SINANKUNYA IN MALI: DAS ERBE SUNDIATA KEITAS – Patrimoine culturel immatériel de l’humanité: le sinankuya au Mali

SINANKUYA: Pfand des Friedens und des sozialen Zusammenhalts
Bamako (Le Débat) – 10. April 2015
Von der malischen Gesellschaft zur Förderung der Sinankuya (AMPS) organisiert, war das Haus der Jugend von Bamako am 3. und 4. April 2015 Schauplatz der 6. Kulturtage der Sinankuya.
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Von Arouna Traoré, Volontär
Sie standen unter der Schirmherrschaft von General Moussa Traoré, dem ehemaligen Präsidenten der Republik.
Diese 6. Kulturtage und die Nacht der Sinankuya standen im Zeichen der nationalen Aussöhnung. Laut dem Präsidenten der Gesellschaft, Sekou Siraman Diarra, ist die Sinankuya als eine kulturelle Praxis in Mali ein scherzhafter Algorithmus um Probleme beizulegen, Spannungen zwischen Nachbarn zu lockern, zwischen Menschen aus verschiedenen Landstrichen und mit unterschiedlichen Familiennamen. Dann sagte er, dass diese 6. Auflage im Zusammenhang mit der Umsetzung einer kulturellen, nützlichen und nachhaltigen Reaktion steht, einer Antwort auf das schlechte Zusammenleben, das Mali seit einiger Zeit kennt, vor allem sein nördlicher Teil.
Herr Diarra hofft außerdem, dass die Weigerung der Koordination der Bewegungen des Azawad (CMA), das Algier-Abkommen am 1. März 2015 zu paraphieren, nicht lange dauern wird, und dass sie nach reiflicher Überlegung an den Verhandlungstisch zurückkommen. Seit der Krise von 2012 bis heute „setzte sich die AMPS zum Ziel, die Spannungen durch Podiumsdiskussionen, Radio- und TV-Spots und -sendungen sowie viele andere Aktionen zu verringern“, sagte er.
„Es liegt mir am Herzen, aus diesem Tag der Sinankuya in seiner derzeitigen Form herauszutreten und daraus ein Treffen mit zahlreichen wissenschaftlichen, sozialen, politischen Facetten inklusive der Bestätigung durch die Basis zu machen“, sagte N’Diaye Ramatoulaye Diallo, Ministerin für Kultur, Kunsthandwerk und Tourismus. Und sie wünsche sich, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Verein und ihrem Ministerium existiere.
General Moussa Traoré, Schirmherr der Zeremonie und der ehemalige Präsident von Mali, erinnerte daran, dass die Sinankuya auf die Ära von Sundiata Keïta zurückgeht, der sie institutionalisierte. Auch empfahl er, dass die Verantwortlichen des Vereins Schulungs- und Aufklärungsprogramme über die Sinankuya in den Schulen etablieren sollten, so dass sie zu „kodonso“, zu Häusern der Weisheit würden.
Am Ende der Veranstaltung wurden Empfehlungen gegeben. Sie dienen als Leitfaden für die Suche nach Lösungen für die Krise, aber auch als Betriebsmuster der Konfliktverhütung durch die Sinankuya und andere kulturelle Werte. Zu bemerken ist, dass die AMPS und der Verband Ginna Dogon sehr bald, um die bewaffneten Gruppen im Rahmen der Verhandlungen zu treffen, eine Studienreise in den Norden von Mali (Timbuktu, Gao, Kidal) organisieren werden. Neben anderen Aktivitäten, die diese Veranstaltung begleitet haben, sind eine Vorstellung der Funktionen und der Funktionsweise der Sinankuya, ein Sketch, ein Spendenmarathon und das Angebot der Sinankuya-Gerichte zu erwähnen.
Die Malische Gesellschaft zur Förderung der Sinankuya (AMPS) wurde im März 2006 gegründet, um die Verwandtschaftsbande
(die der Scherzverwandtschaften, Ed) zu stärken.
