ALLTAGSSCHWIERIGKEITEN UND TRÄUME, DIE WIRKLICHKEIT WERDEN – ein Reisebericht aus dem Norden Malis – Difficultés du quotidien et rêves qui deviennent réalité…

– Trouvez la traduction française en bas sous la dernière photo! –

VON DEN SCHWIERIGKEITEN DES ALLTAGS UND DEN TRÄUMEN, DIE WIRKLICHKEIT WERDEN

– ein Reisebericht von Dr. H. Querfurt (Aktion pro Afrika mit APA-Mali)
In Signé

Bérénice, die Hebamme, versorgt uns mit Wasser
Fotos (c) Renate Querfurt und aramata – ZOOM durch Klick aufs Bild! – Die Maus zeigt die Bildunterschriften an.

Wieder Mali – wie oft war ich eigentlich schon da? Was soll es wohl neues geben außer der Routine von Projektbesuchen und der Besprechung neuer Projekte? Ich habe das Gefühl, eigentlich kenne ich schon alles. Aber wir freuen uns auf die Wärme – 32 Grad sind es in Bamako um 17 Uhr und das Mitte Januar. Unsere FreundInnen von APA-Mali erwarten uns. Reinhild hat sich in die Halle der Gepäckausgabe geschmuggelt. Sie hatte den Zöllnern erklärt, sie müsste Freunden, die nicht gut französisch sprechen, helfen. Geht hier!

Selbst die Armut wirkt vertraut, als wir nach Bamako reinfahren, so als gehörte sie dahin. Kann man sich so gewöhnen an diese offensichtliche Misere menschlichen Lebens, die mich aus jeder Ecke anspringt? Man kann und es fällt schwer, dabei nicht abzustumpfen und die Dinge als Exotik zu buchen und damit als gegeben hinzunehmen.

„Die Zentrifuge kam gerade zur rechten Zeit…“
Aber spätestens am nächsten Tag bei unserem ersten Projektbesuch in der Poliklinik/Krankenhaus der Commune IV ändert sich das Innenleben. In diesem großen Krankenhaus, das für die ca. 300 000 Einwohner im Westen Bamakos zuständig ist und noch ärmlicher wirkt als alle anderen Krankenhäuser in Bamako, stand das gesamte Labor still, weil die Zentrifuge defekt war. Zum Glück war in unserem letzten Container eine gewesen, die hier sofort zur Verfügung gestellt werden konnte – natürlich umsonst. Und das Labor lief wieder. Die Alternative wäre für das Krankenhaus gewesen, eine auf Kredit zu kaufen. 3000 Euro war der Kostenvoranschlag – in Deutschland kostet so ein Gerät gut 500 Euro. Hier werden die eigenen Landsleute gnadenlos abgezockt. Seit es die Selbstfinanzierung der Krankenhäuser gibt, hat dieses Krankenhaus schon erhebliche Schulden machen müssen, um die Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Aber der Chefarzt Idrissa Koné macht einen energischen Eindruck. Unter seiner Regie arbeiten 22 Ärzte. Wir beschließen, dieses Krankenhaus wird schwerpunktmäßig mit Materialien des nächsten Containers unterstützt! Eigentlich müsste man in Bamako einen Non-Profit-Laden für Medizintechnik und Instandhaltung aufmachen, das würde den Krankenhäusern enorm helfen! Aber das ist leider eine Nummer zu groß für uns. Und noch etwas habe ich das erste Mal gesehen: Eine Zahnarztlampe, die raucht und dampft. Die aber trotzdem weiter betrieben wird, da sie die einzige ist und ihr trübes Licht wenigstens das Zähneziehen ermöglicht – für mehr reicht die Ausrüstung des Zahnarztes hier nicht.

„Die Geräte sind ein Juwel….“
Das PMI Central – die große Poliklinik, in dem die Bevölkerung der Stadtmitte versorgt wird in Bamako, ist gerade renoviert, mit zahlreichen zusätzlichen Räumen versehen worden und macht baulich einen guten Eindruck. Wir besuchen die Augenabteilung, dort hatten wir im letzten Jahr eine komplette Augenuntersuchungseinheit installiert. In den neuen Räumen ist alles liebevoll installiert und macht einen gepflegten Eindruck. Und die Chefin hütet die Anlage wie ihren Augapfel. „Ein malischer Techniker darf nicht einmal wagen mit einem Schraubenzieher in die Nähe der Geräte zu kommen, geschweige denn etwas zu reparieren versuchen, dafür sind die Geräte viel zu wertvoll,“ sagt sie sehr energisch und ich kann die Gefahr erahnen, die einem solchen Techniker drohen würde. Der Glanz in ihren Augen verrät, wie stolz sie auf diesen Schatz ist. So hatte es auch der Augenarzt in der Poliklinik der Commune IV formuliert: „ Eine Einheit wie im PMI Central, das ist der Traum der Zukunft.“

