IN SEVARE WERDEN EINE WOCHE NACH DEM ANSCHLAG DIE ARMEEPATROUILLEN VERSTÄRKT – A Sévaré, l’armée veut rassurer, une semaine après l’attaque des jihadistes

Schein und Wirklichkeit
Neue Zürcher Zeitung – 12.08.2015
Ein bekannter malischer Jihadist und Anhänger eines einheimischen Predigers hat sich am Dienstag als Drahtzieher des blutigen Terroranschlags vom Wochenende in Mali zu erkennen gegeben.

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Mali: l’armée veut rassurer, une semaine après l’attaque d’un hôtel de Sévaré
AFP – 15.08.2015 à 21:30
Par Serge DANIEL
Une semaine après l’attaque, le 7 août, d’un hôtel ayant fait 13 morts à Sévaré, près de Mopti, l’armée malienne a renforcé sa présence dans le cadre d’une mission „contre le terrorisme“, saluée par des habitants qui se disent rassurés.

Vue de l'hôtel Byblos de Sévaré au Mali, le 8 août 2015, au lendemain d'une attaque qui a
Foto © AFP/STRINGER: Vue de l’hôtel Byblos de Sévaré au Mali, le 8 août 2015, au lendemain d’une attaque qui a fait 13 victimes
Ansicht des Hotels Byblos in Sévaré, am Tag nach dem Angriff


„Les patrouilles vont chasser les jihadistes et les bandits“, a déclaré à l’AFP Alhassane Kouyaté, notaire à Sévaré, à 12 km de Mopti – le chef-lieu de région – et à plus de 620 km de Bamako. „Les gens ont moins peur la nuit maintenant, il faut qu’elles continuent“.
Vendredi, plusieurs centaines de militaires – leur nombre précis n’est pas communiqué – ont été rassemblés dans le camp militaire de Sévaré pour une cérémonie symbolique, durant laquelle ils ont reçu les dernières consignes avant leur déploiement, a constaté un journaliste de l’AFP.
„Assurer la sécurité des biens et des personnes dans le cadre de la lutte contre le terrorisme“: c’est la mission que leur a assignée le colonel Saibou Doumbia, chef de la région militaire du centre du Mali, à la lisière du vaste Nord. Selon lui, le ministère malien de la Défense a mis à leur disposition „les moyens qu’il faut pour faire face à la situation“ et leur mission durera le temps nécessaire.
Depuis vendredi, on peut voir deux avions militaires maliens survoler la ville et ses environs. Devant plusieurs bâtiments officiels et hôtels, sont postés des policiers et soldats en armes. Les forces maliennes procèdent également à des patrouilles.
Pour Alioune Coulibaly, restaurateur à Sévaré, une présence militaire forte et visible rassure la population et peut avoir un effet dissuasif sur les malfaiteurs et les terroristes. „Les patrouilles vont amener la paix“, espère-t-il.
Mahamane Cissé, guide touristique à Mopti, partage son avis: „Les patrouilles protègent tout le monde“, elles auraient dû être menées depuis longtemps.
„Par exemple, quand les terroristes ont attaqué la semaine dernière à Sévaré, j’étais dans le pays Dogon avec huit touristes français. Aussitôt, l’ambassade de France a téléphoné pour (leur) demander de regagner Bamako“, ce qui ne se serait pas passé „si les patrouilles militaires avaient été mises en place auparavant“, a-t-il expliqué.
(…)
L’attaque [du 7 août] a été revendiquée par Souleyman Mohamed Kennen, un cadre jihadiste proche du prédicateur musulman radical malien Amadou Koufa.
D’après des spécialistes des milieux jihadistes, Amadou Koufa pourrait avoir des liens – de nature encore indéterminée – avec un mouvement armé apparu au début de l’année, le Front de libération du Macina (FLM, Macina étant le nom traditionnel d’une partie du centre du Mali).
Voir les articles #2, #3 du post Geiselnahme… – Prise d’otages… – 09/08/15)
Aucun des habitants interrogés par l’AFP n’a fait part de doutes quant à l’efficacité du renforcement de la présence militaire dans la zone. Pourtant, il a suffi d’une rumeur d’attaque imminente quelques jours après l’attaque du Byblos pour faire vaciller cette confiance affichée.
„La rumeur disait que les hommes d’Amadou Koufa allaient attaquer vendredi Sévaré“, a précisé un policier.
Conséquence: jeudi soir, des femmes se sont précipitées au marché de Sévaré pour faire des provisions qui tiendraient plusieurs jours. Et vendredi matin, d’après le policier, l’affluence en ville était plus faible que d’habitude.
© 2015 AFP


Foto © AP/Jerome Delay: Des soldats français et maliens en poste d’observation aux environs de la ville de Sévaré
Französische und malische Soldaten auf einem Beobachterposten ausserhalb der Stadt Sévaré

