GAO, STADT DER TRÄUME, UND ANLAUFSTELLE FÜR ABGESCHOBENE IN BAMAKO (Videos)

(c) A.Göbel Timbuktu
Foto (c) A.Göbel: Schön ist es in Mali, wie hier in Timbuktu. Arbeit? Gibt es nicht.

Hier finden Sie die Links zu zwei kurzen Video-Reportagen von Sabine Bohland, ARD Nairobi. Derzeit war sie unterwegs in Gao, der Provinzhauptstadt im Norden, und Bamako.

Gao – Knotenpunkt für Träume
Die Situation von Flüchtlingen in der malischen Stadt Gao

Gesendet im nachtmagazin der tagesschau, 30.04.2015
Die Stadt Gao in Mali ist ein Knotenpunkt für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Viele schaffen die gefährliche Reise nicht und kommen mittellos wieder zurück. Eine ältere Frau hilft jungen Migranten, wieder Fuß zu fassen.

=> Link zum Video

Zurück in Mali – die gescheiterte Flucht
Gesendet in den tagesthemen, 03.05.2015
Sie nehmen Strapazen in der Wüste und die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer auf sich – für das Ziel Europa. Doch wer kein Asyl bekommt, wird abgeschoben – und landet desillusioniert in der Heimat. Eine Geschichte über eine gescheiterte Flucht und den Neuanfang in Mali.

=> Link zum Video

Erweitert wurde dieser Eintrag um die Sozialreportage aus Bamako (hier) sowie um das Video über eine Erfolgsgeschichte (s. gelber Kasten)
„Europa oder Tod“
tagesschau.de – 13.05.2015
Sie haben studiert, sind intelligent und voller Tatendrang. Wie so viele mit Anfang zwanzig. Doch es gibt keine Arbeit. Nur diese eine kleine Hoffnung: Europa. Die es versuchen, können sterben. Die zurückkehren, gelten als gescheitert. Trotzdem gehen sie.
Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Nordwest-Afrika
Babouyé sitzt mit seinen Freunden beim Tee, an einer Straßenecke in Bamako. Er will weg, raus aus Mali, durch die Wüste, nach Europa. Sozialgeographie hat er studiert und gerade mit Auszeichnung abgeschlossen. Doch an sein Land glaubt der 25-Jährige nicht mehr. Es glaubt auch nicht an ihn. „Hier in Mali gibt es nichts für uns. Die meisten jungen Leute, die fertig sind mit dem Studium, sind arbeitslos. Es gibt keine Alternative, deswegen sind wir gezwungen, uns nach Europa durchzuschlagen und zu hoffen, dass wir dort mehr Glück haben. Wir tun das nicht gerne, aber was sollen wir denn machen?“
So dachte auch Nafissatou Maiga. Sie wollte nach Europa – und kam bis nach Libyen. Drei Jahre versuchte sie, mit einem kleinen Restaurant in Tripolis Geld für den Schlepper zu verdienen, der sie übers Mittelmeer bringen sollte. Vielleicht, sagt sie heute, hat ihr der Krieg in Libyen das Leben gerettet: Als es dort zu gefährlich wurde, entschloss sie sich, zurück zu gehen nach Mali. In Bamako geht ihr Kampf ums Überleben weiter. Denn: Der Staat, sagt Nafissatou, tue nichts. „Niemand kümmert sich um uns. Dabei wissen die Behörden genau, dass es viele Leute gibt wie mich, viele Rückkehrer.“

MEHR zu AME, dem Malischen Verein der Abgeschobenen
=>Tous les soirs à l’accueil des expulsés à l’Aéroport de Bamako-Senou – Jeden Abend die Ausgewiesenen in Empfang nehmen

MEHR zum CIGEM (Centre d’information et de gestion des migrants) – und eine Erfolgsgeschichte vom legalen Auswanderer und freiwilligen Rückkehrer Oumar Konaté:
=>
Freiwillig oder Unfreiwillig? Rückkehrer in Mali – Handelsblatt 27.04.2015
=> Direktlink zum Video
=> Trois questions à Abdoulaye Konaté, directeur du Cigem, à propos des expulsions d’immigrés – 08.05.2009

Keine Arbeit in Afrika
Ousmane Diarra ist froh, dass Nafissatou bleiben will – trotz aller Schwierigkeiten. Er kennt viele, die die Fahrt übers Mittelmeer nicht überlebt haben. Er weiß, dass bei der letzten großen Mittelmeer-Katastrophe im April mit über 800 Toten auch 184 Malier ertrunken sind. Diarras kleine Organisation (AME) kümmert sich um Malier, die aus Nordafrika oder Europa abgeschoben wurden und wieder in Mali gelandet sind – mittellos und meistens völlig verzweifelt. Diarra rät niemandem, seine Heimat zu verlassen, aber er kann die Migranten verstehen. „Es geht ums Ganze: Europa – oder der Tod. Und ich sag’ Dir auch warum: In Afrika kann man nicht arbeiten. In Afrika kann man nichts tun, um seine eigenen Bedürfnisse oder die der Familie zu befriedigen.“
Seit 2008 gibt es in Bamako das Zentrum für Information und Management von Migration (CIGEM). Bislang war es von der EU finanziert, jetzt übernimmt der malische Staat. Ob die Beratungsstelle bisher den Menschen geholfen hat, die ihr Land verlassen und legal nach Europa gehen wollten, wird derzeit erforscht. „Eine wichtige Erfahrung, für Mali, und auch für andere Staaten in der Region, sagt Broulaye Keita vom Ministerium für Auslands-Malier in Bamako. CIGEM ist ein Versuchslabor. Es war eine Premiere, um Migranten zu informieren. Und es kann ein Modell werden, um Migration besser zu organisieren.“ (Es wurde allerdings Ende 2011 wieder geschlossen, Ed.)
Keiner vertraut der „legalen“ Ausreise
Viele Auswanderungswillige scheinen allerdings einen Bogen um CIGEM zu machen – sie vertrauen der Beratungsstelle nicht. Ousmane Diarra vom Verein für Abgeschobene Malier in Bamako erklärt, warum: „Die nordafrikanischen Staaten sind zu Europas Gendarmen auf dem Kontinent geworden. Die EU hat sie gebeten, an den Grenzen Beobachtungsposten einzurichten. Und wer sagt uns denn, ob CIGEM, dieses so genannte Beratungszentrum für Migration, nicht eigentlich dazu da ist, um Migrationswillige nach Europa zu melden und der EU-Grenzschutzbehörde Frontex zuzuarbeiten?“

Zurück in der Tee-Runde von Babouyé und seinen Freunden. Babouyé ist nervös und hält sich an seinem Teeglas fest. Er sitzt auf seinem Koffer, hat für die Reise extra noch neue, weiße Schuhe gekauft. Morgen soll es losgehen: „Klar kennen wir die Risiken. Aber wir haben doch keine Wahl! Jeden Tag sehen wir die Bilder von den ertrunkenen Afrikanern im Fernsehen. Trotzdem steht unser Entschluss fest: Wir müssen einfach gehen.“
Hier als Audio: http://www.blog.de/srv/media/dewplayer.swf?son=http://data9.blog.de/media/509/8562509_9380053f56_a.mp3
© 2015 tagesschau.de

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