NEIN IN BURKINA FASO ZU GENMODIFIZIERTER BAUMWOLLE, WIE SCHON VOR 9 JAHREN IN MALI – Les Burkinabés marchent contre Monsanto à l’instar du Mali, vers l’agroécologie

Die Burkiner marschieren gegen Monsanto
Ouagadougou (Libération) – 24. Mai 2015 um 12:44
Sie wollen „Monsanto abfeuern“, wie sie „Blaise abgefeuert“ haben. Zwischen 1.000 und 1.500 Personen, je nach Veranstalter, Bauern, Agronomen und Mitglieder der Zivilgesellschaft versammelten sich zu einem Marsch in Ouagadougou am Samstagmorgen, im Rahmen des Welttages für den Widerstand gegen GVO (gentechnisch veränderte Organismen).

DEUTSCH (VON MIR ETWAS VERBESSERTE GOOGLE-ÜBERSETZUNG) WEITER UNTER DEM ZWEITEN FOTO

Aus dem Archiv / Des archives:


Bauernjury in Sikasso
Le Monde diplomatique – 13.04.2006
In Mali wehren sich die Baumwollbauern
gegen die Einführung transgener Sorten
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von Roger Gaillard
Der große, schlanke Mann im türkisfarbenen Gewand sprang auf, ergriff das Mikrofon, deutete mit dem Zeigefinger in die Luft, in Richtung der Ventilatoren, die die Mittagshitze umwühlten, und wandte sich in der Regionalsprache Bambara an die Versammelten: „Warum sollen wir armen Bauern die Genpflanzen akzeptieren, wenn die reichen Bauern des Nordens sie ablehnen?“ Zustimmendes Gemurmel aus dem Publikum. Das Saalmikro wanderte weiter zu einer jungen Landwirtin, die mit ihrem Baby gekommen war: „Wozu soll das gut sein, wenn wir durch die Genpflanzen eine größere Ernte haben, wo wir doch schon für unsere jetzige Ernte keinen anständigen Preis bekommen?“
Die Szene spielte in Sikasso, einem Ort im Süden Malis, das zu den ärmsten Ländern Afrikas gehört. In dieser Region werden zwei Drittel der wichtigsten Deviseneinnahmequelle Malis produziert: der Baumwolle. Fünf Tage lang, vom 25. bis 29. Januar 2006, gaben 43 Kleinbauern und -bäuerinnen eine beeindruckende Vorstellung in Sachen partizipativer Demokratie. Die aus der gesamten Region angereisten Baumwollbauern hatten vom Regionalparlament von Sikasso den Auftrag bekommen, eine Bauernjury zu bilden, um die Vor- und Nachteile einer eventuellen Einführung genetisch veränderter Organismen (GVO) für die Landwirtschaft zu bewerten. Die Jury, die in Anlehnung an andere, in Mali bereits wohl etablierte Diskussionsforen „Bürgerforum für demokratische Mitwirkung“ (Ecid) getauft wurde, war für Afrika eine Premiere. Unterstützung erhielt sie von europäischen Partnern, die sich für partizipative Methoden bei der Bewertung neuer Technologien und entwicklungspolitischer Maßnahmen einsetzen.*1
Das Forum in Sikasso entstand aufgrund des starken Drucks, dem sich die Länder Afrikas seitens der Agrarmultis ausgesetzt sehen, allen voran des US-Konzerns Monsanto und der Schweizer Syngenta Agro AG, die eine Industrialisierung des Agrarsektors und die Öffnung der Märkte für transgene Varietäten fordern.*2 Bt-Baumwollpflanzen sind genetisch verändert und produzieren zum Beispiel ein Gift gegen bestimmte Schädlinge. Dies ermöglicht zumindest theoretisch eine Verringerung des Pestizideinsatzes sowie höhere Ernteerträge.
Da Westafrika weltweit der drittgrößte Baumwollerzeuger ist, steht für die Agrarmultis einiges auf dem Spiel. Kein Wunder daher, dass die mit einem Jahresbudget von 100 Millionen Dollar ausgestattete US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID) die Einführung von Biotechnologien in den südlichen Ländern tatkräftig unterstützt.
Die Antwort des Schwarzen Kontinents auf den Druck von außen fällt recht unterschiedlich aus. Sambia lehnte Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms, die bekanntlich mit genetisch verändertem US-Mais durchsetzt sind, trotz drohender Hungersnot ab. Benin hingegen nahm die zweifelhafte Hilfe an, obwohl das Land 2002 ein fünfjähriges GVO-Moratorium beschlossen hatte. In Südafrika, dem Brückenkopf der Agrarindustrie in Afrika, werden transgener Mais und transgene Baumwolle seit knapp zehn Jahren angebaut – die Ergebnisse sind umstritten. In Burkina Faso wiederum, das an Mali angrenzt, werden seit 2003 gegen vielfältigen Widerstand Freilandversuche mit transgener Baumwolle durchgeführt.
Höchst interessiert und aufmerksam befragte die Bürgerjury in Sikasso während ihres Treffens ein gutes Dutzend Experten aus Westafrika, Südafrika, Indien und Europa. Die Molekularbiologen, Agraringenieure, NGO-Vertreter und Delegierten der Bauernbewegungen beantworteten diverse Fragen zu Vor- und Nachteilen von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen: zu den Risiken für Umwelt und Gesundheit, zum tatsächlichen Produktivitätszuwachs, zu sozioökonomischen Faktoren, zu ethischen und juristischen Fragen; auch die kulturellen Implikationen waren ein Thema.
GVO heißt auf Bambara „Baieereemaschi“ (veränderte Nährmutter). Da die animistische Weltsicht im überwiegend muslimischen Mali noch sehr präsent ist, sorgte allein schon der schiere Vorgang, ein Gen von einem Organismus in einen anderen zu übertragen, bei nicht wenigen Zuhörern für Beunruhigung.
Debattiert wurde auch die überaus wichtige Problematik der geistigen Eigentumsrechte und der Patentierung. Jeanne Joudjuhekpon, Genetikerin bei der Organisation Grain, kam auf das Thema zu sprechen: „Die Bt-Saat ist patentrechtlich geschützt, was den Firmen absolute Macht über die Landwirte gibt. Die Kleinbauern haben nicht mehr das Recht, einen Teil der eigenen Ernte im nächsten Jahr auszusäen, wie sie es immer getan haben. Tun sie es dennoch, drohen ihnen juristische Sanktionen.“
Das Argument traf ins Schwarze, zumal der westafrikanische Baumwollsektor in der Krise steckt, woran Mamadou Goïta, Leiter der „Koalition gegen GVOs und für den Schutz des genetischen Erbes in Mali“ noch einmal erinnerte. Die Textilgesellschaft von Mali (CMDT), die zu 60 Prozent dem Staat, zu 40 Prozent dem französischen Unternehmen Dagris gehört, schreibt seit der Abwertung des CFA-Franc und dem Einbruch der Weltmarktpreise rote Zahlen, obwohl die jährliche Erzeugung zwischen 1994 und 2005 von 320 000 auf 600 000 Tonnen angewachsen ist.
Biobaumwolle für die europäischen Verbraucher