Jeder macht, was er will
Bamako hat jede Menge neue Ampeln erhalten – alle mit einer Solarzelle drauf, die Ampeln werden respektiert. Der Verkehr ist aber genauso chaotisch wie früher, Mopeds links und rechts, einzelne Fahrräder (die müssen lebensmüde sein), Hand- und Eselskarren und ab und zu eine Kuh. Und natürlich die Autos. Und alles fährt auf Millimeter genau. Und trotzdem findet jeder seinen Weg – weil jeder damit rechnet, dass jeder zu jedem Zeitpunkt alles macht, was möglich ist. So schiebt sich in den Kreuzungen ohne Ampeln der Verkehr zusammen und wie von Wunderhand löst sich das Knäuel wieder. „Dass verstehen die hier unter Demokratie: Jeder darf machen, was er will.“ Das ist einer von Habys Lieblingsschimpfsätzen beim Fahren.

Es geht nach Koutiala, die dritte Brücke Bamakos über den Niger ist fertig und erleichtert die Fahrt Richtung Ségou erheblich. Die Straße selbst ist im weiteren Verlauf in einem erbärmlichen Zustand. Der Bau einer Autobahn zwischen Ségou und Bamako ist im Gespräch – aber das nimmt niemand so richtig ernst, es ist Wahlkampf in Mali , im April wird ein neuer Präsident gewählt.

Ein Loblied auf Leukoplast
Nach 6 Stunden Fahrt erreichen wir unseren ersten Stopp: das Dorf Signé, ca. 20 km vor Koutiala. Dort haben wir im letzten Jahr einen kleinen Gesundheitsposten gebaut und zusätzlich mit Material aus dem Container unterstützt. Es gibt einen Riesenempfang. Durch ein Spalier von Menschen und nach Begrüßung der „Nobilitäten“ erreichen wir den Festplatz, wo eine Kapelle spielt und ein Griot sofort beginnt uns zu besingen und in höchsten Tönen zu loben, was wir für tolle Hechte sind und herausragende Persönlichkeiten – das kostet 5000 CFA, die wir anstandslos bezahlen, weil das so normal ist – auch wenn wir das nicht vorher bestellt hatten. Und natürlich die üblichen Ansprachen.
InaugurationDer Höhepunkt ist aber für mich die Besichtigung des Postens – 2 Räume und eine überdachte Veranda. Die offizielle Eröffnung geschieht, indem wir alle, das sind Bérénice – die Hebamme, Adama – der Pfleger, der Dorfchef, der Bürgermeister, Haby und ich zusammen eine Mullbinde durchschneiden, die seitlich am Haus mit Leukoplast auf der Mauer festgeklebt ist. Medizin ist doch überall gleich in der Welt. Und der Erfinder des Leukoplast wollte eigentlich nur Wunden versorgen. Er wusste nicht, welche Allzweckwaffe er geschaffen hat.
Adama Traoré hat den Posten liebevoll ausgestattet – alles sehr sauber, mit weißen Tüchern abgedeckt. Auch hat er als Möblierung einen Schreibtisch und einen Stuhl selbst organisiert, dazu von uns eine Untersuchungsliege, eine Personenwaage, ein Besteck zur Wundversorgung, Maßband, Stethoskop, Fieberthermometer und Blutdruckgerät. Im Regal befinden sich einige Medikamente, die er nach dem System „Adama“ besorgt hatte (s. Infobrief 12). Adama Traoré, Krankenpfleger von Signé
Im anderen Raum befinden sich 2 Betten und ein Rollator. Während uns Adama durch sein kleines Reich führt, hat er Tränen in den Augen. Auch ich finde: Das sieht richtig gut aus, hier kann Menschen geholfen werden – und wir sind auch stolz auf das, was hier entstanden ist. Ich glaube, diese kleinen, aber für die Menschen direkt erfahrbaren Veränderungen sind es, die wirklich Fortschritt bringen, Optimismus in die eigene Zukunft verbreiten und die Veränderungsmöglichkeiten der Verhältnisse erfahrbar machen. Das ist doch ein Unterschied: Vor drei Jahren hatte er nur seine Ausbildung und einen Verbandskasten! Jetzt fehlen nur noch Strom und Wasser!