© 2015 Le Débat
Scherzverwandtschaft – Humor als Friedenspolitik in Afrika
Essai von Jörg Lange (Okt.2009), über die Scherzverwandtschaften in Burkina Faso, stellvertretend für die Länder der Subregion.
Vielen Besuchern in Westafrika fällt die Heiterkeit der Menschen auf.
Gespräche, Gesten, alles wird in Scherzform gekleidet. Die Menschen ziehen sich gegenseitig auf, erkundigen sich nach „meinen Sklaven“, wenn sie von ihrem Schwager reden,
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beschimpfen und beleidigen sich als „Krötenfresser“ oder „Viehdieb“ mit überraschender Leichtigkeit und ohne Groll, alles bis zu ausschüttendem Gelächter. Sie klatschen die Hände im Schwung zusammen und haken die Mittelfinger so ein, dass beim Lösen der Finger ein erneutes Schnapsen im Duo der Hände erschallt. Nicht Leiden sondern Lachen ist in Afrika eine Pflicht. Es sieht aus, als hätten die Menschen Angst zu sterben ohne vorher genug gelacht zu haben.
Wenn heute 60 Ethnien in einem Land wie dem westafrikanischen Burkina Faso friedlich und tolerant zusammenleben, ist dieses Miteinander nicht Staat oder Demokratie zu verdanken, sondern der über Jahrhunderte gewachsenen Kultur ritueller Komödien. Eine spezifische Form der spielerischen zwischenethnischen Kommunikation ist Garant der inneren Stabilität des Landes. Eine Lachkultur versucht dem zuvorzukommen, was in Ruanda, an der Elfenbeinküste, in Palästina oder auf dem Balkan unzählige Opfer forderte.
Scherzverwandtschaft (engl. joking relationship, frz. cousinage/alliance/parenté à plaisanterie) ist vor allem in Westafrika verbreitet. Sie durchbricht Klan- wie Klassenunterschiede und macht auch nicht Halt vor Alter und Geschlecht. Der Boss eines Großunternehmens findet seine vernichtenste Kritikerin in seiner minderjährigen Schwägerin, ein Minister wird mit seinem Nachtwächter Partner auf Augenhöhe, der Staatspräsident wird Sklave seines Schuhputzers.
Wesen und Herkunft der Scherzverwandtschaft
Als homo ludens entfaltet der Afrikaner das Pendant zu Strenge und Härte seines Alltags, entwirft Formen der Solidarität und des gegenseitigen Beistandes, entdeckt seine sozialen Fähigkeiten, überschreitet Grenzen des Determiniert seins und entwickelt sich nach seinen Erfahrungen zu dem, was er ist und was er sein will, einem friedliebenden, hilfsbereiten und toleranten Menschen.
Scherzverwandtschaften existieren zwischen Familien derselben Ethnie, zwischen verschiedenen soziokulturellen Gruppen derselben oder eineranderen Ethnie (Schmiede und Wahrsager), zwischen Ethnie und Kaste (Fulbe und Schmiede) zwischen verschiedenen Ethnien (Biza und Gourounsi), zwischen Familiennamen (Ouattara und Coulibaly), zwischen Städten und Regionen, zwischen Dörfern und Stadtvierteln.
Scherzverwandtschaften haben meist einen historischen Ursprung(Friedensvertrag zwischen zwei Klans, Trennung einer Ethnie in mehrere Zweige oder die Einsicht zweier Völker, dass keins das andere dominieren kann wie bei den Fulani und Kanori), sie sind Folge von kriegerischen Eroberungen oder von Handelsverträgen, basieren auf Mythen und Legenden, auf der Blutsbrüderschaft von Ahnen, wurzeln im Totemismus oder im rituellen Diebstahl (Diebstahl eines Hundekopfes bei Biza und Samo als Symbol des Erstgeburtsrechtes) oder überspielen uralte unlösbare gegenseitige Ansprüche.
In jedem Fall ist Scherzverwandtschaft aber unverrückbare und unauflösliche Institution, unanfechtbar, von oben auferlegt.