Bis 2008 muss die CMDT privatisiert werden, sonst blockiert die Weltbank jede weitere Hilfe. Wegen des Bilanzdefizits sank der Kilopreis, den die CMDT den Landwirten zahlt, von 210 CFA-Franc 2004 auf 160 CFA-Franc 2006 (dies entspricht 0,25 Euro), während die Kosten für chemische Hilfsmittel weiter anstiegen. Unter solchen Bedingungen ist der Baumwollanbau nicht mehr rentabel. Viele Bauern, die über Jahre nur Baumwolle angebaut haben, denken darüber nach, auf Hirse und Mais umzustellen. Mamadou Goïta hat einen anderen Vorschlag: „Wir sollten umsatteln und biologische Baumwolle anbauen, um Zugang zu EU-Märkten zu erhalten, wo die öffentliche Meinung die Genmanipulation ablehnt. In jedem Fall sind die Kräfteverhältnisse sehr ungünstig, vor allem wegen der Dumpingpolitik der Vereinigten Staaten, die ihre 25 000 Baumwollfarmer alljährlich mit 4 Milliarden Dollar subventionieren, während in Mali über 3 Millionen Menschen vom Baumwollanbau leben.“
Die multinationalen Konzerne folgten der Einladung der Bauernjury nicht. „Wir haben die Syngenta-Stiftung und Monsanto mehrfach angeschrieben“, sagt Barabara Bordogna, Biologin beim Interdisziplinären Netz für Biosicherheit in Genf (RIBios) und Mitglied des Ecid-Lenkungsausschusses, „aber die Firmen schrecken vor einer Beteiligung an einem offenen und transparenten Diskussionsprozess, den sie nicht kontrollieren können, offenbar zurück.“
Monsanto empfahl immerhin einige Landwirte, die von positiven Erfahrungen mit GVOs berichten konnten. So reiste aus Südafrika der Zulu-Bauer T. J. Buthelezi an, der seit 1996 Bt-Baumwolle anbaut, und versicherte, das Ergebnis lasse nichts zu wünschen übrig. Er berichtete, dass bei einer Überschwemmung die mit transgener Baumwolle angesäten Anbauflächen intakt geblieben, während die herkömmlichen Pflanzen eingegangen seien. Seither baue er nur noch GVOs an, auch genveränderten Mais, den er selbst esse, ohne dass gesundheitliche Beschwerden aufgetreten seien. „Macht es wie ich, bereichert euch“, rief er den Bauern Malis zu.
Zu einem ganz anderen Schluss gelangte P. V. Satheesh aus dem zentralindischen Bundesstaat Andhra Pradesh in ihrer Dreijahresstudie. Die Ernteerträge bei herkömmlichen Baumwollsorten seien durchweg höher gewesen als die Erträge auf den transgenen Versuchsfeldern, wobei die Bt-Varietät kaum weniger Pestizide benötigt habe als die herkömmlichen Sorten. Der hohe Bt-Saatgutpreis in Verbindung mit enttäuschenden Erträgen habe viele Kleinbauern ruiniert. Da Monsanto alle Entschädigungsforderungen kategorisch ablehnte, habe die Regierung von Andhra Pradesh dem Unternehmen jede weitere Aktivität in ihrem Hoheitsgebiet untersagt.
Außer diesen diametral entgegengesetzten Positionen waren auf dem Bürgerforum auch Zwischentöne zu hören. So auch die von Ouola Traoré, Agronom und Leiter des Baumwollprogramms am Nationalen Institut für Umweltfragen und agronomische Forschung (Inera) in Burkina Faso, wo Bt-Baumwolle seit 2003 getestet wird – mit der Perspektive, die transgene Varietät nach 2010 einzusetzen: „Nur durch gründliche Forschungen über die an unser Klima angepassten lokalen Varietäten lässt sich bestimmen, ob die GVOs für Westafrika eine Zukunftslösung darstellen“, erklärte Traoré. Sein Plädoyer für unabhängige afrikanische Forschungen im Rahmen staatlicher Institutionen kam bei der misstrauischen Zuhörerschaft jedoch schlecht an. Auch ihr war bekannt, dass die wissenschaftlichen Institute des Kontinents von finanziellen Zuschüssen der internationalen Biotechlobby abhängen.
Die Jury bildete mehrere Arbeitsgruppen – in einer saßen ausschließlich Frauen. Nach eintägiger Beratung gaben sie ihre Empfehlung bekannt: Nein.*3 Einstimmig lehnten die in Sikasso versammelten Bauern die Einführung von GVOs in Mali ab und befürworteten stattdessen den Erhalt und den Ausbau der lokalen Saattechniken, um nicht in Abhängigkeit von den Multis zu geraten: „Wir wollen die Herren unserer Felder bleiben, wir wollen keine Sklaven werden“, bekräftigte Brahim Sidebe, einer der Bauernsprecher.
Birama Kone legte den Akzent auf den Erhalt der konvivialen Lebensweise: „Unsere Bauern sind es gewohnt, sich gegenseitig zu helfen. Es besteht die Befürchtung, dass durch die GVOs der Sinn für Freundschaft und Solidarität zerstört wird. Wenn ich ein GVO-Feld habe, mein Nachbar aber nicht, wird es wegen der Gefahr der Kontaminierung früher oder später Konflikte zwischen uns geben.“
Die Frauendelegierte Basri Lidigoita empfahl eine Neuausrichtung der Forschung, um die lokalen Saaten mit klassischen agronomischen Verfahrensweisen zu verbessern und die Kleinbauern besser auszubilden – insbesondere in den Methoden der biologischen Landwirtschaft.
Am 29. Januar übergab die Bürgerjury ihre Empfehlungen dem Regionalparlament von Sikasso. Die Lokalradios hatten täglich über die Debatten berichtet und veröffentlichten nun ebenso wie das malische Fernsehen die Schlussfolgerungen, zu denen die Jury gelangt war. Die Empfehlungen haben zwar keine zwingende Wirkung, doch da Mali das Cartagena-Protokoll über Biodiversität*4 unterzeichnet hat, steht einer Umsetzung der Empfehlungen eigentlich nichts im Wege.
Der Gesetzentwurf, der sich an das Protokoll anlehnt, sieht vor, dass die Bürger landesweit ein Mitspracherecht haben, bevor es zu einer Einführung von GVOs kommen kann. „Wir wollen keine GVOs“, rief Lidigoita den Zuhörern zu, „und wir verlangen von der Regierung, dass sie die Einführung in unserem Land verhindert. Wenn es Bauern geben sollte, die rechtswidrig GVOs anbauen, werden wir ihre Felder abbrennen!“
Fußnoten:
1 Hier ist vor allem das Interdisziplinäre Biosicherheits-Netzwerk (RIBios) zu nennen, das an den Universitäten Genf und Lausanne sowie in Kürze auch in Bamako Fortbildung in Biosicherheit anbietet (www.ribios.ch).
2 Dazu Tom Amadou Seck, „Subventionen gegen Afrika“, Le Monde diplomatique, Dezember 2005.
3 www.iied.org/NR/agbioliv/documents/Recom mendationsEng.pdf.
4 Das „Protokoll von Cartagena über die biologische Sicherheit“, das dem „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“ angegliedert ist, zielt laut Art. 1 darauf, zur „Sicherstellung eines angemessenen Schutzniveaus bei der sicheren Weitergabe, Handhabung und Verwendung der durch moderne Biotechnologie hervorgebrachten lebenden veränderten Organismen, die nachteilige Auswirkungen auf die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt haben können, beizutragen, wobei auch Risiken für die menschliche Gesundheit zu berücksichtigen sind und ein Schwerpunkt auf der grenzüberschreitenden Verbringung liegt“.

