TDH KÄMPFT MIT APSEF GEGEN DIE AUSBEUTUNG DER HAUSMÄDCHEN IN MALI – Aux côtés des jeunes aides familiales maliennes

(c) tdh: Einsamkeit, Gewalt, Rauswurf: Hausangestellte in Mali sind oft in einer prekären Lage
Foto (c) tdh: La solitude, les violences, être mise à la porte: Les aides familiales au Mali se trouvent souvent dans une situation délicate
Einsamkeit, Gewalt, Rauswurf: Hausangestellte in Mali sind oft in einer prekären Lage

Reportage en français sous l’article allemand

Lockruf der Großstadt
Kampf gegen die Ausbeutung von Hausangestellten

tdh-Zeitung 2013-4
Kadiatou war 15 Jahre alt, als sie ein paar Kleidungsstücke zusammenpackte, in einen klapprigen Kleinbus stieg und damit nach Bamako fuhr. In der malischen Hauptstadt, etwa 80 Kilometer entfernt von ihrem Heimatdorf, wollte sie sich eine Stelle als Hausmädchen suchen.

Foto (c) tdh: Des jeunes aides familiales: Debordées par la vie à la capitale
Junge Hausangestellte: Völlig unvorbereitet auf das Leben in der Großstadt

So, wie es viele andere Mädchen aus ihrer Schule zu Beginn der Ferien machten, so, wie es seit langem üblich ist in der Gemeinde Ouélessébougou und in Tausenden anderen Dörfern in Mali. Es gilt, Geld für die Aussteuer zu verdienen – so hieß es lange.
Doch inzwischen sind längst andere Bedürfnisse hinzugekommen, denn große Armut kennzeichnet den Alltag aller Aufbruchwilligen. In den Dörfern prägen Lehmhäuser, Eselkarren, Ziegen, Hühner und unter harter körperlicher Arbeit bestellte Felder das Bild. Strom gibt es sporadisch, über ein Auto verfügt fast niemand, bestenfalls erleichtert ein Moped den Transport in den nächstgrößeren Ort. Umso größer der Kontrast zur lärmenden Hauptstadt Bamako mit ihrem verzweigten Netz von Straßen, die häufig verstopft sind von Fahrzeugen aller Art und einem Gewusel von Menschen, die an den vielen Marktständen Handel aller Art treiben.
Nach ihrer Ankunft wurde Kadiatou über eine entfernte Verwandte in einen Haushalt vermittelt, wo sie für die Küche und das Hüten des Kindes verantwortlich war. Außerdem musste sie in den Straßen Eiswasser verkaufen Doch ihre Arbeitgeberin wusste ihre Leistung wenig zu schätzen: Oft wurde das junge Mädchen beschimpft und verdächtigt, Einkäufe nicht richtig abgerechnet zu haben, schließlich jagte man Kadiatou sogar aus dem Haus. »Mädchen, die vom Dorf in die Stadt kommen, haben keine Ahnung, was sie in Bamako erwartet. Sie sind völlig unvorbereitet auf das Leben hier«, erklärt Virginie Koné, Direktorin der Organisation APSEF, die sich mit Unterstützung von terre des hommes für die Rechte der jungen Hausangestellten einsetzt. Vielen ergeht es noch schlimmer als Kadiatou: »Sie erhalten nicht genug zu essen, haben keinen Rückzugsraum, sind körperlichen Misshandlungen und sexuellem Missbrauch ausgesetzt«, berichtet Virginie Koné. Werden sie schwanger und können keinen Vater nachweisen, töten manche aus Verzweiflung sogar ihr Baby.