Geschichtliche Quellen belegen, dass Kaiser Soundiata Keita zur Gründung seines Malireiches den einzelnen sich bekriegenden Stämmen als Friedenspolitik die Regeln der Scherzverwandtschaft auferlegte, um sie in einem nie dagewesenen Großreich zu vereinen. Die Regeln sahen vor, sich gegenseitig solange zu beschimpfen, bis sie lachen müssten. Dann könnten sie sich noch einmal überlegen, ob sie die Waffen gegeneinander strecken. Auf diese Weise entstand das erste afrikanische Großreich. Moslems und Animisten lebten in Toleranz und friedlicher Koexistenz. Bei seiner Inthronisation wurde eine der ersten Menschenrechtchartas verlesen, die auch die Abschaffung von Sklaverei vorsah – und das im 13. Jahrhundert.
Scherzbeziehungen existieren nicht nur zwischen Gruppen und Völkern, auch zwischen Individuen derselben Familie. In diesem speziellen Fall ist Scherzverwandtschaft seinem Wesen nach so etwas wie die Institution einer Narrenrolle. Die Enkelin darf dem Großvater jegliche Wahrheit an den Kopf sagen, genauso wie die kleine Schwester einer Ehefrau ihrem Schwager. Sie darf, ja sie muß alles offen aussprechen, was sonst niemand zu sagen wagt, unmöglich, ihr etwas übel zu nehmen. Innerfamiliäre Scherzverwandtschaften haben in der patriarchalen Familie Ventilfunktion und dienen dem atmosphärischen Druckausgleich.
Scherzverwandtschaften können auch Heiratsvermittlung fördern. Ehen zwischen scherzverwandten Stämmen gelten als besonders stabil, z.B. zwischen Mauri und Kourfey. Alle Konflikte in der Ehe werden nämlich an beide scherzverwandte Großfamilien weitergeleitet. Und diese werden alles daransetzen, dass ihre Scherzverwandtschaft fortbesteht, dass weiter gescherzt wird. Gedanken an Trennung oder Scheidung bleiben Scherz.
In jedem Fall erweist sich Satire als hervorragendes Werkzeug, soziale und ethnische Konflikte zu entschärfen und als gegenstandslos darzustellen, ohne Bosheit oder Gemeinheit, ohne Unterschreitung der sozialen Gürtellinie. Mit Beschimpfungen spielend wird die aufkommende Spannung abgeleitet. Die Tragik wird banalisiert und zur Komödie verwandelt. Zorn, Groll und Rachsucht werden vermieden. Der Mensch tritt in diesem sozialen Schauspiel heraus aus seiner Individualität und Persönlichkeit, marschiert in seiner ethnischen Uniformität, um Gegensätzlichkeit auszuspielen, auszubalancieren und damit zu relativieren und aller Determination, Verkrustung und Feindschaft den Stachel zu nehmen. Verständnis, Respekt, Freundschaft, Brüderlichkeit, Verwandtschaft und Partnerschaft trägt man dort hin, wo Misstrauen, Bitternis, Missgunst, Intoleranz und Ausschluss allzu leicht ihren Boden finden, dort wo die Quellen sozialer Konflikte und potentieller Spannungen zu finden sind.
So wird der Mensch wieder Individuum wie sein Gegenüber. Man geht einen Schritt zurück, um einen aufeinander zu zu machen. Abstand und Hingabe werden so inszeniert.
Einerseits reagieren sich Individuen in der Gruppenzugehörigkeit in ihrem Kampf- oder Kriegsgeist ab, andererseits suchen sie Einheit und Solidarität in der Vielfalt.
Wie jedes Spiel, so hat auch die Scherzverwandtschaft seine festen Regeln. So gibt es auch Fouls: die Beleidigung der Mutter, sexuelle Übergriffe wie Ausspannen der Ehefrau, Gewaltanwendung, Messerstecherei, Verspotten physischer Behinderungen und vor allem sich ärgern über die Beleidigung des anderen, das ist in dem Spiel nicht zugelassen.
