2 INTERVIEWS MIT DEM MALISCHEN MINISTER FÜR NATIONALE VERSÖHNUNG, CHEICK OUMAR DIARRAH – Deux interviews du Ministre malien de la Réconciliation nationale et du développement des régions du Nord

Hier werden zwei unterschiedliche Interviews des Ministers dokumentiert, die zeitlich fast 3 Monate, in denen u.a. die Parlamentswahlen stattfanden, auseinanderliegen. Naturgemäß drehte sich das TV5-Interview im November überwiegend um die Ereignisse in Kidal, neben der Zukunft des Landes, während das aktuelle auch die Versöhnung zwischen dem Staat und seinen Bürgern aufgreift. Bon courage, monsieur Diarrah!
Il s’agit ici de deux interviews différentes espacées de 3 mois, dont la première se focalise sur les événements à Kidal en novembre, même si des questions sur l’avenir du pays sont posées, et l’interview actuelle en allemand prend aussi pour sujet la réconciliation entre l’Etat et ses citoyens. Bon courage, monsieur Diarrah!

Malischer Minister: „Wir brauchen multidimensionale Unterstützung“
Fünf Antworten von Cheikh Oumar Diarrah, Bamako

IPG – Thema des Monats Februar 2014

IPG 31.01.14MALI_interview_COD

Foto (c) IPG: Le ministre chargé de la Réconciliation nationale et du développement des régions du Nord, Cheikh Oumar Diarrah, en février 2014
Der malische Versöhnungs-Minister Cheikh Oumar Diarrah beim IPG-Interview

IPG: Nach der französischen Intervention kam es Ende letzten Jahres zu Wahlen. Der Riss zwischen Süden und Norden ist jedoch allgegenwärtig. Wo steht Mali im Versöhnungsprozess?
Cheick Oumar Diarrah:
Die Wahlen waren ein wichtiger Moment auf dem Weg zurück zu einem konstitutionellen und funktionierenden Staat. Korrekt: Die Krise Malis ist im letzten Jahr überdeutlich geworden als zwei Drittel des Landes von bewaffneten Gruppen besetzt waren. Doch die Krise ist das Resultat einer langen und graduellen Schwächung und immer stärkeren Auflösung des malischen Staates. Was wir jetzt angehen müssen ist die Schaffung der Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Staat: Eine Stärkung des Justizsystems, des Gesundheitswesens, der Bildungsinstitutionen. All diese Elemente wurden von Korruption zu sehr geschwächt und müssen nun wieder hergestellt werden.

DEUTSCH WEITER UNTER DEN FRANZÖSISCHEN VIDEOS

Cheick Oumar Diarrah dans „Internationales“ – Dimanche 10/11/2013 – Émission de TV5MONDE
depuis la Cité Administrative à Bamako, le siège du gouvernement
Propos recueillis par Philippe Dessaint (TV5), Sophie Malibeaux (RFI) et Christophe Châtelot (Le Monde)
Cheick Oumar Diarrah, Ministre malien de la Réconciliation nationale et du développement des régions du Nord, revient avec nous sur l’assassinat des deux journalistes de RFI, la réalité du terrain plusieurs mois après l’opération Serval et l’état du pays avant les élections législatives.
Émission en intégralité (qui comprend 4 min de récit sur la situation dans le pays par Amélie Cano):

Pour souligner quelques sujets importants dans cette interview, nous reprenons ici quelques extraits courts:
„Le Mali restera un pays unitaire“


Cheick Oumar Diarrah l’assure : „Il n’y aura pas d’autonomie, pas d’indépendance, pas de fédération. Il n’y aura pas de souveraineté partagée. „. Leur proposition ? une „décentralisation poussée“.

A Kidal, Aqmi et tous les groupes armés „en osmose totale“


Invité à réagir sur la revendication par Aqmi du meurtre de nos confrères de RFI, Cheick Oumar Diarrah estime „qu’au delà d’Aqmi, il y a pour moi une osmose totale entre tous ces groupes armés, tous ces groupes terroristes“. „Je ne fais pas de différences entre tous ces groupes armés qui sont illégaux“. Avec une nuance cependant : „Je ne mets pas les touaregs dans la condamnation parce qu’ils ne sont pas représentés par les mouvements dont je parle. Je parle de tous les porteurs d’armes“.