Tanz der Hebamme Bérénice Direkt gegenüber steht die Maternité (Hebammenstation), ein wenig heruntergekommen vom Gebäude her. Bérénice, die Hebamme, ist ja schon seit 2 Jahren in unserem Patenschaftsprogramm und hat einiges an Ausrüstung erhalten. Soweit ist sie gut versorgt, wären da nicht die Türen, die aus den Angeln fallen, die Fenster, die nicht richtig schließen usw.. Eine „Rehabilitierung“ – wie es im Französischen so schön heißt – dieses Gebäudes neben Wasser- und Stromversorgung wäre die nächste dringende Aufgabe. Eine kleine Solarlampe von Ikea ermöglicht ihr Arbeiten auch in der Dunkelheit.

Wir verlassen Freunde und wieder werden Hände geschüttelt, an diesem Tag werden es einige Hundert , und die meisten Handflächen sind rauh, lederartig , grob und dick von der harten Landarbeit. Wir bemühen uns, keine uns entgegengestreckte Hand zu übersehen.

Seit 2 Jahren ist die Gesundheitsstation geschlossen
Großer Empfang in Sirakélé: die Jäger stehen Spalier und schießen Salut, zwei Musikkapellen, alle Würdenträger und wieder viele Hände zu schütteln.Acceuil au CSCOM de Sirakèlé10 km vor Koutiala liegt Sirakelé, dieser Ort wird für mich zum Synonym für die Misere des malischen Gesundheitswesens. 14 000 Einwohner erhalten im Jahre 2008 ein wunderschönes Gesundheitszentrum – 120.000 Euro hat der Bau gekostet, mit eigenem Stromgenerator, eigener Wasserquelle samt Wasserturm. Licht, Wasser, Ventilatoren in allen Räumen. Die Wände teils gefliest, alles in einem Top-Zustand, alles funktioniert: das Wasser, die Ventilatoren. So ein gut ausgerüstetes und auch in Schuss gehaltenes Gebäude habe ich hier in Mali überhaupt noch nicht gesehen. Aber der Bürgermeister Nouhoum Traoré hat das Zentrum abgeschlossen und nicht betrieben. Er hatte sogar Personal, das hätte arbeiten können – aber was er nicht hatte, war Material: nicht ein Instrument, kein Bett, überhaupt keine med. Ausrüstung. Und er hatte keine Aussicht, das vom Staat je zu bekommen. So hatte er sich zu diesem Schritt schweren Herzens entschließen müssen. Schon bei unserem Besuch Ende 2010 hatte er uns dringend um einen Besuch gebeten, damals fanden wir die Zeit leider nicht, aber diesmal sind wir da. Auch war aus den Beständen der letzten Container schon einiges angekommen, für die Maternité reicht es. Und so saß auch die frisch angestellte Hebamme Mme Soogologo beim Empfang mit am Tisch. Demnächst hat Sirakelé wenigstens eine Geburtsstation und der Rest wird folgen. Unsere kleine Reisegruppe ist sich sofort einig: Hier gehen Spenden schwerpunktmäßig hin, damit auch der Rest des Zentrums bald den vielen Menschen zur Verfügung steht!
CSCOM Sirakélé, WasserversorgungCSCOM Sirakélé, potentielle Klientin
Und Sirakélé wird nicht das einzige leere Zentrum bleiben auf dieser Reise: Sehen topp aus von außen, aber nichts als leere Räume: Sirakélé, Golea, Belesso, N´Tomodo ….. , ich möchte nicht wissen, wie viele leere Zentren es noch gibt in Mali!

Und dann die Schuhputzer: meist Kinder zwischen 8 und 14 Jahren, die nicht nachgeben, bis ich mir die Schuhe putzen lasse. Einer hat einen Blick, der eine Mischung aus traurig-resigniert und frech ist. Französisch kann er kein Wort, war also noch nie in der Schule. 100 CFA ( 16 Cent) für 10 Minuten Arbeit incl. Material. So hart ist der Überlebenskampf in Mali…

Und wenn Du denkst, du kennst schon alles in Mali, dann kommt Belleso:
Ein Dorf 7 km tiefer im Busch hinter Welenguéna. Dort sollte um 9.30 Uhr der Empfang sein, aber als wir 9.45 Uhr ankamen, waren erst wenige Menschen da. „Es ist zu kalt, um früh aufzustehen.“ Heißt die Begründung. Das verstehe ich gut : 25 Grad sind morgens um 9.30 Uhr wirklich nicht leicht zu verkraften. So verschieben sich die Maßstäbe.