Die Regeln des Spiels sehen genauso gegenseitige Unterstützung, Respekt, Hilfeleistung, unbedingte Gastfreundschaft und Solidarität vor.
Samo und Mossis
(…)HIER den kompletten Text herunterladen
Scherzen auf Beerdigungen
(…)
Exorzismus unter Scherzverwandten
Scherzverwandtschaft hat eine therapeutische Funktion. Das wurde mir bei einer Dienstreise in dem Dorf Wissili, das auf einer Insel des Niger liegt, klar. Wegen der immer wiederkehrenden Cholera wurde ich gerufen, um die 4.000 Insulaner mit sauberem Trinkwasser zu
versorgen, damit sie nicht mehr das verunreinigte Flusswasser trinken müssen. Ich setzte mich mit den Ältesten des Dorfes Mitte April bei 46°C unter einem Baum zusammen und wir sprachen – wie ich es bei solchen Anlässen üblicher Weise tat – etwa zwei Stunden über die
Probleme des Dorfes. Die Bevölkerung bestand aus Wogo, einer Untergruppe der Songhai. Ich fragte sie u.a., welches ihre Scherzverwandten seien. Die Gesichter blieben ernst. Die Antwort kam:
„Bella, Pheulh, Gourmantché, Kourtey, Mauri … und die Bozo (eine Fischerethnie)…“
„Mit welchen Ethnien scherzen Sie nicht?“
„Mit allen anderen. Die anderen Haoussa, manche Songhaistämme, Araber, Kanori, Toubou… Da wird es ernst und wir haben Konflikte mit ihnen.“
„Beleidigen Sie Ihre Scherzverwandten?“
„Nein, wir scherzen nur miteinander und wir haben keine Probleme mit ihnen. Das heißt, doch, die Bozo beschimpfen wir. Aber nur die Fischer unter uns beschimpfen sie.“
Während man mir das zuletzt Gesagte von Djerma ins Französische übersetzte, ergriff ein Alter das Wort und während seiner Rede trat zum ersten Mal Heiterkeit in die Gesichter. Der Alte sagte: “Früher, als wir noch keine Krankenanstalten kannten, haben wir unsere Kranken zu den Bozo gebracht. Sie blieben dort mehrere Tage und wurden von den Bozo beschimpft. Sie kamen erst zurück, wenn sie geheilt waren.“ Das heißt, die Scherzverwandtschaft hatte in früheren Zeiten noch ganz andere Dimensionen. Die Scherzverwandten waren gegenseitig Ärzte und zu unbedingter Hilfeleistung verpflichtet. Sie hatten die Aufgabe, die Kranken der anderen gesund zu schimpfen, mit schweren Beleidigungen.
„Wie geht das denn, Krankheiten wegschimpfen?“ so bat ich um eine Erklärung. „Das ist Psychologie. Die bösen Gedanken sollen den Kopf
verlassen. Dann geht es wieder besser, “ so schaltete sich der Dorfschullehrer ein, der den Sachverhalt in den Begriffen eines Weißen verständlich zu machen versuchte.
„Auch zwischen Bozo und Touareg bzw. Bella besteht eine uralte Verwandtschaft. Sie beschimpfen sich, wenn einer krank ist.“ Die Gegensätze können nicht größer sein. Die einen sitzen mit Schwertern auf Kamelen und sind die stolzen Herrscher der Wüste. Die anderen, kleine hässliche Gestalten, deren Arme im Wasser fischen. Doch im Scherz, im gegenseitigen Beleidigen stehen sie sich bedingungslos zur Seite.
Ursprünglich sollte nicht der andere Mensch beschimpft werden. Vielmehr sollen die ihn umgebenden schlechten Geister weggeschimpft werden, aus Fürsorge für ihn. Bei dem Schimpfen handelt es sich also um eine Art von Exorzismus.