Aus dem Französischen von Bodo Schulze
Roger Gaillard ist Journalist bei der Agentur InfoSud und lebt in Genf.

© 2006 Monde-diplomatique.de
Testgelände für Monsanto
Burkina Faso hat gegen den Willen der Baumwollproduzenten genmanipuliertes Saatgut bestellt
Le Monde diplomatique – 13.02.2009
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Von Françoise Gérard
Seit dem Jahr 2001 werden in Burkina Faso Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Organismen gemacht, der sogenannten Bt-Baumwolle.*1 Doch erst zwei Jahre später wurde bei einem Workshop des Verbraucherschutzbunds zur Biosicherheit öffentlich bekannt, dass die Regierung in Ouagadougou mit dem berüchtigten US-amerikanischen Saatguthersteller Monsanto vertraglich eine Partnerschaft zum Anbau genetisch veränderter Organismen (GVO) eingegangen war. Monsanto behauptete zwar, die GVO-Versuche seien auf „gesonderten Feldern“ durchgeführt worden, tatsächlich waren es aber nur Parzellen, über die man ein paar zerfledderte Netze geworfen hatte.
Diese Nachricht löste bei den burkinischen Bauern wie zu erwarten heftige Proteste aus. Burkina Faso hatte außerdem gegen zwei internationale Abkommen verstoßen, die es selbst unterzeichnet hat: das Biodiversitätsabkommen (Convention on Biological Diversity/CBD), das 1992 in Rio de Janeiro ausgehandelt wurde, und das Cartagena-Protokoll, ein völkerrechtlich bindendes internationales Abkommen, das am 11. September 2003 in Kraft getreten war und den grenzüberschreitenden Transport und die Handhabung von gentechnisch veränderten Organismen regelt.
Mit ihrer Unterschrift unter diese beiden Verträge hatten sich alle Mitgliedstaaten – nur die USA, Somalia und der Irak haben das Cartagena-Protokoll von vornherein nicht unterzeichnet – dazu verpflichtet, dessen Vorgaben in ihrer jeweiligen nationalen Gesetzgebung umzusetzen und äußerste Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, bevor mit dem Anbau genetisch veränderter Organismen begonnen würde. Die Bevölkerung sollte über mögliche Gefahren aufgeklärt und keine Entscheidung sollte ohne eine breitestmögliche Bürgerbeteiligung getroffen werden.
Burkina Faso verabschiedete sein nationales Biosicherheitsgesetz erst im April 2006. Eigentlich hätte das Gesetz mit seinen 75 Artikeln die GVO-Gegner beruhigen können. In Artikel 22 wurde festgeschrieben, dass „die Sicherheit von Menschen, Tieren und Pflanzen und der Schutz von biologischer Vielfalt und Umwelt zu gewährleisten“ und eine Nationale Biosicherheitsbehörde (ANB ) zur GVO-Risikobewertung zu schaffen sei. Es sind ja gerade die unkontrollierbaren Risiken, die den GVO-Gegnern Sorgen machen.
Man fragt sich, warum die Regierung von Burkina Faso sich ausgerechnet mit dem Chemiekonzern Monsanto, dem Hersteller von Agent Orange und Roundup*2, zusammengetan hat. Burkina Faso ist eines der sieben ärmsten Länder der Welt. Langfristig, so hofft die Regierung, wird die gentechnisch veränderte Baumwolle die burkinische Landwirtschaft ankurbeln und damit der vielbeschworenen Armutsbekämpfung dienen. Für Monsanto war Burkina Faso als Testgebiet für die Verbreitung von GVO in ganz Westafrika besonders attraktiv, weil das Land der größte Baumwollproduzent in der Region ist, noch vor Mali, Benin und der Elfenbeinküste.
Aufgrund seiner geografischen Mittellage spielt es für die Verbreitung von Biotechnologien für Monsanto gewissermaßen die Rolle eines Trojanischen Pferds. Denn über die Baumwollentkernungsfabriken in den Grenzgebieten kommt es „unbeabsichtigt“ zur GVO-Kontaminierung benachbarter Baumwollplantagen. Und eine einmal kontaminierte Pflanze, die man mit bloßem Auge sowieso nicht als solche erkennen kann, lässt sich nicht mehr in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Und weil sich die ländlichen Gemeinden technisch aufwendige Kontrollen nicht leisten können, setzen sich die gentechnisch veränderten Pflanzen allmählich immer mehr durch, ohne dass die Bevölkerung etwas davon mitbekommt. Benin will den Anbau von GVO noch weitere fünf Jahre aufschieben. Mali dagegen hat dem Druck nachgegeben und Feldversuchen mit Bt-Baumwolle zugestimmt.
– Der diskreditierte Präsident als Musterschüler –
Burkina Faso ist das schwächste Glied in der Kette: Sein langjähriger Staatspräsident Blaise Compaoré war zudem bemüht, seinen internationalen Ruf wiederherzustellen, der durch die Unterstützung des 2003 gestürzten liberianischen Präsidenten Charles Taylor gelitten hatte.*3 So wurde Burkina Faso binnen weniger Jahre zum Musterschüler der Welthandelsorganisation (WTO). Der Abschluss mit Monsanto ist auch als politische Geste gegenüber den USA zu verstehen, und seit 2003 steht die Förderung von Bt-Baumwolle ganz oben auf der Agenda von Landwirtschaftsminister Salif Diallo.
Die Nationale Union der Baumwollproduzenten (UNPCB ) war zunächst skeptisch, gab diese Haltung jedoch alsbald wieder auf, nachdem die Union mit 30 Prozent an der Firma Sofitex beteiligt wurde, der größten burkinischen Gesellschaft zu Baumwollverarbeitung. GVO-kritische Baumwollbauern gründeten daraufhin im Jahr 2003 die Nationale Gewerkschaft für Landwirtschaft und Viehhaltung (Syntap). „Wir haben nichts anderes als die Landwirtschaft“, sagt Ousmane Tiendrébéogo, einer ihrer Sprecher. „Niemand hat das Recht, russisches Roulette mit unserer Zukunft zu spielen.“
Es gibt in Burkina Faso drei baumwollverarbeitende Gesellschaften: die Sofitex im Westen, die Socoma im Osten und Faso Coton in der Landesmitte. Zu dritt bilden sie ein Monopol, das gemeinsam mit der UNPCB jedes Jahr den Baumwollpreis festlegt. Im Jahr 2008 lag der Kilopreis für Baumwolle erster Güteklasse bei 165 Francs CFA, das entspricht 0,25 Euro. Sie beliefern die Bauern auf Kredit mit Düngemitteln, Insektiziden und Herbiziden und holen die geerntete Baumwolle zur Verarbeitung in die Entkernungsfabrik ab.
Dieses aus der Kolonialzeit übernommene Betreuungssystem ist eine zweischneidige Sache, denn es lässt den Erzeugern kaum Entscheidungsfreiheit. Den Bauern gehören zwar die Parzellen, sie könnten also ohne Weiteres, wenn es sich nicht lohnt, den Anbau von Baumwolle zugunsten einer anderen Exportpflanze, zum Beispiel von Sesam*4, aufgeben. Tatsächlich aber sind sie Abhängige – weil sie sich verschulden müssen und weil sie von den Baumwollgesellschaften direkt beliefert werden.
Yezuma Do ist Baumwollproduzent: „Sie sind mit Leuten von den Behörden gekommen. Polizisten waren auch dabei. Und sie haben uns erzählt, dass wir nächstes Jahr alle Bt anbauen müssten. Das soll angeblich besser für uns sein. Was das Saatgut kosten wird, haben sie aber nicht gesagt. Die UNPCB hat klargemacht, dass wir unsere normale Baumwolle nirgends mehr in der Gegend entkernen lassen können, wenn wir nicht mitmachen.“ Yezuma Do ist das Kämpfen leid, und wie viele seiner Nachbarn überlegt er jetzt, den Baumwollanbau ganz aufzugeben.
Die UNPCB und die Baumwollgesellschaften haben sich inzwischen zu einem großen Berufsverband zusammengeschlossen (Association interprofessionnelle du coton au Burkina/AICB ). In Kooperation mit den Wissenschaftlern überwacht der Verband die Ausbildung der Facharbeiter und Produzenten. Und er wird den Saatgutpreis für Bt-Baumwolle festlegen. Damit schließt sich der Kreis. Im Jahr 2008 wurde Bt-Baumwolle vom Typ Bollgard II auf einer Fläche von 12 000 Hektar angebaut. Nachdem die Nationale Biosicherheitsbehörde ANB deren kommerzielle Erzeugung für 2009 genehmigt hat, wurde daraus das Saatgut für 300 000 bis 400 000 Hektar Baumwolle gewonnen.
Die Produzenten bezahlten für das konventionelle Saatgut nur 900 Francs CFA (1,37 Euro) pro Hektar. Die Saatgut-Lizenzgebühren dagegen, die sie an Monsanto abführen müssen, werden vermutlich mehr als 30 000 Francs CFA (45 Euro) pro Hektar kosten.*5 Doch ihnen wird versichert, dass der Saatgutpreis auch in Zukunft erschwinglich bleiben wird.