Kidal, l’épicentre de la crise malienne


Selon Cheick Oumar Diarrah, „Kidal est le nœud gordien qu’il faut trancher“. „Tant que l’insécurité régnera dans Kidal, le processus de paix sera fragilisé.“

A Kidal, la sécurité passe par l’expulsion des groupes armés


Selon Cheick Oumar Diarrah, l’armée malienne a „une moindre capacité d’agir“ que la Force Serval et la Minusma. Pour cette raison, „nous souhaitons que la Minusma et Serval aident à la sécurisation de Kidal en extrayant de Kidal ces groupes armés“

„Le MNLA ne représente pas les Touaregs“


„Ceux qui portent aujourd’hui les armes sont contre la communauté touareg, même s’ils sont eux-même touaregs, estime Cheick Oumar Diarrah. Ce sont des fauteurs de trouble“. „Il faut qu’on se rende compte qu’il y a aujourd’hui des porteurs d’armes qui sont en osmose avec le terrorisme et la criminalité transfrontalière“. Le gouvernement malien est-il prêt à les désarmer par la force ? „Notre option fondamentale c’est le dialogue“, „Nous voulons par le dialogue résoudre nos problèmes.“

Les élections au Mali ne seront pas perturbées


Cheick Oumar Diarrah „ne pense pas que ceux qui ont fait en sorte que vos deux collègues soient assassinés à Kidal soient aujourd’hui en mesure de faire en sorte que l’élection ne puisse pas avoir lieu dans la région de Kidal. Ils n’ont aucun intérêt stratégique et ils se mettraient davantage en porte-à-faux avec la communauté internationale“

Amnistier des rebelles ? „Pas un tabou“


Interrogé sur une éventuelle intégration des anciens rebelles dans les forces armées maliennes, Cheick Oumar Diarrah estime que „cette question n’est pas à l’ordre du jour aujourd’hui“. „On intégrera ceux qui sont en mesure d’être intégrés“. Une amnistie, elle, pourrait être examinée dans le cadre de la commission vérité et réconciliation. „Ce n’est pas tabou“.

Kidal reste trop dangereux pour les journalistes:


A la question de savoir si les journalistes peuvent venir aujourd’hui à Kidal, la réponse de Cheick Oumar Diarrah est catégorique : „Non, vous ne pouvez pas, parce qu’il y a l’insécurité“. Ce sont les „porteurs d’armes illégaux“ qui „empêchent les journalistes d’être présents dans Kidal“. Preuve de l’impuissance de l’Etat malien dans cette ville, il décrit la situation „humiliante“ du gouverneur qui dort sur des matelas avec ses collègues dans une pièce du palais présidentiel. „Cela est indigne de la République“.
© 2014 TV5MONDE

Malischer Minister: „Wir brauchen multidimensionale Unterstützung“
Fünf Antworten von Cheikh Oumar Diarrah, Bamako

IPG – Thema des Monats Februar 2014

Zur Person
Cheikh Oumar Diarrah
Bamako
Dr. Cheick Oumar Diarrah ist Minister für Nationale Versöhnung Malis. Zuvor war Diarrah u.a. Botschafter Malis in den Vereinigten Staaten (1995-2002) und Beauftragter der Allgemeinen Delegation in den Verhandlungen mit Tuareg-Rebellen in den frühen 1990er Jahren. Diarrah ist Politikwissenschaftler und war von 2005 bis 2011 Gastprofessor an der Michigan State University.