Praktische Anwendung der Scherzverwandtschaft als Konfliktmanagement in der Entwicklungszusammenarbeit
Scherzverwandtschaft lässt sich auch positiv in die tägliche Arbeit der Entwicklungshelfer integrieren. Im Rahmen eines Bewässerungsprojektes bei den Gourmantché mußten wir einen Konflikt innerhalb einer Familie lösen. Die Familienmitglieder stritten sich um Boden und Wasser. So beschlossen wir, einen Angehörigen der Scherzverwandten zu suchen, der in diesem Familienkonflikt schlichten und eine Lösung herbeiführen könnte. Wir suchten also einen Mossi aus Yatenga, einen Yadga. Wir nahmen ihn mit und er begrüßte die Familie der Gourmantché sogleich mit Schimpfkanonen: “Hurenbrut, Diebesgesocks, von euch habe ich schon genug gehört…“ Wenig gerührt hörten die Beschimpften sich das ganze an. Sie entgegneten ihm auf ähnliche Weise. Es wurde hin- und her beleidigt, dann verwob sich Grinsen mit dem Schimpfen, dann Lachen. Nach zweistündiger Komödie kam man zur Sache und löste den Konflikt unter Gelächter.
Nein – man löste den Konflikt nicht, man stellte nur fest, dass er gar nicht mehr existierte. Denn zu den festen Regeln der Scherzverwandtschaft gehört es, dass dem Wort eines scherzverwandten Vermittlers Folge zu leisten ist. Er muss sich nur in seiner Rolle bewährt haben – im Scherz.
© http://www.joerg-lange-afrika.de

DER DEUTSCHE ARTIKEL #1 IST EINE VON MIR ETWAS VERBESSERTE GOOGLE-ÜBERSETZUNG

Zur Erklärung der / Pour expliquer le Sinanku(n)ya (senenkunya):
LIRE AUSSI / LESEN SIE AUCH in MALI-INFORMATIONEN:
=> ÜBER DIE SCHERZVERWANDTSCHAFTEN; TRADITIONELLE KONFLIKTLÖSUNG IN MALI SEIT 800 JAHREN – Un aperçu sur le sinankunya, le cousinage de plaisanterie – 28/04/2012
=> Scherzverwandtschaft/Joking relationship in wikipedia
=> Parenté (Cousinage) à plaisanterie dans wikipédia

SINANKUYA: Gage de paix et de cohésion sociale
Bamako (Le Débat) – 10 Avril 2015 …LIRE
Par Arouna Traoré, stagiaire
Organisée par l’association malienne pour la promotion du Sinankuya, la Maison des jeunes de Bamako a abrité la 6e édition des journées culturelles du Sinankuya, les 3 et 4 avril 2015. C’était sous le parrainage du général Moussa Traoré, ancien président de la République.
Cette 6e édition des journées culturelles et de la nuit du Sinankuya était placée sous le signe de la réconciliation nationale. Selon le président de l’association, Sékou Siraman Diarra, le Sinankuya en tant que pratique culturelle au Mali est une plaisanterie à variante d’algorithme pour aplanir les problèmes, diluer les tensions entre des voisins, des habitants de différentes contrées et de différents patronymes. Il dira ensuite que cette 6e édition s’inscrit dans le cadre de la mise en œuvre d’une réponse culturelle, utile et durable au mal vivre ensemble que le Mali connaît depuis quelques temps, notamment sa partie septentrionale.
M. Diarra espère par ailleurs que le refus de la Coordination des mouvements de l’Azawad de parapher l’accord d’Alger le 1er mars 2015, ne durera pas longtemps et que ces derniers reviendront à de meilleurs sentiments sur la table de négociation, après une mûre réflexion. Depuis la crise en 2012 jusqu’à nos jours, «l’AMPS s’est donné comme objectif d’apaiser les tensions à travers des conférences-débats, des messages et émissions radios et télé ainsi que bien d’autres actions», a-t-il poursuivi.