Die häufig unzumutbaren Arbeitsverhältnisse sind zwar bekannt und sogar hin und wieder Gegenstand von Medienberichten – schließlich haben rund 80 Prozent der Haushalte eine sogenannte »Aide Familiale«, eine Familienhilfe. Doch ihre prekäre Situation scheint vielfach als unvermeidlich akzeptiert zu werden.
(c) tdh: Hausangestellte berichten über ihre Erfahrungen
Foto (c) tdh: Abschreckung und Vorbereitung: Hausangestellte berichten über ihre Erfahrungen

Die Organisation APSEF tut dies nicht. In Bamako haben die Mitarbeiterinnen begonnen, in zwei Stadtbezirken die Schutzmechanismen für Mädchen zu verstärken. APSEF lädt sie zu regelmäßigen Treffen ein, bei denen über die Rechte, aber auch Pflichten der Hausangestellten gesprochen wird: »Wir erklären ihnen, was ihre Aufgaben sind, aber auch, welche Ansprüche sie haben – zum Beispiel auf ein eigenes Bett, ausreichend zu essen, ein regelmäßiges Gehalt und einen freien Tag«, erläutert Tina Sini, die die Treffen moderiert. Da viele der Mädchen nicht lesen können, arbeitet sie dazu mit leicht verständlichen Schaubildern, die Alltagssituationen in einem Haushalt darstellen, inklusive der möglichen Rechtsverletzungen. »Wir erleben, dass die Teilnehmerinnen dadurch an Selbstbewusstsein gewinnen und sich trauen, ihre Rechte auch einzufordern. Zum Beispiel hat ein Mädchen die Erhöhung ihres Monatsgehaltes von 7500 CFA auf 10.000 CFA (rund 15 Euro) durchgesetzt«, berichtet Direktorin Virginie Koné. Wenn APSEF von Mädchen erfährt, die in einer Notlage sind, sorgen die Mitarbeiterinnen außerdem dafür, dass sie Unterstützung erhalten, etwa Aufnahme in einem Schutzzentrum oder rechtlichen Beistand.
Um die Situation von jungen Hausangestellten grundsätzlich zu verbessern, müssen alle Beteiligten in den Prozess einbezogen werden, also auch Vermieter von Unterkünften, Arbeitsvermittlerinnen, Arbeitgeber, lokale Behörden und Medien.
(c) tdh: Aufklärung durch APSEF im Herkunftsdorf
Foto (c) tdh: Aufklärung im Herkunftsdorf: Ein Mitarbeiter von APSEF informiert die Mädchen über die Risiken, die sie in der Stadt erwarten

Hier stoßen die Mitarbeiterinnen von APSEF auf unterschiedlich weit geöffnete Türen: »Manche Arbeitgeber weigern sich, mit uns zu reden, andere wiederum sind interessiert und kommen zu unseren Informationsveranstaltungen – sie sehen dies als Chance, spätere Konflikte zu vermeiden«, so Tina Sini. Dafür setzt APSEF auch in den Herkunftsdörfern selbst an. »Wir haben in der Vorbereitungsphase Orte identifiziert, aus denen besonders viele Mädchen abwandern und auch nach den Gründen geforscht«, erläutert Virginie Koné. Neben materiellen Bedürfnissen und jugendlicher Abenteuerlust wird der Brauch angeführt, sich als künftige Braut um die Aussteuer zu kümmern. Aber auch die Flucht vor bestimmten Traditionen spielt eine Rolle: »Manche Mädchen kommen nach Bamako, weil sie vor einer arrangierten Verheiratung fliehen, einige sind erst 14 Jahre alt«, so die Aktivistin weiter.

In regelmäßigen Zusammenkünften mit Müttern, Lehrern, kommunalen Beamten, Dorfältesten und Jugendlichen selbst informiert APSEF über die vielfältigen Risiken, mit denen junge Mädchen konfrontiert sind. Ehemalige Hausangestellte berichten außerdem über ihre eigenen Erfahrungen. Dies dient nicht allein der Abschreckung, sondern auch der besseren Vorbereitung. Denn angesichts der finanziellen Notlagen und dem natürlichen Bedürfnis, eine andere Welt kennenzulernen, geht es nicht darum, die Abwanderung völlig abzuschaffen. Wo es möglich ist, versucht APSEF jedoch, Alternativen vor Ort zu schaffen. Dazu werden Mütter und ihre Töchter in Kleinsparerprogramme integriert und darin geschult, zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Ziel ist es auch, zu verhindern, dass Mädchen viel zu früh die Schule verlassen, um ihr Glück in der Stadt zu versuchen. »Viele sagen, sie gehen nur für die Dauer der Ferien – doch von fünf Mädchen kehren oftmals nur zwei wirklich im September wieder zurück«, weiß Projektkoordinatorin Fatoumata Barry.