Inzwischen haben sich einige Erzeugerverbände zu einem Anti-GVO-Bündnis zusammengeschlossen, der Vereinigung zum Schutz des genetischen Erbes Afrikas (Copagen). Auch Initiativen aus den Nachbarländern Benin, Mali, Elfenbeinküste, Niger, Togo und Senegal gehören dem Bündnis an. Trotz ihrer begrenzten Finanzmittel hat die Copagen im Februar 2007 eine Informationskampagne in der Region organisiert, um die Bevölkerung über die Risiken der GVOs aufzuklären. Die Aktion endete in einer Protestdemonstration gegen die Partnerschaftsabkommen mit der EU (WPA)*6 und den Anbau transgener Pflanzen in Ouagadougou: „Nein zum Diktat der Multis“, „Nur Bio-Anbau ist echter Umweltschutz“.
„Die da oben arbeiten offensichtlich nicht in unserem Interesse“, brachte ein Teilnehmer sein Anliegen auf den Punkt: „Wir brauchen sofort und überall Aufklärung über die GVO-Risiken. In Afrika darf es keine GVO geben.“
Die GVO-Befürworter finanzieren mit Unterstützung der Regierung Studien, Vor-Ort-Besuche und sogenannte Aufklärungsfilme. In den Hochglanzbroschüren von Monsanto wird zudem eine tolle Zukunft in Aussicht gestellt: Das transgene Bollgard-II-Saatgut soll eine durchschnittliche Ertragssteigerung um 45 Prozent, eine Verringerung der Pestizideinsätze von sechs auf zwei pro Saison und eine Kostenreduzierung um 62 Prozent bringen. Das würde, nach den Zahlen des burkinischen Instituts für Umwelt und landwirtschaftliche Forschung, eine Einsparung um 12 525 Francs CFA (20 Euro) pro Hektar und einen verbesserten Schutz von Gesundheit und Umwelt bedeuten.
– Pestizide in rauen Mengen –
Nun ist aber nichts so ungewiss wie der „durchschnittliche Ertrag“ in einem Land mit äußerst wechselhaften Niederschlägen. Wenn es nicht regnet, müssen die Bauern bis zu zwei- oder dreimal hintereinander aussäen. Solange das Saatgut billig ist, bedeutet das nur mehr Arbeit. Wenn aber die GVO-Saatgutlizenzen hinzukommen, wird es wesentlich teurer. Außerdem hat sich gezeigt, dass die genmanipulierte Wunderpflanze besonders empfindlich auf Dürre reagiert und während des Wachstums eingehen kann. Bei einem von EU-Vertretern moderierten Workshop legte man den Baumwollproduzenten nahe, sich „für alle Fälle“ mit ausreichend Schädlingsbekämpfungsmitteln zu bevorraten. Demnach scheint es alles andere als sicher zu sein, dass am Ende weniger Chemie gebraucht wird.
Zwei weitere Szenarien sind denkbar: das Heranwachsen genresistenter Raupenstämme innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre und das vermehrte Auftreten nicht zu bekämpfender sekundärer Schädlinge – Probleme, die in den USA und Indien bereits aufgetreten sind. Und als der Internationale Beratende Baumwollausschuss (CCIC)*7 vom 17. bis 21. November 2008 in Ouagadougou tagte, wurde interessanterweise zwar über den spektakulären Erfolg der Bt-Baumwolle in Indien berichtet – regelmäßige Ertragssteigerungen in den letzten sechs Jahren –, doch kein Wort über die Selbstmordwelle unter den Kleinerzeugern verloren. Ihnen hatte man hohe Ertragschancen vorgegaukelt; die wesentlich geringer ausfallenden Ernten hatten tatsächlich viele in den Ruin getrieben.*8
Über eine mögliche Kostenreduzierung lässt sich nur spekulieren, solange sich Monsanto über die Höhe der Saatgutlizenzen ausschweigt, die künftig neben Düngemitteln und Herbiziden bezahlt werden müssen. Selbst wenn man von höheren Erträgen ausgeht,*9 wird die Gewinnsteigerung kaum die Mehrkosten ausgleichen können.
Das Argument, das für die Baumwollproduzenten am meisten zählt, bleibt die von Monsanto in Aussicht gestellte Verminderung des Einsatzes von Pestiziden. Das ist nachvollziehbar, denn während der Ausbringung von Pestiziden übernachten die Bauern oft mit ihrer ganzen Familie auf dem Feld und sind daher den Giftstoffen unmittelbar ausgesetzt.
Dabei gäbe es eine gesunde Alternative: ein natürliches Insektizid, das aus dem in Westafrika weit verbreiteten Neembaum gewonnen werden kann. Um den Wirkstoff zu isolieren, ist lediglich ein einfaches technisches Verfahren erforderlich, wie Versuche der Malischen Gesellschaft für Textilentwicklung auf Baumwollfeldern in Mali gezeigt haben.
Auch die Welternährungsorganisation FAO hat 2001 ein Projekt im Rahmen der „Förderung des Integrierten Pflanzenschutzes“ (IPM) gestartet, das den Einsatz von Pestiziden deutlich vermindern oder gänzlich vermeiden helfen sollte. Dieses IPM-Projekt ist allerdings über das Stadium von Pilotversuchen nie hinausgekommen. Außerdem, das erzählt der Baumwollproduzent Yezuma Do, führe sich die Nationale Union der Baumwollproduzenten bei den Bauern auf wie eine Miliz. „Sie steht auf der Seite der Sofitex, die uns die Düngemittel und Insektizide aufzwingt. Wir haben keine Chance, uns dagegen zu wehren.“
Eine Alternative zum GVO-Anbau ist zum Beispiel die biologische und fair gehandelte Baumwolle der privaten Entwicklungsorganisation Helvetas. In Mali hat Helvetas im Jahr 2002, in Burkina Faso 2004 mit dem Anbau begonnen. Kein Chemieeinsatz, kostenlose organische Düngung, beste Erntequalität. Der Boden wird nicht ausgelaugt, sondern kann sich regenerieren. Die Erzeuger erhalten 328 Francs CFA (0,50 Euro) pro Kilogramm Baumwolle gegenüber 165 Francs CFA (0,25 Euro) beim konventionellen Anbau.
Rund 5 000 burkinische Kleinproduzenten auf 7 000 Hektar Fläche in den drei Regionen West, Mitte und Ost gehören bereits zum Helvetas-Netzwerk. Doch Monsanto und die hinter dem Konzern stehenden internationalen Finanzinstitutionen behindern das Projekt mit allen Mitteln. Und dann gibt es noch ein sehr banales Transportproblem: Für die Ausbringung des organischen Düngers werden Esel und Karren benötigt. Die wenigsten Bauern besitzen diese Hilfsmittel.
Abdoulaye Ouedraogo, bei Helvetas-Burkina zuständig für den Bereich Baumwolle, erklärt: „Hier hat der GVO-Anbau keine Zukunft. Erstens wegen des Klimas. Und zweitens, weil die Kleinbauern die Auflagen niemals erfüllen können. Sie müssen zunächst einmal ihre Familien satt kriegen. Dann erst kommt die Baumwolle. Das ist nicht wie in den USA mit ihren Monokulturen, so weit das Auge reicht.“
Dass der GVO-Anbau so massiv vorangetrieben wird, kann allerdings nicht allein den multinationalen Konzernen in die Schuhe geschoben werden, sondern hat auch mit der Gier einer privilegierten Klasse zu tun, die in Kauf nimmt, dass ihr eigenes Land ruiniert wird.
Fußnoten:
1 Bt-Baumwolle ist durch ein Gen für das Gift der Bakterienart Bacillus thuringiensis (Bt) gegen verschiedene Schädlinge resistent.
2 Agent Orange ist ein dioxinhaltiges Herbizid, das die US-Armee im Vietnamkrieg zur Entlaubung einsetzte; Roundup ist eine Serienbezeichnung bei Monsanto für hochtoxische Totalherbizide.
3 Charles Taylor, Expräsident von Liberia, steht seit Juni 2007 in Den Haag wegen Kriegsverbrechen vor Gericht. Compaoré soll Taylor während des Bürgerkriegs mit Waffen- und Diamantenschmuggel unterstützt haben.
4 Eine italienische Firma hatte ein für die Erzeuger sehr günstiges Exportprogramm aufgelegt. Aus Angst vor der Konkurrenz sorgten die Behörden dafür, dass das Programm scheiterte.
5 Vgl. die Website der NGO Grain: http://www.grain.org.
6 Wirtschaftspartnerschaftsabkommen, mit denen die EU versucht, den Freihandel mit den Ländern des Südens weiterzuentwickeln. Wegen heftiger Proteste von Bürgerinitiativen und Verbänden wurden die im Jahr 2000 begonnenen Verhandlungen nicht in allen Ländern weitergeführt. Vgl. http://www.stopepa.de.
7 Jährliches Treffen der größten Baumwollproduzenten und ihrer Partner. Ihre Prognose für 2009 ist pessimistisch.
8 Siehe Palagummi Sainath, „Böse Saat in Andra Pradesh“, Le Monde diplomatique, Januar 2008.
9 Salif Diallo versprach Erträge von 3 bis 3,5 Tonnen pro Hektar. Die erfolgreichsten Versuche mit GVO-Baumwolle erbrachten im Schnitt nur 1,3 Tonnen.