«J’ai à cœur de sortir cette journée du Sinankuya de son format actuel pour en faire un rendez-vous aux multiples facettes scientifiques, sociales, politiques avec une appropriation à la base», a indiqué N’Diaye Ramatoulaye Diallo, ministre de la Culture, de l’Artisanat et du Tourisme. [Pour elle, cette rencontre vaut son pesant d’or dans le contexte sociopolitique de notre pays. Conceptualisation d’un principe établi par nos ancêtres le sinankuya est une valeur sûre de notre culture. « Nous avons à ce titre, l’obligation testamentaire … de léguer à notre tour aux générations futures une codification accessible du sinankuya».] Avant de dire qu’elle souhaite qu’une collaboration étroite puisse exister entre l’association et ses services. Le général Moussa Traoré, parrain de la cérémonie et ancien président du Mali, a laissé entendre que le Sinankuya remonte à l’époque de Soundiata Kéita qui l’a institutionnalisé. Aussi, a-t-il recommandé aux responsables de l’association, d’établir des programmes de formation et sensibilisation sur le Sinankuya dans les différents établissements scolaires afin qu’ils deviennent des «kodonso», maisons de sagesse.

À l’issue des échanges, des recommandations ont été formulées. Elles serviront de guide vers des pistes de recherche de solutions à la crise, mais aussi vers des schémas opérationnels de prévention des conflits à travers le Sinankuya et d’autres valeurs culturelles. À noter que l’AMPS et l’association Ginna Dogon organiseront très bientôt un voyage d’études sur le nord du Mali (Tombouctou, Gao, Kidal), en vue de rencontrer les groupes armés dans le cadre des négociations. Entre autres activités qui ont meublées cette assise, on peut citer le récital sur les fonctions et le fonctionnement du Sinankuya, un sketch, un téléthon et la présentation des plats du Sinankuya.
Il faut rappeler que l’association malienne pour la promotion du Sinankuya (AMPS) a été créée en mars 2006 pour renforcer les liens de parenté.
© 2015 Le Débat

Le bienfait des railleries ethniques
afrik.com – 5 mars 2004 …LIRE
Au Burkina Faso (et de même au Mali et d’autres pays de la sous-région, ndlr), la parenté à plaisanterie évite bien des conflits. Au bureau, dans la rue, dans les transports en commun, en famille ou avec des amis, la parenté à plaisanterie pimente la vie quotidienne et donne lieu à des situations incongrues. Cette tradition encore vivace consiste à faire semblant de créer un conflit avec le représentant d’une ethnie alliée. Ce pacte permet aux protagonistes de s’insulter, de se railler et de se bousculer à l’envie, sans risque de dérapage.
De notre envoyé spécial Gonzague Rambaud

« N’oublie pas que tu es mon esclave ! », lâche une salariée ouagalais de la CNSS (Caisse nationale de la sécurité sociale) en refermant la porte d’un bureau voisin. L’invective pourrait surprendre si on ne savait pas que derrière la porte se trouve un homme hilare et que ladite femme glousse en repartant. Alors qu’on croyait assister à une violente altercation on se retrouve en fait spectateur du jeu le plus couramment pratiqué au Burkina Faso :
la parenté à plaisanterie. Le but de cette joute verbale consiste à faire semblant de créer un conflit avec le représentant d’une ethnie alliée. Chacune des soixante-deux ethnies du Faso se trouve liée à une ou plusieurs ethnies. Ce pacte permet aux protagonistes de s’insulter, de se railler et de se bousculer à l’envie, sans risque de dérapage. Ainsi, les deux collègues et amis de la CNSS, respectivement Samo et Mossi, s’entendent. A l’instar des Bissa et des Gourounsi, des Bwaba et des Peuls, des Dagara et des Siamu, des Samba et des Lobi, etc.