Also fahren wir erst nach Belleso. Eine Schule: 5 Klassenräume, 5 Lehrer, 120 Schüler . Nur 50% der Kinder besuchen überhaupt die Schule, davon 2/3 Jungen. Termiten von BellesoDie Eltern, die für Hefte und Stifte sorgen müssen, haben oft das Geld dazu nicht. So schicken viele Eltern ihre Kinder in die kostenfreie Koranschule. Die Termiten haben in den letzten Sommerferien fast alle Schulbücher zerfressen, die Ausstattung ist ärmlich, es ist so wie in vielen Dörfern. Neben der Schule liegen riesige Baumwollberge. Sie wird im traditionellen Regenfeldanbau angebaut, nicht öko, aber auch kaum Geld für Pestizide. Die Samen werden selbst gezogen. Die Ernte ist gerade vorbei. Jede Familie erntet auf den eigenen Feldern. Das wird dann gemeinsam an den Staat verkauft und der Gewinn verteilt oder für Gemeinschaftsaufgaben verwendet, 2.300 Mitglieder hat die „association villageoise“.
Nach der BaumwollernteNach der Baumwollernte

Die Hebamme – sie ist seit 1993 im Dorf – spricht uns an, ob wir vielleicht einmal sehen wollen, wie sie arbeitet. Na klar, wollen wir. Ein 2-räumiges Gebäude ist die Maternité , vor 2 Jahren neu gebaut, aber leer bis auf ein Entbindungsbett. „Wir haben kein Material.“ Aber bitte, wo arbeitet sie denn jetzt? Sie führt uns ins Dorf direkt in eine Lehmhütte. Der Vorraum wirkt schon dunkel, ich denke an eine Höhle – Licht oder Elektrizität gibt es nicht. Im eigentlichen Geburtsraum sehe ich zunächst gar nichts, so dunkel ist es. In der Ecke ein wackeliger Tisch, bedeckt mit einigen Papieren und Stiften. „Und, wo bitte entbinden die Frauen?“ – „Ja hier“, antwortet Flassoun Diallo. Sie zieht einen blauen Plastiksack hervor, der in der Länge aufgeschnitten ist und legt ihn auf den Lehmboden. Dann legt sie sich selbst darauf und sagt: „Das ist das Entbindungsbett.“ – Ich bin erschüttert. Unter diesen Umständen müssen Frauen im 21.Jhdt. ihre Kinder zur Welt bringen, auf einem Plastiksack und dreckigem Lehmboden. Das ist das Schlimmste an Geburtshilfe, was ich bisher gesehen habe. Es sind menschenunwürdige Bedingungen. Flassoun Diallo, Hebamme in Belleso
Den Höhepunkt des Tages aber bilden die Lehrer, die uns abends im Hotel einen Bittbrief überreichen: Sie möchten gerne jeder einen Laptop mit Solarzellen zum Aufladen. Wir alle lachen laut auf, kein befreiendes Lachen, eher eines, das im Halse steckenbleibt. Der Kameramann des Fernsehens, der die Szene mit bekommt, schaut völlig ungläubig. Sagen will er wohl: „Das kann doch wohl nicht wahr sein nach allem, was wir gesehen haben.“ Da gebären Frauen auf einer Plastikplane in einer Lehmhütte auf dem Boden und 200 Meter weiter möchten die Lehrer Laptops! Wir beschließen schwerpunktmäßig die Hebamme zu unterstützen, die Schule braucht noch ein paar Bänke. So stimmen die Relationen wieder.

Dispensaire „Herbert Querfurt“
Zurück in Welenguena um die Mittagszeit, jetzt sind alle da. Der von uns untersstützte Gesundheitsposten ist vor genau einer Woche fertig geworden. Er wird in einer großen Zeremonie eingeweiht und – nach mir benannt. Ich bedanke mich für die Ehre und spüre die Verpflichtung, für diesen Posten weiter zu sorgen, das steht im Raum. Daouda Koné, der Pfleger des Dorfes, der im 3. Jahr der Ausbildung steht, ist mit einigen Klassenkameradinnen auch zur Eröffnung erschienen. Er ist glücklich. Das Fernsehen, das uns bereits in Signé und Sirakelé begleitet hatte, interviewt uns. Auch unsere Spenden sind angekommen. Nur das Kinderbett passt nicht durch die Tür. Muss es halt auseinander geschraubt werden und drinnen wieder zusammen. Der Bürgermeister hat gleich bauliche Erweiterungswünsche für den Posten. Aber da warten wir erst mal ab. Der Fortschritt wird erst richtig sichtbar, als wir Daouda und seine Frau in ihrem Haus besuchen: Sie leben in einem Lehmgebäude mit 2 Zimmern. Wenn man den ersten Raum betritt, so steht direkt rechts neben dem Eingang ein kleines wackeliges Regal. Dort lagert die gesamte med. Ausrüstung und die Medikamente. Von hier aus wird das Dorf mit seinen Hunderten von Einwohnern bisher versorgt.