Aus dem Französischen von Veronika Kabis
Françoise Gérard ist Journalistin in Ouagadougou.

© 2009 monde-diplomatique.de
Introduction de semences OGM au Mali: Après mûre réflexion, des producteurs sikassois de coton disent non
Bamako (L’Indépendant) – 29 juin 2006
LIRE
Par Ramata DIAOURE
Le 27 juin 2006 s’est tenu au Centre Djoliba, à Bamako, un atelier de restitution des résultats de “ L’espace citoyen d’interpellation démocratique (ECID) sur les OGM en relation avec l’avenir de l’agriculture “ qui avait eu lieu à Sikasso, du 25 au 29 janvier dernier.
Organisé par l’Assemblée Régionale de Sikasso, avec l’appui conceptuel et méthodologique du Réseau interdisciplinaire de biosécurité (RIBios) et de l’Institut international pour l’environnement et le développement (IIED), sur financement des coopérations suisse et néerlandaise, l’espace citoyen d’interpellation avait pour objectifs de permettre aux productrices et producteurs de la 3ème Région administrative du Mali de mieux comprendre ce que sont exactement les Organismes génétiquement modifiés (OGM), ainsi que les risques et avantages qu’ils présentent ; de confronter les points de vue et argumentaires de témoins experts pro et anti OGM et de les interpeller librement et de formuler des recommandations sur les dispositions à adopter par nos autorités par rapport aux OGM, en relation avec l’avenir de l’agriculture au Mali.
Trente et un producteurs et quatorze productrices ont participé à l’exercice citoyen, grâce aux exposés de quatorze témoins experts et à la présence de nombreux facilitateurs. La nomenclature de la CMDT en matière de classification des exploitations avait été adoptée pour une meilleure représentativité des cotonculteurs et un comité d’observateurs indépendants a veillé à l’éthique des travaux.
Les producteurs du groupe A (15% du total) disposant d’engins motorisés (tracteurs) ou de charrues et d’attelages en nombre, ceux du groupe B (35%) disposant d’un attelage simple, ceux du groupe C (20%) disposant d’un attelage bœuf-charrue incomplet et ceux du groupe D (30% du total) ne pouvant compter que sur la force de leurs bras pour produire se sont tous déclarés unanimement, à l’issue de leurs concertations, contre l’introduction des semences OGM, plus particulièrement celle de coton BT, dans notre pays.
Cela avec des arguments frappés au bon coin du bon sens paysan. Tout d’abord, ils ont fait remarquer que les deux multinationales spécialisées dans la production des semences OGM, bien que conviées à l’atelier, n’ont pas daigné y envoyer un quelconque représentant, ce qui a paru suspect à nos producteurs.
Ensuite, le fait de devoir acheter chaque année un nouveau lot de semences, au tarif prohibitif pour nombre de cotonculteurs de 33 000 F CFA à l’hectare n’a pas été du tout apprécié, d’autant plus que les producteurs tiennent à leur patrimoine semencier.
Les volets sociaux et religieux n’ont pas non plus été oubliés dans cet argumentaire.
Ainsi, on redoute de ne plus pouvoir échanger de semences entre agriculteurs, à défaut de pouvoir conserver les siennes propres et de consommer, in fine, des aliments réprouvés par la religion, puisque l’on ne saura pas d’où provient le gène ajouté à la semence de la plante.
Par exemple, l’un des groupes a parlé de la possible utilisation de gènes de porc dans le processus, ce qui heurterait les convictions de tout Musulman.
De fortes craintes par rapport à la préservation de l’environnement, à la contamination des sols et des nappes phréatiques, ainsi que des mutations génétiques sur la progéniture des hommes et des animaux se sont aussi faites jour.
En définitive, c’est un niet catégorique aux OGM qui a clos les travaux. En témoignent ces quelques recommandations. „Considérant que le nombre de petits producteurs est de 98% et que la technique des plantes OGM n’est viable qu’avec les grand producteurs, qui ne sont que 2%, cette technologie ne doit pas être introduite (Groupe A).“Développer des stratégies de promotion d’une agriculture biologique centrée sur la valorisation des produits locaux et l’abandon de l’utilisation des intrants chimiques“ (Groupe B ). « Ne mener aucune recherche scientifique sur les OGM au nom des producteurs maliens car nous, paysans maliens, sommes contre les OGM“(Groupes C et D).
„Conserver les semences locales afin qu’elles ne disparaissent pas“ et, stratégie extrême, „brûler les semis OGM des producteurs récalcitrants et sanctionner la culture et la distribution illicites d’OGM“ (Les femmes, tous groupes confondus).
Signalons que tous les débats se sont déroulés avec une traduction simultanée en bamanan, langue dans laquelle, les rapporteurs ont effectué la restitution des travaux, mardi dernier.
© 2006 L’Indépendant
Au Mali, les producteurs de coton disent « non »
Le Monde Diplomatique – avril 2006
LIRE
Par Roger Gaillard
Grand, maigre, l’homme en boubou turquoise s’est levé d’un bond, et a saisi le micro. Voix vibrante, barbiche guillerette, index tendu vers les ventilateurs qui peinent à brasser la chaleur de midi, il interpelle l’assemblée en bambara, la langue régionale : « Pourquoi nous demander à nous, paysans pauvres, d’accepter des OGM dont ne veulent pas les riches paysans du Nord ? » Murmures d’assentiment dans l’assistance, puis le micro baladeur passe à une jeune agricultrice venue avec son bébé : « A quoi bon nous pousser à produire davantage grâce aux OGM, alors que nous n’arrivons déjà pas à écouler notre production à un prix correct ? »
La scène se déroule à Sikasso, paisible bourgade du sud du Mali, au cœur d’une province rurale qui produit les deux tiers de la principale source de devises du pays, l’un des plus pauvres d’Afrique et du monde : le coton. Pendant cinq jours, du 25 au 29 janvier 2006, un étonnant exercice de démocratie participative y a rassemblé quarante-trois petits paysans, dont de nombreuses femmes. A la demande de l’Assemblée régionale de Sikasso (le Parlement provincial), ces cotonculteurs, venus de toute la région, avaient pour mission de constituer un jury citoyen chargé d’évaluer les avantages et les inconvénients d’une éventuelle introduction d’organismes génétiquement modifiés (OGM) dans l’agriculture de leur pays. Baptisé « Espace citoyen d’interpellation démocratique » (ECID), en référence à des dispositifs de débats publics déjà bien établis au Mali, ce jury – une première en Afrique de l’Ouest – était soutenu par des partenaires européens actifs dans la promotion des méthodes participatives pour l’évaluation des choix technologiques et des politiques de développement.
Le forum de Sikasso est à replacer dans le contexte des fortes pressions exercées sur les pays d’Afrique par les multinationales agroalimentaires, en premier lieu l’américaine Monsanto et la suissesse Syngenta, qui prônent l’industrialisation du secteur agricole et l’ouverture des marchés aux cultures transgéniques. (…)
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Fotogalerien von CNOP, dem nationalen Verband der Bauernorganisationen Malis, über Mobilisierung und Protestaktionen ANSCHAUEN / REGARDER
KLICK aufs Bild vergrößert / CLIQUEZ pour agrandir
MOBILISATION CONTRE LE VOTE DE LA LOI INTRODUISANT LES OGM
à Bamako, le 13 novembre 2008

Mobilisation devant l'AN (1) Mobilisation devant l'AN (2)
Fotos (c) CNOP:
Slogans pour attirer l’attention des élus, devant l’Assemblée Nationale
Mobilisierung vor der Nationalversammlung gegen die Verabschiedung des Gesetzes zur Einführung von GVO, am 13.November 2008

=> Voir l’album

FORUM PAYSAN DE KOLONGO
dans le cercle de Macina, région de Ségou, le 20 novembre 2010

BandéroleLes participants du Forum
Fotos (c) CNOP: Landraub = Ausverkauf der nationalen Souveränität…Mali ist nicht zu verkaufen!
Teilnehmer des Forums der Bäuerinnen und Bauern

=> Voir l’album

In English:
=> Mali: not on my farm

Le Monde diplomatique – April 2006
By Roger Gaillard

=> Deliberative democracy: Citizens‘ Juries
IIED – …As indicated by its name, this Citizens‘ Jury is a space to share knowledge, dialogue and inform decisions on genetically modified organisms (GMOs) in relation to the future of farming in Mali. This event involved farmers, -men and women-, from all districts of the Sikasso region in Mali. The Citizens‘ Jury on GMOs took place in Sikasso between 25 and 29 January 2006. …Continue (with lots of links and documents)

Und was ist aus diesem Widerstand geworden?
Est-ce que les producteurs du coton malien ont eu raison de Monsanto??

La situation actuelle:

CONSTRUIRE SUR LE PASSÉ ET SE TOURNER VERS L’AVENIR

VOIR tous les articles sur le site de la CNOP – la COORDINATION NATIONALE DES ORGANISATIONS PAYSANNES au Mali,
dont le plus récent:
DECLARATION DU FORUM INTERNATIONAL SUR L´AGRO ECOLOGIE PAYSANNE
Sélingué du 24 au 27 février 2015
Nyéléni, Mali – 27 février 2015
Du 24 au 27 février 2015, nous nous sommes réuni(e)s dans le Centre Nyéléni, à Sélingué (Mali), pour développer une compréhension commune et partagée de l’agro écologie comme élément clé de la construction de la Souveraineté Alimentaire, ainsi que pour développer des stratégies conjointes visant à promouvoir l’agro écologie et éviter sa récupération par d’autres acteurs.
…En lire plus

Les Burkinabés marchent contre Monsanto
Ouagadougou (Libération) – 24 mai 2015 à 12:44
By Isabelle Hanne, Envoyée Spéciale à Burkina Faso
Ils veulent «virer Monsanto» comme ils ont «viré Blaise». Entre 1 000 et 1 500 personnes, selon les organisateurs, paysans, agronomes ou membres de la société civile, se sont rassemblées pour une marche samedi matin à Ouagadougou, dans le cadre de la journée mondiale de résistance aux OGM (organismes génétiquement modifiés), qui coordonnait plus de 400 marches dans le monde. Depuis 2008, le Burkina Faso est le seul pays de la région à cultiver du coton transgénique en plein champ.