Moqueries établies
Au bureau, dans la rue, dans les transports en commun, en famille ou avec des amis, la parenté à plaisanterie anime et pimente la vie quotidienne. Cette pratique dépasse les clivages sociaux et donne lieu parfois à des situations incongrues. A l’image de ce balayeur Dagara qui interpelle ironiquement son patron en lui rappelant que ses ancêtres se faisaient servir par les Siamu. Ces échanges humoristiques ont le grand avantage de dénouer les conflits et de servir d’exutoire. Pour Marcel Mauss, le premier à utiliser l’expression de parenté à plaisanterie, l’objectif de telles attitudes est de permettre un « relâchement qui constitue une détente et une compensation nécessaire à la vie de groupe ». De cette manière, les individus jouent avec leurs différences au lieu de s’opposer frontalement. Cette complicité permet aussi aux deux protagonistes de régler leurs comptes d’une manière détournée. « Parfois, on sent que ça chauffe vraiment mais grâce au code de la parenté à plaisanterie, on est protégé et on peut se moquer de l’autre pendant des heures ! », sourit Ibrahim, restaurateur de 30 ans. A condition bien sûr de respecter les règles et de ne pas utiliser des insultes proscrites, comme celle de « bâtard », l’injure suprême, ou celles qui touchent à la mère.
C’est généralement lors des enterrements que les joutes verbales sont les plus impressionnantes. « J’ai assisté à un enterrement où des Gourounsi ont subtilisé le cercueil d’un Bissa. Ils encerclaient le cercueil et demandaient à la famille d’apporter des arachides au défunt. Car dans la légende, les Gourounsi se moquent des Bissa parce qu’ils mangent beaucoup d’arachide. C’était la première fois que je voyais ça, alors au début j’étais un peu gêné. Mais mon père m’a expliqué que c’était la tradition », confie Parfait, 22 ans. De la même manière, lors des enterrements Gourounssi, les amis Bissa du défunt demandent pour les mêmes raisons une tête de chien, en gage du cercueil.
Alliances entre ethnies
Les origines des alliances et des parentés à plaisanteries sont multiples. Mais c’est toujours une histoire vraie ou inventée, mythique ou légendaire, au contenu conflictuel, qui scelle le pacte de plaisanterie entre deux ethnies. Les uns et les autres font référence à un conflit qui a opposé leurs ancêtres. A l’instar des Peuls qui accusent les Bobo d’être des buveurs invétérés de dolo (bière de mil ou de maïs), eux mêmes reprochant aux Peuls de n’être que de simples buveurs de lait, ce qui est le signe, selon les Bobo, d’une immaturité physique. Les faits reprochés ne reposent jamais sur une base sérieuse ou des problèmes de fond. La genèse et l’objet de la moquerie doivent impérativement prêter à sourire.

Généralement, ce sont les petits travers et les habitudes d’une ethnie qui servent de prétexte. Les habitudes ou les coutumes raillées sont connues de tous et appartiennent à la culture populaire. Lors des « combats de mots », les deux acteurs forcent le trait et vont au fur et à mesure des échanges se qualifier réciproquement de personnes infréquentables. Ces faux procès, au ton décalé et comique, ravissent les spectateurs impromptus, qui ne sont pas les derniers à jeter de l’huile sur le feu ! Tout comme les journaux satiriques, comme Le Journal du jeudi, qui utilisent allègrement le procédé pour critiquer, sous couvert de parenté à plaisanterie, ministres et autres hommes forts du pays…
Facteur de paix sociale
Pour Boniface Batiana, le président de l’association pour la promotion de la parenté à plaisanterie (AB3P), « la parenté à plaisanterie est un sujet d’expertise nationale, élément d’un phénomène transnational pouvant servir utilement la paix dans la sous-région ». L’absence de guerre ethnique au Faso n’est sans doute pas étranger à cette pratique. La parenté à plaisanterie a permis le rapprochement des peuples qui ont pu, grâce, entre autres, aux railleries populaires, conserver une identité sociale. L’acceptation de l’autre plutôt que la méfiance. Boniface Batiana, qui veut faire de la parenté à plaisanterie un exemple de paix sociale prend en exemple le Rwanda : « Si la parenté à plaisanterie existait entre Tutsis et Hutus, il n’y aurait sûrement pas eu de génocide », confie-t-il. Il semblerait que les Ivoiriens et les Burkinabé n’aient pas retrouvé de traces de parenté à plaisanterie.
© 2004 afrik.com

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