Nach der französischen Intervention kam es Ende letzten Jahres zu Wahlen. Der Riss zwischen Süden und Norden ist jedoch allgegenwärtig. Wo steht Mali im Versöhnungsprozess?
Die Wahlen waren ein wichtiger Moment auf dem Weg zurück zu einem konstitutionellen und funktionierenden Staat. Korrekt: Die Krise Malis ist im letzten Jahr überdeutlich geworden als zwei Drittel des Landes von bewaffneten Gruppen besetzt waren. Doch die Krise ist das Resultat einer langen und graduellen Schwächung und immer stärkeren Auflösung des malischen Staates. Was wir jetzt angehen müssen ist die Schaffung der Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Staat: Eine Stärkung des Justizsystems, des Gesundheitswesens, der Bildungsinstitutionen. All diese Elemente wurden von Korruption zu sehr geschwächt und müssen nun wieder hergestellt werden. Der Staat muss faktisch neugegründet werden. Nur dann können wir uns auch als Gesellschaft neu erfinden, einen neuen Sozialvertrag schließen, einen neuen Willen finden, zusammenzuleben. Tatsächlich befindet sich ganz Mali in einer Krise, nicht nur der Norden. Wir haben in den vergangenen Monaten einen Bruch zwischen Staat und Bürgern erlebt. Das eigentliche Problem ist daher nicht Norden gegen Süden, sondern dieser Bruch der Bürger mit dem Staat. Wo waren die Bürger während des Putsches? Niemand wollte die Regierung verteidigen. Sicher, im Norden ist die Lage schlimmer. Aber erst wenn wir diese grundlegenden Herausforderungen meistern, wird die Krise in meinem Land wirklich überwunden sein.
Welche konkreten Maßnahmen werden aktuell getroffen, um den Versöhnungsprozess voranzubringen?
Wir wollen einen Prozess im Land anstoßen, der mit der Generalversammlung im November begonnen hat und der Mali einen Weg in eine gemeinsame Zukunft weisen soll: Eine stärkere Dezentralisierung des Landes, eine umfassende Entwaffnung und Abrüstung aller Akteure sowie den Wiederaufbau zentraler staatlicher Dienstleistungen. Hierzu gab es bereits eine Reihe wichtiger Konferenzen und nationaler Versammlungen, die im Februar fortgesetzt werden. Es geht uns darum, alle Akteure, inklusive der bewaffneten Gruppen, zu versammeln, um Lösungen für die Krise unseres Landes zu finden. Ein Schlüsselbegriff ist die Frage der Partizipation. Wir benötigen Entscheidungsprozesse mit stärkerer Beteiligung etwa der lokalen Würdenträger.
Der Weltsicherheitsrat hat jüngst eine Intensivierung des Dialoges mit den Rebellen gefordert. Warum ist es so schwierig, in diesem Dialog Fortschritte zu erzielen und formelle Gespräche zu führen?
Da gibt es einen gewichtigen Unterschied zwischen der Berichterstattung und der Realität. Wir stehen laufend, wirklich jeden Tag, in Kontakt mit den Rebellengruppen, auch wenn sich dies nicht in den Medien wiederfindet. Erst kürzlich haben wir in der Stadt Kidal mit den Rebellen einen Dialog in die Wege geleitet. Aber wir wollen derzeit keine Gespräche nur zwischen Regierung und bewaffneten Rebellen, sondern einen inklusiven Prozess, an dem das gesamte Land und alle Gruppen beteiligt sind – auch soziale Akteure. Kürzlich haben in Algier drei der vier wichtigsten Rebellengruppen gemeinsam eine vorläufige Position erarbeitet, um in einen effektiven Dialog mit der Regierung zu treten. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, der uns hin zu einem erfolgreichen Dialog führen kann. Deshalb unterstützen wir diese Gespräche. An die Vorbereitungstreffen in Algier werden wir mit einer Serie von insgesamt drei Konferenzen anschließen – etwa zur Frage der Demobilisierung und der Reintegration oder zur Neuaufstellung der sozialen Prioritäten. Daran anschließend planen wir inklusive Gespräche mit allen beteiligten Gruppen – auch den bewaffneten Kräften.
In Deutschland wird kontrovers diskutiert, ob sich auch die Bundeswehr stärker an militärischen Auslandsmissionen beteiligen sollte. Was sind ihre Erwartungen an Deutschland?
Wir sind an einer intensiven militärischen Kooperation interessiert. Was wir jetzt gerade am dringendsten benötigen ist die vollständige Ausrüstung der drei von der EU ausgebildeten Bataillone der malischen Armee. Diese Bataillone, sowie ein viertes, das derzeit ausgebildet wird, muss wirklich einsatzfähig gemacht werden. Besonders wichtig ist die Kommunikationsfähigkeit und die Frage der Mobilität. Derzeit ist die malische Armee noch zu schwach, um in einem so großen Land effektiv gegen Terroristen vorgehen zu können. Hier benötigen wir Unterstützung. Außerdem im Bereich der Informationstechnik und der Nachrichtenbeschaffung. Um reagieren zu können, ist der Zugang zu Informationen etwa von Satelliten und anderen Überwachungstechniken unumgänglich.
Darüber hinaus benötigen wir vor allem Hilfe im Bereich der Luftstreitkräfte und der Logistik: Wir verfügen derzeit etwa über keinen einzigen Hubschrauber. Vor kurzem bin ich in Mali in einer deutschen Transall-Maschine mitgeflogen. Dies ist Unterstützung, die uns angesichts der Größe unseres Landes sehr hilft. Noch einmal: Wir brauchen multidimensionale Unterstützung. Dabei ist übrigens auch die regionale Dimension von entscheidender Bedeutung. Zuletzt haben wir uns etwa mit Mauretanien darauf verständigt, keine bewaffneten Bewegungen in unseren Territorien zu dulden.
Christine Lagarde, die Chefin des IWF, hat vor kurzem Mali besucht und speziell internationale Investitionen eingefordert, um die wahren Ursachen der Krise anzugehen. Wie steht es um die wirtschaftliche Entwicklung?
Ökonomisch befinden wir uns in einer Phase der Genesung. Wir haben mit den verschiedenen internationalen Partnern einen Plan für beschleunigte wirtschaftliche Entwicklung speziell des Nordens aufgelegt. Dieser muss nun zügig umgesetzt werden. Übrigens suchen wir auch hierfür noch nach den Geldern für die Umsetzung. Dabei ist jedoch klar, dass zunächst die Gewalt im Norden beigelegt werden muss. Die Finanzierung wird nicht sichergestellt werden können, wenn dieser Konflikt nicht überwunden wird. Daher liegt für uns nun die absolute Priorität auf dem Erreichen eines Abkommens mit den bewaffneten Truppen, das die akute Krise beendet und uns erlaubt, uns stärker um die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes zu kümmern. Und auch hierfür benötigen wir die Unterstützung unserer Partner.
© 2014 ipg-journal.de

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