Marche anti-Monsanto à Ouagadougou
Foto © Sophie Garcia : Marche anti-Monsanto à Ouagadougou, le 25 mai 2015.
Anti-Monsanto-Marsch in Ouagadougou, Burkina Faso, am 25. Mai 2015

Certes, la place de la Révolution, au cœur de Ouaga, en a vu d’autres. Notamment, les manifestations monstres des 30 et 31 octobre 2014, qui sont venues à bout des 27 ans de règne de l’ancien président Blaise Compaoré. Cette mobilisation-là est bien plus modeste, mais c’est «une réussite», se félicitent les organisateurs, réunis au sein du Collectif citoyen pour l’agro-écologie. «Ma santé oui, Monsanto non», lit-on sur les t-shirts rouges des manifestants, qui ont bravé un soleil de plomb et 42 degrés, pour défendre la souveraineté alimentaire du pays. 
«C’est quoi OGM ?», s’enquiert un passant auprès d’un manifestant. «Il y a un vrai manque d’information : les OGM ont été introduits en douce, sans concertation», raconte Ousmane Tiendrébeogo, à la tête du Syndicat national des travailleurs de l’agropastoral (Syntap), seul syndicat paysan anti-OGM, et aujourd’hui député du Conseil national de transition du pays. Aujourd’hui, la grande majorité (73%) du coton produit au Burkina Faso, premier producteur de cet or blanc en Afrique (710 000 tonnes lors de la dernière campagne), est OGM. Et des expérimentations sont en cours sur le maïs.
Des promesses de rendement en hausse
D’abord testé en 2003, mis au point grâce à des financements de l’agrosemencier américain Monsanto, le coton Bt (pour Bacillus thuringiensis) a été accueilli à bras ouverts par le régime de Compaoré, qui libéralisait alors la filière. La semence, qui appartient à l’Etat et au géant américain, a ensuite été commercialisée à l’échelle du pays dès 2008, en pleine crise des cours mondiaux. «Monsanto nous a dit qu’on n’avait pas le choix, compte tenu du changement climatique, raconte Issouf Sanou, économiste et coordonnateur des programmes de la Fédération nationale des organisations paysannes. Au début, on y a cru.»
Pour la première campagne, les semences sont distribuées gratuitement aux paysans, avec des promesses de rendement en hausse de 30%, et une diminution de six à seulement deux traitements insecticides : le coton Bt contient en effet un gène résistant à certains ravageurs. Une aubaine pour les paysans burkinabés, qui y voient une nette amélioration de leurs conditions de travail. «La première année on était très contents, raconte un manifestant, cotonculteur dans la région de Bobo-Dioulasso. Mais peu à peu, on a réalisé que le sol perdait en fertilité.» «Moi j’ai cultivé le coton Bt pendant trois ans, lui emboîte le pas Samuel Congo, un paysan de 33 ans qui en paraît dix de plus. J’ai abandonné parce que je perdais de l’argent, les rendements étaient très irréguliers d’une année à l’autre. Nos anciens nous ont conseillé de revenir à des cultures conventionnelles». 
Inabordables pour les cultivateurs, les intrants (semences, engrais, insecticides) sont achetés à crédit. En plus, les semences Bt, beaucoup plus chères que les conventionnelles (27 000 francs CFA à l’hectare contre moins de 1 000) ne repoussent pas d’une année sur l’autre : l’agriculteur doit en racheter tous les ans, et payer une redevance à Monsanto. «C’est cette dépendance qui nous fait peur, témoigne Issouf Sanou. C’est une prison ce système : il faut tout le temps produire du coton pour payer tes dettes.»
L’emprise de Monsanto sur le gouvernement précédent
Autre motif de mécontentement, le coton burkinabé a perdu en qualité, la fibre Bt étant plus courte que celle du conventionnel. La production nationale a d’ailleurs été déclassée en 2012 sur le marché mondial, passant de moyen ou haut de gamme au bas de gamme. Dernier grief en date : le coton Bt doit désormais faire face à un nouveau ravageur, qui nécessite l’introduction d’un autre insecticide. «Les inconvénients sont immenses, on ne sait pas encore comment les contrer», s’inquiète Jean-Didier Zongo, généticien à l’université de Ouagadougou, présent dans le cortège.
«Monsanto avait une très forte emprise sur le gouvernement précédent, explique Hervé le Gal, un Breton très impliqué sur le sujet avec son association Ingalañ, membre du collectif qui organise la marche. Nous voulons profiter du réveil de la société civile pour appuyer sur ce problème, et le mettre à l’ordre du jour de la transition.» Sur l’estrade, un grand type au micro ne dit pas mieux : «Il y a la révolution politique, mais il faut maintenant une révolution économique», scande-t-il. Les membres du Balai Citoyen, mouvement de la société civile qui a joué un grand rôle dans l’insurrection d’octobre, acquiescent. Des gros amplis diffusent un enregistrement de Thomas Sankara, icône panafricaine et président du Conseil national révolutionnaire assassiné en 1987, qui, en quatre ans au pouvoir, avait mis en place un programme d’autosuffisance alimentaire. La manifestation a fait sienne son slogan : «Produisons ce que nous consommons, consommons ce que nous produisons.» Sa sœur Blandine est d’ailleurs l’une des porte-parole du collectif. «Nous demandons un moratoire de dix ans sur les OGM, le temps de faire des études indépendantes approfondies. Et beaucoup plus d’informations : la plupart des paysans qui le cultivent ne savent pas ce qu’est le coton Bt.» Le ministère de l’Agriculture du gouvernement de transition, qui a reçu un mémorandum des manifestants à l’issue de la marche, va «examiner le sujet», a seulement promis un représentant.
De leur côté, les trois sociétés cotonnières du pays ont reconnu début mai des «difficultés techniques», et annoncent devoir «réduire la production de coton transgénique» en 2015, de 73% à 55% de la production totale. Elles affirment cependant que la technologie n’est «pas remise en cause». Les sociétés mettent plutôt en avant un problème de formation des paysans, qui ne respectent pas les procédures, et pour certains détournent les engrais pour leurs autres cultures. Le représentant burkinabé de Monsanto, lui, renvoie la balle aux paysans et à l’Etat : «On leur laisse faire leur marche, nous n’avons rien à dire. Les utilisateurs de la technologie parleront s’ils le veulent.» La firme américaine ne manque tout de même pas d’imagination. La veille de la marche, en plus d’un programme social pour financer des «projets innovants pour la femme et l’enfant» au Burkina Faso, Monsanto annonçait la création de Mobicot, une «plateforme d’appui-conseil» diffusant des messages sur la préparation des sols, le semis, ou le désherbage, en dioula ou en moré, sur les mobiles des agriculteurs.
© 2015 liberation.fr

Burkina Faso
Foto (c) Sophie Garcia: Marche anti-Monsanto à Ouagadougou, le 25 mai 2015
„Die Agrarökologie, eine echte Alternative im Dienste eines Humanismus, der sich die Abschaffung der humanitären Organisationen zum Ziel gesetzt hat“ (Pierre Rabhi)

=> Qui est Pierre Rabhi?
Wer ist Pierre Rabhi?
Er engagiert sich für ein Gesellschaftsmodell, in dem Mensch und Umwelt im Mittelpunkt stehen
=> wikipedia