„Dieser Kredit ist höher als die Männer je einen bekommen haben…“
Zeballa ist ein Dorf 70 km südöstlich von Koutiala. Mit der Frauenorganisation, die einige hundert Mitglieder hat, starten wir jetzt ein Geflügelprojekt auf der Basis eines Mikrokredits. Die teilnehmenden Frauen erhalten Material zum Bau eines Hühnerstalls, jede einen Zuchthahn, die Tiere werden alle geimpft, das macht der Tierarzt, und der Impfstoff wird in einem solarbetriebenen Kühlschrank im Dorf aufbewahrt. Wenn alles klappt wird jede Frau 20 € pro Monat verdienen können. Der Vertrag soll heute unterzeichnet werden. Geplant war das für den Nachmittag, aber die Frauen sind bereits um 9 Uhr morgens da. Sie waren mit dem Moped aus Zeballa gekommen. Bei der schlechten Straße müssen sie wer weiß wie früh aufgebrochen sein. Wir müssen aber erst zu den Terminen in Belleso und Welenguena und so warten sie geduldig, bis wir am Nachmittag zurück sind. Der Vertrag wird mit Fingerabdruck unterschrieben und die Einzelheiten besprochen. Mit dem Dunkelwerden machen sie sich wieder auf den Rückweg. Wie wir später erfahren, sind sie sehr stolz. Es ist die höchste Kreditsumme, die je im Dorf vergeben wurde (4.500 Euro), höher auch als jeder Kredit, den die Männer je bekommen haben. Die Frauenorganisation erfährt eine große Zahl von Neueintritten und offene Beiträge werden umgehend gezahlt. Da wollen sie alle mit dabei sein. Es können 50 Frauen pro 6 Monate mitmachen, das wird dauern, bis alle an die Reihe kommen. Durchschnittlich 20 Euro pro Monat werden als Nettogewinn für jede Frau übrigbleiben. Nach 18 Monaten ist der Kredit zurückgezahlt und das Projekt trägt sich langfristig selbst. Wir wünschen ihnen viel Erfolg!

Die Kälte
Salif Fane konnte leider nicht mitfahren, aber er schickt diesen Abend eine SMS : „Und übersteht die Kälte gut!“ Da hab ich mir schon vorsichtshalber eine dünne Jacke geholt, das Unterhemd bleibt in der Reisetasche. Aber Pudelmützen und Anorakkapuzen haben zur Zeit große Konjunktur, sie sind einfach überall. Am nächsten Morgen beim Frühstück kommt ein fliegender Händler vorbei mit einem großen Angebot von Mützen und warmen Socken. So ist es auch, als wir zurück in Bamako sind: Bei 23 Grad setzt sich keiner vor die Tür. Habys Haus ist total verrammelt, alle Vorhänge zu, weil es so kalt ist. Am vorletzten Tag unseres Aufenthalts kommt Haby lauthals lachend aus der Werkstatt zurück. Ihr Wagen konnte nicht repariert werden: „Schwester, Du meinst doch nicht ernsthaft, dass ich bei dieser Kälte arbeiten kann…“ Es sind 25 Grad.