Noch erreicht APSEF nur eine kleine Gruppe von Familien, Hausangestellten und Arbeitgebern, doch möchte man die Arbeit dorthin ausweiten, wo die Missstände am größten sind. Ein Anfang ist gemacht, und im Verbund mit anderen Organisationen will APSEF das Sicherheitsnetz für Hausangestellte zunehmend enger knüpfen und auch die Politik in die Verantwortung nehmen, die bestehenden Arbeitsschutzgesetze durchzusetzen.
© 2015 tdh.de

Aux côtés des jeunes aides familiales maliennes
Terre des hommes – 14 Avril 2014
Par Frédéric Monnerat
Tant de raisons poussent les jeunes filles maliennes à quitter leur village pour s’aventurer en ville… au risque d’abus.
Comme d’autres pays en voie de développement, le Mali est confronté à un problème aux lourdes conséquences humaines: l’exode rural des jeunes filles. Les raisons qui poussent chaque année des milliers d’entre elles à quitter leur foyer sont multiples: nécessité de gagner de l’argent pour se constituer un trousseau de mariage (1) ou pour soutenir financièrement la famille, fuite vers la ville afin d’éviter un mariage forcé, etc.
Dès leur arrivée en ville, ces jeunes filles sont généralement engagées comme aide familiale auprès de familles citadines. Elles s’occupent du ménage, font les achats au marché, préparent à manger. Ceci n’est hélas pas sans risques: les cas de violences et d’abus sexuels au sein des familles d’accueil sont fréquents et des grossesses non désirées surviennent; les salaires sont versés de manière irrégulière, voire pas du tout. Quant aux conditions d’hébergement et de nutrition, elles s’apparentent souvent à de l’esclavagisme moderne.

Actions spécifiques en milieu urbain

À Bamako, notre partenaire Apsef lutte pour l’amélioration des conditions de vie et de travail de ces aides familiales. Par le biais de causeries et d’animations organisées dans différents quartiers de la capitale, l’association sensibilise ces jeunes filles à leurs droits et devoirs, aux risques qu’elles encourent et aux moyens existants pour dénoncer d’éventuels abus. Consciente que les grandes logeuses (voir encadré) et les employeurs jouent un rôle clé dans cette problématique, Apsef organise également des causeries avec ces groupes de femmes.

En septembre 2013 , une délégation de Terre des Hommes Suisse s’est rendue dans la commune 5 de Bamako où Apsef mène ses actions de protection et de sensibilisation. L’occasion pour nous de rencontrer plusieurs jeunes filles et d’échanger sur leur vécu et leur quotidien au sein de la famille d’accueil. Comme attendu, le constat fut effarant: aucun jour de repos, natte posée à même le sol dans la cuisine pour dormir, humiliations quotidiennes, nourriture insuffisante. Mais toutes étaient soulagées de savoir qu’Apsef pouvait leur venir en aide, en faisant notamment pression sur les employeurs.

Nous avons également cherché à savoir pourquoi ces jeunes filles avaient quitté leur village. Naturellement, elles évoquèrent la question du trousseau de mariage. Mais d’autres motifs furent rapidement avancés. «Je suis arrivée hier à Bamako, nous confia Fatou- mata*, peu sûre d’elle. Si je suis là aujourd’hui, c’est parce que je ne voulais pas qu’on me marie de force dans mon village.» Puis d’autres langues se sont déliées. Les larmes aux yeux, Rosine* nous raconta son histoire: la vie dans son village, sa joie de pouvoir fréquenter le centre scolaire, sa famille. «Mais quand mon papa est mort, nous n’avions plus assez d’argent pour nourrir la famille. Ma mère m’a donc envoyée à Bamako pour faire aide ménagère. Et j’ai dû quitter l’école à contre-cœur. J’avais 12 ans.»