Die Burkiner marschieren gegen Monsanto
Ouagadougou (Libération) – 24. Mai 2015 um 12:44
Von Isabelle Hanne, Sonderkorrespondentin für Burkina Faso
Sie wollen „Monsanto abfeuern“, wie sie „Blaise abgefeuert“ haben. Zwischen 1.000 und 1.500 Personen, je nach Veranstalter, Bauern, Agronomen und Mitglieder der Zivilgesellschaft versammelten sich zu einem Marsch in Ouagadougou am Samstagmorgen, im Rahmen des Welttages für den Widerstand gegen GVO (gentechnisch veränderte Organismen), die weltweit mehr als 400 Märsche koordiniert. Seit 2008 ist Burkina Faso das einzige Land in der Region, das genmodifizierte Baumwolle auf freiem Feld anbaut.
 Es stimmt, der Platz der Revolution im Herzen von Ouagadougou hat schon größere gesehen. Insbesondere die Massendemonstrationen am 30. und 31. Oktober 2014, die die 27-jährige Regierungszeit des ehemaligen Präsidenten Blaise Compaoré endlich beendeten. Diese Mobilisierung heute ist viel kleiner, aber es ist „ein Erfolg“, freuen sich die Veranstalter aus dem Bürgerkolllektiv für Agrarökologie. „Meine Gesundheit ja, Monsanto nein“, steht auf den roten T-Shirts der Demonstranten, die der sengenden Sonne und 42 Grad trotzten, um die Ernährungssouveränität des Landes zu verteidigen.
„Was ist GVO?“, fragt ein Passant einen Demonstranten. „Es herrscht ein echter Mangel an Informationen: die GVO wurden unter der Hand eingeführt, ohne Rücksprache“, sagt Ousmane Tiendrébeogo, Präsident der Nationalen Gewerkschaft der agropastoralen Arbeiter (Syntap), dem einzigen Anti-GVO-Bauernverband, und jetzt ein Abgeordneter des Nationalen Übergangsrats des Landes. Heute ist der überwiegende Teil (73%) der in Burkina Faso produzierten Baumwolle genmodifiziert. Burkina Faso ist der größte Produzent von diesem weißen Gold in Afrika (710 000 Tonnen in der letzten Erntesaison). Und Versuche mit Mais sind im Gange.
– Versprechen für erhöhte Erträge –
Zuerst im Jahr 2003 getestet, vom amerikanischen Saatguthersteller Monsanto finanziert, ist die Bt-Baumwolle (für Bacillus thuringiensis) mit offenen Armen vom Compaoré-Regime empfangen worden, das dann die Liberalisierung des Sektors vorantrieb. Das Saatgut, das dem Staat und dem US-Giganten gehört, wurde dann im Jahr 2008 während der Krise bei den Weltmarktpreisen im ganzen Land verkauft. „Monsanto sagte uns, wir hätten keine andere Wahl, wegen des Klimawandels, sagt Issouf Sanou, Ökonom und Programm-Koordinator der Nationalen Föderation der Bauernorganisationen. Anfangs glaubte man daran.“
Im ersten Jahr wurden die Samen gratis an die Bauern verteilt, wobei die Erträge sich um 30% erhöhen sollten und die Insektizidbehandlungen von sechs auf nur zwei gesenkt werden könnten: Bt-Baumwolle enthält in der Tat ein Gen, das gegen bestimmte Schädlinge resistent ist. Ein Segen für Burkinas Landwirte, die darin eine deutliche Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen sehen. „Das erste Jahr waren wir sehr zufrieden, sagt ein Demonstrant, Baumwollbauer in der Region Bobo-Dioulasso. Aber nach und nach wurde uns klar, dass der Boden an Fruchtbarkeit verlor.“ – „Ich habe drei Jahre lang Bt-Baumwolle angebaut“, steht ihm Samuel Congo bei, ein Bauer von 33 Jahren, der zehn Jahre älter aussieht. „Ich gab auf, weil ich Geld verlor, die Erträge waren sehr unregelmäßig von einem Jahr zum anderen. Unsere Ältesten rieten uns, auf herkömmliche Kulturpflanzen zurückzugehen.“
Unerschwinglich für die Landwirte, müssen die Eingänge (Saatgut, Düngemittel, Insektizide) auf Kredit gekauft werden. Außerdem ist Bt-Samen viel teurer als die konventionelle Baumwolle (27 000 CFA-Francs pro Hektar gegenüber weniger als 1000), und man darf nicht einen Teil der Ernte neu aussäen, der Bauer muss das Saatgut jedes Jahr neu kaufen und eine Gebühr an Monsanto zahlen. „Es ist diese Abhängigkeit, die uns Angst macht, sagt Issouf Sanou. Dieses System ist ein Gefängnis: man muss die ganze Zeit Baumwolle produzieren, um seine Schulden zu bezahlen.“
– Der Einfluss von Monsanto auf die frühere Regierung –
Ein weiterer Grund für die Unzufriedenheit ist, dass die burkinische Baumwolle an Qualität eingebüßt hat, die Bt-Fasern sind kürzer als die herkömmlichen. Die nationale Produktion wurde auch im Jahr 2012 auf dem Weltmarkt herabgestuft, vom mittleren oder oberen Ende der Skala ans untere Ende. Letzte Beschwerde: Bt-Baumwolle muss nun gegen einen neuen Schädling wehren, der die Einführung eines anderen Insektizids erfordert. „Die Nachteile sind riesig, wir wissen noch nicht, wie wir ihnen begegnen können“, sorgt sich Jean-Didier Zongo, Genetiker an der Universität Ouagadougou, der unter den Demonstranten war.
„Monsanto hatte einen sehr starken Einfluss auf die vorherige Regierung“, sagt Hervé le Gal, ein Bretone, der sehr mit dem Thema befasst ist mit seinem Verein Ingalañ, einer der Organisatoren des Marsches. „Wir wollen vom Erwachen der Zivilgesellschaft profitieren, um dieses Problem anzufassen und es auf die Tagesordnung des (politischen) Übergangs zu setzen.“ Auf der Bühne wird ein großer Kerl am Mikrofon genau das sagen: „Es gibt eine Revolution in der Politik, aber was wir jetzt brauchen, ist eine ökonomische Revolution“, skandiert er. Die Mitglieder von Balai Citoyen, der Bewegung der Zivilgesellschaft, die eine große Rolle in der Oktoberrevolution spielte, stimmen zu. Große Lautsprecher strahlen eine Aufnahme von Thomas Sankara aus, Symbol des Panafrikanismus und Präsident des Revolutionären Nationalrates, im Jahr 1987 ermordet, der in vier Jahren an der Macht, ein Programm der Nahrungsmittelselbstversorgung auf die Beine gestellt hatte. Die Demonstration hat seinen Slogan auf ihre Fahnen geschrieben: ​​“Produzieren, was wir konsumieren, konsumieren, was wir produzieren.“ Seine Schwester Blandine ist übrigens eine der Sprecherinnen des Kollektivs. „Wir fordern ein zehnjähriges Moratorium für GVO, die Zeit, um sorgfältige unabhängige Studien durchzuführen. Und viel mehr Information: die meisten Bauern, die sie anbauen, wissen nicht, was Bt-Baumwolle ist.“ Das Ministerium für Landwirtschaft der Übergangsregierung, dem von den Demonstranten ein Memorandum übergeben wurde, wird „die Frage prüfen“, so hat ein Vertreter nur versprochen.
Die drei Baumwollgesellschaften des Landes haben ihrerseits Anfang Mai „technische Schwierigkeiten“ zugegeben und angekündigt, „die Produktion genmodifizierter Baumwolle im Jahr 2015 reduzieren zu müssen“, von 73% auf 55% der Gesamtproduktion.“ Sie versichern jedoch, die Technologie „werde nicht in Frage gestellt“. Die Unternehmen behaupten eher, es handele sich um ein Problem bei der Ausbildung der Bauern, die die Verfahren nicht respektieren, und einige, die Dünger für ihre andere Kulturen abzweigen. Der Vertreter von Monsanto in Burkina kickt den Ball ins Feld der Bauern und des Staates: „Wir lassen sie ihren Marsch machen, dazu haben wir nichts zu sagen. Die Anwender der Technologie sollen reden, wenn sie wollen.“
Der US-Firma mangelt es immerhin nicht an Phantasie. Am Tag vor dem Marsch, zusätzlich zu einem Sozialprogramm zur Finanzierung „innovativer Projekte für Frauen und Kinder“ in Burkina Faso, kündigte Monsanto die Schaffung von Mobicot an, einer „beratenden und unterstützenden Plattform“, die Nachrichten über Bodenvorbereitung, Aussaat oder Jäten, auf Dioula oder Moré, auf die Mobiltelefone der Bauern ausstrahlen wird.
© 2015 liberation.fr

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Ein Gedanke zu “NEIN IN BURKINA FASO ZU GENMODIFIZIERTER BAUMWOLLE, WIE SCHON VOR 9 JAHREN IN MALI – Les Burkinabés marchent contre Monsanto à l’instar du Mali, vers l’agroécologie

  1. Zusatz:
    (interessant wegen des Jatrophadiesels, der auch in Mali eine Rolle spielt)

    Agrarpolitik in Burkina Faso
    Afrikas giftgrüne Revolution
    OUAGADOUGOU (taz) – 27.05.2009
    Von François Misser
    Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt, krempelt seine Landwirtschaft um. Es setzt auf Biodiesel und Gentechnik.

