à la demba principale qui doit tout organiser), se changent en cours de la journée, alors ils doivent préparer deux habits.
La circulation et l’animation dans les rues étaient aussi remuantes comme tous les jours.
Un contrôle de police, on y passait au retour : SVP ouvrez le coffre.
Maintenant le Mali cherche d’autres complices des assaillants de l’hôtel Radisson Blu.

VOIR AUSSI => article sur l’attaque dans MALI-INFORMATIONEN du 22.11.2015

DSCF5272sDSCF5273s
Fotos (c) aramata

Mali will dem Terror trotzen
Deutsche Welle – 23.11.2015
Wenige Tage nach dem Anschlag auf das Radisson Blu gilt in Bamako noch der Ausnahmezustand. Unsere Afrikakorrespondenten haben vor dem Hotel mit Menschen gesprochen, die sich vom Terror nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Von Adrian Kriesch/Jan-Philipp Scholz
Die ersten zwei Schlüsse der Terroristen galten ihm. Demba Djouba verkaufte wie jeden Morgen auf der Straße vor dem Haupteingang des Radisson Blu Hotels im Zentrum von Bamako seine Prepaid-Karten für Handys.

Demba Djouba verfehlten die ersten Kugeln der Attentäter nur knapp

Foto (c) DW/J.P.Scholz: Demba Djouba, vendeur de de cartes télephoniques au quartier du Radisson
Demba Djouba verfehlten die ersten Kugeln der Attentäter nur knapp

Plötzlich sah er einen Mann direkt in seine Richtung laufen. Ohne Vorwarnung feuerte er einen Schuss direkt in Djoubas Richtung. „Der Schuss ging ganz knapp links an meinem Kopf vorbei“, erinnert sich der junge Mann. Djouba fing sofort an zu rennen. Als er weitere Schüsse hinter sich hörte, warf er sich auf den Boden. „So habe ich ein paar Minuten gelegen und gewartet. Dann habe ich nur noch Schüsse aus der Ferne gehört und bin so weit gelaufen, wie ich nur konnte.“
– Sonntagsbaguette und Terrorangst –
Neun Stunden hatten die Sicherheitskräfte gebraucht, um die Geiselnahme im Hotel zu beenden. 170 Menschen sollen zeitweise in der Gewalt der zwei Angreifer gewesen sein, 18 von ihnen wurden getötet….
Nur zwei Tage nach den Ereignissen, die Freitag die Weltnachrichten bestimmten, steht Djouba beim Bäcker Schlange – direkt gegenüber vom Luxushotel. Es ist Sonntag und er kauft Baguette für seine ganze Familie. „Natürlich habe ich immer noch Angst“, sagt Djouba – und hat trotzdem ein Lächeln im Gesicht. Er vertraue Polizei und Militär. Und das Leben müsse ja weitergehen. „Vor allem bin ich froh, dass internationale Sicherheitskräfte uns hier unterstützen. Ich habe noch mitbekommen, wie sie schon kurz nach dem Anschlag vor dem Hotel eingetroffen sind. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.“
Direkt hinter ihm in der Bäckerei steht eine der Personen, von denen Djouba redet. Der ältere Herr will seinen Namen nicht nennen, sagt nur, dass er sich als „Sicherheitsberater für eine internationale Organisation“ im Land aufhalte. Er selbst sei am Morgen des Anschlags gerade aus seinem Apartment gekommen, das nur knapp 200 Meter von Radisson Blu entfernt liege. „Als ich die ersten Schüsse gehört habe, war mir recht schnell klar, was los war“. Er habe gerade noch einen Bus aufhalten können, der in Richtung Hotel unterwegs war. Wenige Minuten später hätten dann schon französische Spezialeinheiten die Straße gesichert.
Inzwischen wirkt das Leben vor dem Radisson Blu fast wie an einem gewöhnlichen Tag. Der kleine Kiosk direkt gegenüber vom Luxushotel hat auch bereits wieder geöffnet und wartet auf Kunden. Auf einer Holzbank nebenan sitzt eine Gruppe älterer Männer und beobachtet gelassen das Geschehen. Nur die ständig vor ihnen parkenden und wegfahrenden Geländewagen stören ihre Ruhe ein wenig. Aus den Autos steigen immer wieder Fernsehteams aus, die Aufnahmen aus dem Inneren des Hotels ergattern wollen. Doch die malischen Sicherheitskräfte am Eingang geben ihnen geduldig zu verstehen, dass, solange die forensische Arbeit der Experten nicht abgeschlossen ist, niemand ins Hotel darf.
Foto (c) DW/Jan-Philipp Scholz: Muhammad Traoré, agent de voyage, reste optimiste
Reiseleiter Muhammad Traoré bleibt Optimist trotz Geldsorgen

Plötzlich verlangt ein Mann Zutritt, der offensichtlich kein Journalist ist. Der Malier scheint ein wenig aufgebracht. „Ich habe schon für meine Reservierung hier gezahlt. Drei Zimmer, zwei Doppelzimmer und ein Einzelzimmer, für zwei Nächte – insgesamt mehr als 1200 Euro. Vom wem bekomme ich denn jetzt bitte mein Geld zurück?“ Er habe eigentlich damit gerechnet, dass das Hotel heute schon wieder aufhabe und ihm jemand den Betrag zurückerstatten könne, so der Mann, der sich als Reiseleiter zu erkennen gibt. Er sei am Morgen des Anschlags mit seiner Gruppe amerikanischer Rentner schon auf dem Weg zum Hotel gewesen, aber sie hätten nach der langen Reise Hunger gehabt. Deshalb sei er mit ihnen vorher noch in ein kleines Restaurant um die Ecke gefahren – dort habe er dann im Fernsehen die „Breaking News“ vom Terroranschlag gesehen. Daraufhin hätte die Gruppe ihre Reiseroute geändert. Nun bereisten sie erst andere Länder auf ihrer Westafrika-Tour. Aber sie hätten bereits gemeinsam entschieden, ins Radisson Blu zurückzukehren, wenn es bald hoffentlich wieder aufmache. „Es ist eines der besten Hotels in Bamako“, so der Reiseführer. „Und das wird es bleiben.“
© 2015 DW.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s