BEOBACHTUNGEN UND GEFÜHLE EINER ENTWICKLUNGSMITARBEITERIN IN BAMAKO

Politisch hat Mali vorgestern den „offiziellen Hilferuf“ an die Union afrikanischer Staaten, die Nachbarländer und die UNO geschickt, was hier in der Gesellschaft heftig diskutiert wird. Nachdem allerdings nun auch Douentza (ca. 170 km von Mopti) durch die MUJAO-Islamisten eingenommen wurde, sah man wohl keinen anderen Weg mehr.
Es kann aber auch sein, dass die Drohung die Nordbesatzer an der Verhandlungstisch zwingt. Wir hoffen das hier alle sehr, denn ein Krieg, auch wenn er 1000 km von hier entfernt statt findet, würde die Lage nur weiter verschlechtern.
Das Leben hier in Bamako ist ruhig wie immer, ich habe noch keinen einzigen Soldaten gesehen und wenn ich es nicht wüßte, würde ich nicht an eine Megakrise hinter der freundlich fröhlichen Alltagsfassade glauben.
Beim genaueren Hinsehen jedoch und vor allem, wenn ich meine sonstigen Sensoren ausfahre, merke ich:
Viele Menschen, vor allem Alte und Kinder sind spindeldürr, wie ich es in Mali sonst selten gesehen habe. Etliche Boutiquen, Hotels, Cafes, Treffpunkte sind geschlossen. Der Verkehr ist dicht, aber nicht mehr so überlastet (Benzin ist, wie alle Grundnahrungsmittel auch, richtig teuer geworden) und wenn ich in einen Hof komme, dann ist da eine Leere, die ich sonst nicht kannte. Das liegt daran, dass es kaum noch Tiere gibt und auch nicht mehr wie früher immer jemand noch was duftendes köchelt.
Ich achte darauf, dass immer genug zu essen da ist, wenn Menschen herkommen, haben sie meist den ganzen Tag noch nichts gegessen. Hamidou bestätigt, dass es nun ums Existenzielle geht. Niemals wurde man in Mali nach Essen gefragt – auch heute spricht man nicht darüber, aber da ich früher Fastenkurse besucht habe, weiß ich um den Ausdruck in den Augen, wenn Menschen nichts oder nur wenig gegessen haben. Die Lage war – gut getarnt – im Hinblick auf Ernährung schon immer kritisch, wurde aber durch soldiarisches Teilen beherrscht – nun gibt es nichts zum Teilen mehr.
In den ländlichen Gegenden hat es viel geregnet, zu viel, mancherorts sind Mais und Hirse einfach abgesoffen und auch viele Häuser eingestürzt, weil kein Geld für die vorsorgende Unterhaltung der Lehmhäuser vor der Regenzeit vorhanden war.

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