Causeries sur les droits de l’enfant dans les villages
Sachant que les raisons de cet exode se trouvent principalement en amont, nous nous sommes rendus dans un village proche de Ouélésébougou, à une heure de route de Bamako. Là, Apsef organise des causeries sur la question de l’exode des jeunes filles. Un travail qu’elle effectue également dans une trentaine d’autres villages de la région. Ces discussions portent sur plusieurs thématiques: sensibilisation de la communauté aux droits de l’enfant, organisation de rencontres entre anciennes aides familiales et candidates au départ, sensibilisation des parents aux risques liés à l’exode et aux dangers existants dans la ville de destination.
La causerie à laquelle nous avons assisté dans ce village fut riche en enseignements. Que les échanges étaient vifs et engagés, et la parole libérée! Plusieurs femmes n’ont pas hésité à interpeller directement les chefs du village pour leur faire part de leurs revendications. D’autres ont expliqué les raisons qui les ont poussées à accepter l’exode de l’une de leurs filles. Certaines enfin ont souligné à quel point leur dénuement et leur pauvreté constituent un obstacle majeur pour envisager un avenir meilleur. Bien que perfectible, la dynamique de cette causerie nous a confirmé la pertinence de l’approche retenue par notre partenaire. En instaurant le dialogue, en n’hésitant pas à soulever des questions délicates, Apsef tente de changer peu à peu les mentalités en veillant à impliquer pleinement les communautés concernées. On le constate, les causes de cet exode sont multiples et reposent à la fois sur des logiques traditionnelles et structurelles. «Effectivement, ce mal est profond et la situation complexe, nous lance Siné, l’une des animatrices d’Apsef. C’est pour cela que je suis convaincue de la poursuite de notre action ici à Bamako, mais également dans les villages d’où pro- viennent ces jeunes filles. Bien sûr, cela prendra du temps et demandera beaucoup d’efforts. Mais j’y crois!» Et nous aussi.

Qu’est ce qu’une grande logeuse?
Lorsqu’une jeune fille arrive en ville, généralement sans prévenir, elle se rend directement chez une femme originaire du même village qu’elle. Cette femme, que l’on nomme «grande logeuse», accepte de l’héberger et de la nourrir pendant quelques jours, le temps que la jeune fille trouve une place d’aide familiale. Du fait de sa forte implication dans le quartier, la grande logeuse peut l’aider dans ses démarches de recherche d’emploi. Elle identifie les employeurs potentiels, s’informe auprès des autres grandes logeuses qu’elle connaît, négocie parfois le salaire qui sera octroyé. De plus, comme la future aide familiale ne dispose pas de propre compte bancaire, l’employeur s’engage généralement à payer le salaire à la grande logeuse qui le reverse ensuite à la jeune fille. On le voit, les grandes logeuses constituent une pièce maîtresse dans cette problématique. Il est donc pertinent – voire indispensable – qu’Apsef les associe à la recherche de solutions.

* Conformément à notre politique de protection de l’enfance, nous avons utilisé des prénoms fictifs.

1) Afin de pouvoir se marier, une jeune femme malienne est tenue de disposer d’un trousseau de mariage pour aménager son foyer et celui de son futur mari. Ce trousseau se compose d’ustensiles de cuisine, de vêtements, de tissus, mais également de chaises voire de meubles. En moyenne, cela équivaut à un budget de 150’000 francs CFA, soit environ 300 francs suisses. Comme la famille ne possède généralement pas cette somme, ces acquisitions sont à la charge de la future mariée.

Article rédigé par Frédéric Monnerat, publié dans le journal Terre des Hommes Suisse n°113, mars 2014

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