Schein und Wirklichkeit
Neue Zürcher Zeitung – 12.08.2015
Von Markus M. Haefliger, Nairobi
In Mali hat eine bisher kaum bekannte Gruppe die Verantwortung für den blutigen Anschlag auf ein Hotel übernommen. Trotz einem Friedensschluss bekommt das Land den Terrorismus nicht in den Griff.
Ein bekannter malischer Jihadist und Anhänger eines einheimischen Predigers hat sich am Dienstag als Drahtzieher des blutigen Terroranschlags vom Wochenende in Mali zu erkennen gegeben. Bei dem am Freitag erfolgten Angriff auf das häufig von Uno-Soldaten besuchte Hotel Byblos in Sévaré im Landeszentrum waren am Freitag 13 Personen getötet worden…
Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP gab sich Suleiman Mohammed Kennen als Urheber des Anschlags zu erkennen. Seine Gruppe von «Mujaheddin» habe auch den Angriff vom Montag auf ein Lager der Regierungstruppen im gleichen Gebiet verübt; dabei waren drei malische Soldaten getötet worden. Kennen ist als Anhänger des radikalen Predigers Amadou Koufa bekannt, der aus der Gegend stammt. Bei verschiedenen Anschlägen in Mali waren seit Anfang Juli 13 Uno-Soldaten getötet worden, aber im Unterschied zu jenen Zielen knöpften sich die Islamisten diesmal Zivilisten vor.
Sévaré ist ein Vorort von Mopti, der Stadt am Niger, die als Tor zum weiten und dünn besiedelten Norden gilt. Ein Flughafen und Militärhauptquartiere in- und ausländischer Truppen liegen hier. (…)
Die Miliz, die sich damals [im Januar 2013] so weit nach Süden vorgewagt und dabei verrechnet hatte, hiess Ansar al-Din (Partisanen des Glaubens). Sie war Iyad ag-Ghali hörig, einem malischen Tuareg aus dem Ifoghas-Gebirge an der Grenze zu Algerien. Ihre Kämpfer hatten in Timbuktu die Mausoleen geschändet und waren mit dem Algerier Mokhtar Belmokhtar verbündet, dem Mitgründer des maghrebinischen Ablegers von al-Kaida. Nach offizieller Lesart wurde Ansar al-Din aufgelöst und wurden andere Aufstandsbewegungen im Norden in einem Friedensvertrag gezähmt.
Aber sowohl Kennen als auch sein Mentor, der Prediger Koufa, sind Weggefährten ag-Ghalis und Belmokhtars und führen nach eigenem Bekunden weiterhin deren Willen aus. Der Versuch, mit dem vor zwei Monaten unterzeichneten Abkommen «anständige» Rebellen von Extremisten zu trennen, gelingt nicht. Ansar al-Din in Kidal und eine andere, Mujao genannte Rebellenbewegung in Gao änderten die Bezeichnungen, um an den Verhandlungen mitreden zu können. Sie entledigten sich pro forma einiger ihrer Chefs, die im Hintergrund aber noch immer die Fäden ziehen. Das säkulare Mouvement national pour [la libération de] l’Azawad, das Ende 2011 den Aufstand im Norden ausgelöst hatte, büsst laufend an Einfluss ein.
Mit der Zersplitterung geht eine Ausbreitung des Terrorismus nach Süden einher. Vor zweieinhalb Jahren hatte allein die Bedrohung Moptis die Franzosen auf den Plan gerufen, mittlerweile hat man sich an Anschläge südlich davon fast schon gewöhnt – wie im April in Bamako oder jetzt in Sévaré. Trotz der proklamierten «Normalisierung» Malis nimmt die Unsicherheit zu. Ausländische Helfer und Uno-Angehörige werden in ihrer Reisefreiheit immer mehr eingeschränkt. Banditen machen die Strassen nach Timbuktu unsicher, zivile Flüge in die Hauptorte des Nordens gibt es seit 2012 nicht mehr.
Anfang Jahr trat eine neue Organisation, die ebenfalls dem gewaltbereiten Islamismus zuneigt, auf. Der Front de libération du Macina (FLM) bezieht den Namen aus einem Gebiet zwischen Mopti und dem weiter südwestlich gelegenen Ségou und rekrutiert seine Kämpfer aus Peulh, die sich von allen Seiten traktiert wähnen. Am Wochenende war der FLM als Urheber des Anschlags in Sévaré vermutet worden; die Gruppe scheint mit den neuen «Mujahedin» Kennens verbündet zu sein.
Noch im Juni gab es Grund zur Hoffnung in Mali. Nach zähen Verhandlungen hatten alle Seiten einen Friedensvertrag unterzeichnet, der den Regionen Timbuktu, Kidal und Gao mehr Eigenverantwortung und öffentliche Mittel zuhalten soll. Schon kurz darauf stritten sich die Rebellen wieder untereinander. An eine Einhaltung der Abmachungen wie Demobilisierung der Milizen, gemeinsame Überwachungsmassnahmen und Umverteilung der Staatsmittel ist nicht zu denken. Auch Präsident Ibrahim Boubacar Keita, vor zwei Jahren gewählt, um dem Land Frieden zu bringen, gibt laut Beobachtern in Bamako bloss Lippenbekenntnisse zugunsten einer dauerhaften Lösung ab.
Ein diplomatischer Beobachter bezeichnete die Verhandlungen als Spiegelfechterei. Die ehemaligen Rebellen wollen ihre Autonomie wahren, um ungestört illegalen Geschäften nachzugehen. Im Norden werden Kleinflugzeuge beobachtet, die Ladungen abwerfen, vermutlich von Kokain, das für den Schmuggel nach Libyen und Europa bestimmt ist. Dazu kommen Schlepperdienste für westafrikanische Migranten und – in umgekehrter Richtung – der Schwarzhandel mit Benzin, Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen.
Die Jihadisten bereichern sich an der Kriminalität, indem sie den Schmugglern bewaffneten Schutz geben, aber häufiger stehen hinter den mafiösen Banden Geschäftsleute und Honoratioren, die vorgeben, den Terrorismus zu bekämpfen. Auf dem Papier wurde der malische Aufstand gezähmt, in der Realität schwingen verbrecherische Kräfte stärker obenaus als je zuvor.
© 2015 nzz.ch

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