    Zeichnungen von Löwen und Büffel schmücken die Palastmauern, der traditionelle Führer empfängt im weiß-blauen Festgewand. Der seit 19 Jahren amtierende „Kriegsminister“ des traditionellen Königs des Mossi-Volkes in Burkina Faso, dessen Titel in lokaler Sprache „Larle Naba“ lautet, ist ein Abkömmling jenes afrikanischen Kriegers, dessen Reiterstatue noch heute vor den Jatrophabäumen am Eingang steht. Mit bürgerlichem Namen Victor Tiendrébéogo, sieht sich der Larle Naba als Vorreiter der Moderne: Er sitzt für Burkinas Regierungspartei im Parlament, und er ist Geschäftsmann. Sein Traum: eine Agrarrevolution in einem der ärmsten Länder der Welt. Schon 62.000 Bauern würden mit ihm zusammenarbeiten, behauptet er, und 350 Dörfer hätten sich seiner „Nationalen Union zur Förderung des Jatrophaanbaus“ angeschlossen.
    Der eigentlich aus Zentralamerika stammende Jatrophabaum gilt als die Zukunftshoffnung der afrikanischen Agrarindustrie: Aus seinem Öl kann man unter anderem Flugbenzin herstellen. Nun prescht Burkina Faso beim großflächigen Anbau dieses Biokraftstoffes vor – mit dem Larle Naba an der Spitze. 67.000 Hektar Land sind in Burkina dieses Jahr mit Jatropha bepflanzt worden. Damit überholt Burkina seinen großen Nachbarn Mali, wo Jatropha-Öl immerhin in 700 Gemeinden Stromgeneratoren antreibt.
    Angestoßen wurde die Begeisterung des „Kriegsministers“ für Jatropha in Deutschland. Ende 2007 hatte Tiendrébéogo die Manager der Berliner Firma Deutscher Biodiesel getroffen, die ihn überzeugen konnten, dass sein Land für den Jatropha-Anbau ideal sei. Burkinas Bauern sind davon allerdings keineswegs überzeugt. Jatropha wurde in der französischen Kolonialzeit eingeführt – und wegen seiner Giftigkeit in Hecken angepflanzt, um Felder vor wilden Tieren zu schützen. Bis heute wird Jatropha in Burkina Faso deswegen mit Gift assoziiert. Es jetzt in großen Mengen anzubauen, statt mehr Nahrungsmittel oder auch das größte Exportprodukt Baumwolle zu pflanzen, ist umstritten. „Man muss sich diese deutschen Industriellen genau anschauen“, sagt Jean-Didier Zongo, Genetikprofessor an der Universität der Hauptstadt Ouagadougou. „Ich fürchte, dass wir uns in ein Abenteuer stürzen, ohne vorher die Auswirkungen eines großflächigen Anbaus auf Mensch und Umwelt zu kennen.“
    Dazu sagt der Larle Naba, er sei selber Bauer und kenne sich aus. Anders als in Indien, wo es bereits Jatropha-Monokulturen gibt, will er Jatrophabüsche zusammen mit Lebensmitteln anpflanzen, als Mischkultur. Da Jatropha sehr dürreresistent sei, könnten die Bauern auf diese Weise Trockenperioden überstehen. Außerdem könne man Saatgut und Seife daraus herstellen. Der Larle Naba wird von den anderen traditionellen Königen des Landes unterstützt, und er zeigt stolz einen Brief des Staatspräsidenten Blaise Comapaoré vom September 2008, in dem dieser ihn ermutigt.
    Der erste Agrosprit aus Jatropha soll in Burkina Faso schon dieses Jahr fließen. Eine 50.000 Euro teure Pilotanlage, die 30 Tonnen Jatropha pro Tag verarbeiten kann, ist im Bau. Sie gehört der Firma Belwet Biocarburant, die selbstverständlich dem Larle Naba gehört. 2011 soll eine größere Anlage dazukommen, für zwei Millionen Euro. Das Ziel: bis 2020 50.000 Tonnen Öl jährlich auf 200.000 Hektar. Weitere 100.000 Hektar Anbaufläche könnten als Vegetationsgürtel im Norden des Landes im Kampf gegen die Wüstenausbreitung dazukommen. Eine von der deutschen Entwicklungshilfe finanzierte Studie empfiehlt Burkina Faso, 30 Prozent seines Treibstoffbedarfs durch Agrosprit zu decken.

    Jatropha ist nicht die einzige Innovation, mit der Burkina Faso seine Landwirtschaft umkrempeln will. Als einziges Land Afrikas südlich der Sahara außer Südafrika investiert Burkina Faso massiv in genveränderte Baumwolle. Mit 500.000 Tonnen Ernteertrag in der letzten Saison ist Burkina ohnehin der größte Baumwollproduzent Westafrikas; dieses Jahr sollen 450.000 Hektar Baumwollfelder mit genveränderten Varianten bepflanzt werden – mehr als 60 Prozent der Gesamtfläche. 2008 waren es nur 15.000 Hektar.
    Genutzt werden die Varianten Bollgard I und Bollgard II des US-Unternehmens Monsanto sowie die Sorte VIP (Vegetative Insecticidal Protein) der Schweizer Firma Syngenta. Diese Baumwollarten haben Gene eingesetzt bekommen, die die Baumwolle für Heuschrecken giftig machen – ein großer Schutz in einem Land, das regelmäßig von Heuschreckenplagen heimgesucht wird.
    Aus Sicht der Baumwollindustrie Burkina Fasos, schwer in Bedrängnis geraten durch US-Subventionen, die afrikanische Baumwolle vom Weltmarkt drängen, gibt es dazu keine Alternative. Die Weltmarktpreise seien im letzten Jahrzehnt um 25 bis 30 Prozent gesunken, der Schädlingsbefall nehme zu und man habe die Wahl zwischen Gentechnologie oder immer teureren Pestiziden, sagt Célestin Tiendrébégo, Leiter der Sofitex, eines der drei Privatunternehmen, die den Baumwollsektor beherrschen. Nach einer Studie des burkinischen Agrarforschungsinstituts Inera sind die Ernten pro Hektar mit Genbaumwolle um 4 bis 48 Prozent höher als mit traditioneller Baumwolle. Die Sofitex spricht von 30 Prozent: 1,5 Tonnen pro Hektar statt wie bisher 1,2 Tonnen. Man müsse außerdem die Pflanzungen nur noch zweimal pro Erntezyklus mit Pestiziden spritzen statt wie bisher sechsmal, was den Bauern Geld spart und ihre Gesundheit schützt.
    Die Genbaumwolle ist in Burkina Faso noch umstrittener als Jatropha. In Houndé, 250 Kilometer südwestlich der Hauptstadt, gehört der Bauer Kambi Gnado zu den harten Gen-Ablehnern. Seine Gewerkschaft Syntap (Nationale Gewerkschaft der Agrararbeiter) habe ihm gesagt, das sei schädlich für die Natur. Er will lieber Hirse anbauen. In Houndé demonstrierten schon 2005 über 1.000 Bauern gegen die Genbaumwolle.

    Aber als Bauer die Gentechnik abzulehnen, ist nicht so einfach, denn Sofitex und die beiden anderen Baumwollunternehmen Fasocoton und Socoma haben das Monopol auf die Vergabe von Saatgut und Pestiziden. Dao Bassiaka, Generalsekretär des größten burkinischen Bauernbunds CFB, sagt resigniert: „Der Staat hat die neue Baumwolle eingeführt, und niemand steht über dem Staat.“ Selbst er hat Probleme mit Monsanto. Wie überall auf der Welt zwingt das multinationale Unternehmen die Bauern dazu, per Vertrag Monsantos Patentrechte anzuerkennen. Bassiaka findet, die Bauern selbst sollten die Technologie besitzen. Weil das genveränderte Saatgut Monsantos Eigentum bleibt, darf man es nicht weitergeben – in der afrikanischen Landwirtschaft ist Saatgut aber Teil des dörflichen Naturalientausches. Monsanto beansprucht Eigentumsrechte sogar an Pflanzungen, die ohne Wissen des Bauern mit der genveränderten Variante verseucht worden sind. In Kanada wurde ein Bauer deswegen zu 200.000 Dollar Geldstrafe verurteilt.
    Jean-Didier Zongo ist der profilierteste Gegner der Gentechnik in Burkina Faso. Der Genetiker von der Universität Ouagadougo hat die „Koalition der Wachsamkeit gegen genveränderte Organismen in Burkina Faso“ gegründet, um – vergeblich – ein Moratorium für die neue Technologie zu fordern, bis deren Auswirkungen auf andere Pflanzen und die menschliche Gesundheit erforscht sind. In Westafrika ist Baumwolle nicht nur Teil der Textilindustrie, sondern auch Teil der Nahrungskette: Das Öl wird genutzt, die Schalen werden zu Viehfutter verarbeitet. „Genveränderte Pollen können andere Pflanzen befruchten und sich in der Natur ausbreiten“, warnt Zongo.
    Experten bezweifeln, dass die Gentechnik den Pestizideinsatz verringert. Die Heuschrecken könnten Resistenzen entwickeln – in Indien, wo Monsantos Baumwolle bereits angebaut wird, ist der Schädlingsbefall auf den Monsanto-Pflanzungen sogar höher als früher. Im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh soll die Baumwollernte pro Hektar nicht gestiegen, sondern um 35 Prozent gesunken sein.
    Der Streit ist weitreichend. Sofitex-Chef Tiendrébégio weist darauf hin, dass laut einem Vertrag mit Monsanto der burkinische Staat Koeigentümer der genveränderten Baumwollarten ist. 72 Prozent der Patentgebühren würden dadurch an die Bauern zurückfließen. Er fragt sich außerdem, ob die Gengegner nicht von Pestizidherstellern finanziert werden. „Wer so etwas sagt, ist von Monsanto finanziert“, erwidert Zongo.
    Burkina Faso ist nun Testfall für ein globales Experiment. Andere westafrikanische Länder beobachten es genau, denn Baumwolle gilt international als „trojanisches Pferd“ der Verbreitung von Gentechnik in anderen Bereichen der Landwirtschaft.
    © 2009 taz.de

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