DIE BAND "SONGHOY BLUES" AUS DEM NORDEN SUCHT DEN FRIEDEN UND DAS VEREINTE MALI IN IHREM ERSTEN ALBUM

Die Wüste rockt
funkhaus europa – 16.03.2015
Von Georg Milz
Songhoy Blues aktualisieren den Wüstenblues um Elemente aus Indierock und Postpunk. Die vier Musiker mussten vor den Islamisten aus dem Norden ihrer Heimat fliehen. Ihr Sound weckt die Sehnsucht nach Frieden und einem vereinten Mali.

songhoy_blues (c)Transgressive Records
Foto (c) Transgressive Records: Songhoy Blues: Music in Exile

Die Musiker der Band Songhoy Blues gehören zur intellektuellen Elite in Mali und haben alle studiert. Dementsprechend breit ist auch ihr musikalischer Horizont. Er geht über den bluesigen Songhai Pop von Ali Farka Touré, Kaira Arby und Baba Selah hinaus. Kurz angeschlagene Gitarren erinnern an die Talking Heads in den 1980ern, die Rhythmen sind gerader gespielt als sonst im Desertblues sonst üblich.
Abwechslungsreich arrangiert
Wieder ist es Damon Albarn zu verdanken, dass hier eine neue junge Band aus Mali Gehör findet. Der Blur-Frontmann und Westafrika-Spezialist hat Songhoy Blues mit Nick Zinner zusammengebracht, dem angesagten Produzenten aus der New Yorker Indie-Szene um „TV on the Radio“ und seiner eigenen Band, den „Yeah Yeah Yeahs“. Das hört man dem Album an. „Music in Exile“ ist knackig produziert und musikalisch abwechslungsreich.
Sehnsucht nach Frieden
Die Geschichte der Band ist eng verzahnt mit der Bedrohung der Islamisten. Gitarrist Garba Touré wurde auf der Straße bedroht. Sie wollten seine Gitarre zerstören. Deshalb verließ er seine Heimatstadt Gao im Norden Malis und flüchtete mit dem Bus nach Bamako. Bei jedem Check-Point musste er darum fürchten, dass sein Instrument entdeckt würde. In den Bars von Bamako hat sich seine Band zusammengefunden. Hier sprechen sie den vielen Flüchlingen des Nordens aus der Seele. Deshalb haben sie ihr Album „Music in Exile“ genannt.
Reflektiert und relevant
Songhoy Blues widmen die elf Songs ihrer Volksgruppe, den Songhai. Im vorkolonialen Afrika bildeten sie eines der größten Königreiche. Heute hat der Einfluss der Songhai gegenüber den dominanten Ethnien der Bamana und Mande aus dem Süden stark abgenommen. Der Song „Desert Melodie“ erzählt von der Gefahr des Terrorismus im Land. „Irganda“ spricht sich für den Umweltschutz aus. Und in „Soubour“ singen Songhoy Blues über Geduld, Hoffnung und die Verantwortung ihrer Generation, eine neue Zukunft für Mali aufzubauen.
© 2015 funkhauseuropa.de

Irganda, aus dem Debutalbum der Band Songhoy Blues, herausgekommen am 23.02.2015

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