8 Mann – ein Bett…
Und wieder kam alles anders, 500 km nach Kénieba (ca. 42 000 Einwohner) im äußersten Westen Malis an der Grenze zum Senegal. An einem Tag hin und zurück, da die Straße ausgezeichnet sei und kaum befahren. 5.30 Uhr Aufbruch – 24 Uhr zurück, „Erholen kannst Du dich woanders“, sage ich zu Renate. Der zweite angemietete Wagen versagt schon am Berg hoch nach Kati, er zieht einfach nicht, wir bringen ihn zurück und nehmen Habys Wagen. So starten wir mit fast 2 Stunden Verspätung. Die Straße ist neu gebaut und wirklich ausgezeichnet, sie soll eine neue Hauptroute in den Senegal werden. Bamba fährt uns gewohnt sicher in den fernen Westen.Wir gelangen in das Siedlungsgebiet der Malinke, alle Hütten sind hier rund. Gegen 12 Uhr sind wir da, Empfang beim Bürgermeister, Empfang beim Präfekten, der ist schwer erträglich, aber er geruht uns anzuhören und verabschiedet sich mit einem Brummen. Oder wie der Bürgermeister es ausdrückt: er ist wenig sozialfähig. Aber dann ist der offizielle Teil vorbei und wir wollen zum Gesundheitszentrum von Golea. Es gibt dort riesige Tafelberge mit Wäldern, die sich ca. 500 Meter aus der Ebene erheben und Golea liegt zusammen mit 8 weiteren Dörfern mit insgesamt 13.000 Einwohnern auf einem solchen riesigen Plateau. imm021_20 Straße auf das Plateau von Golea„Die Straße ist neu gemacht und für Autos gut passierbar“, sagt der Bürgermeister, der uns begleitet. Es gibt auch nur diese eine. Bis vor kurzem ging alles nur zu Fuß. Es sind nur 10 km von Kénieba und anfangs auf der guten Teerstraße. Aber dann, als wir die Teerstraße verlassen, geht es auf die Piste, die steil bergauf zieht und alles andere als gut ausgebaut ist.Ich wundere mich, dass hier überhaupt ein Auto hochkommt, so groß sind die Steine auf dem Weg und schmal ist er auch. Für 5 km brauchen wir 70 Minuten, aber das geht auch erst, als Bamba den Wagen von unserem 2. Fahrer übernommen hatte, der entnervt aufgibt. Renate, Reinhild und Haby gehen gute Teile des Wegs zu Fuß, das halten sie für sicherer. Am Rande des Plateaus steht eine Gruppe von 10 Jägern, die uns empfangen.Die Jäger von Golea empfangen uns Es ist vulkanische Erde hier oben. Alles Gemüse für die Kleinstadt Kénieba wird hier oben angebaut, zu Fuß herunter getragen und in der Stadt verkauft. In der Ferne sehen wir den Gesundheitsposten neben dem Dorf Golea. Auf dem freien Feld davor sind große Planen gespannt, dort stehen viele Stühle, viele hundert Menschen warten auf uns. Und es wird der beste Empfang werden, den wir je hatten. Bevor wir beim Aussteigen merken, was passiert, kommt ein offensichtlich querschnittgelähmter Mann, der auf seinen Händen läuft auf uns zu und putzt uns die Schuhe. Auf dem Platz tanzt er dann zur Musik. Er hat Plastiksandalen an den Händen und tanzt darauf so schnell und intensiv, dass wir kaum glauben können, dass er das wirklich ist. Es gibt Maskentänze: 3 Tänzer wirbeln wie Akrobaten, Tänze der Schulmädchen, die Jäger stellen mit viel Ausdruckskraft eine Jagd nach. Die Frauen des Dorfes schenken uns vier große Schüsseln mit Gemüse, Ananas , und Riesenpapayas. Alles mit soviel Engagement und Hingebung dargeboten, wie wir es noch nirgends erlebt haben. Immer wieder eine Steigerung! Und natürlich die Ansprachen, das ist das Übliche. Über Haby und mich wird ein Regenschirm gehalten, damit wir bei der Ansprache auch im Schatten stehen. Haby und ich sind die beiden einzigen, die diesen Service erhalten, die Regie ist hier bis ins Letzte ausgetüftelt. Für mich ist es ein Missverhältnis von der Menge der Spenden zu dem glänzenden Empfang, aber das sieht wohl von malischer Seite genau andersherum aus.
Tanz der Schülerinnen im Dorf Golea
Das Beeindruckendste kommt aber noch: Der Gesundheitsposten, das sind 6 Räume incl. Apotheke: neu gebaut vor 3 Jahren und geschlossen wegen Materialmangels. Neben dem CSCOM (Centre de santé communautaire) in Kénieba der einzige Posten überhaupt in der Gemeinde mit mehr als 40.000 Menschen. Transportbahre Golea-KéniebaDie Menschen zeigen uns ein Tragegestell aus vier Bambusstangen, die zu einem Viereck gebunden sind. Dazwischen sind aufgeschnittene Plastiksäcke gespannt. Damit werden die Kranken ins Tal getragen zum Gesundheitszentrum in Kénieba , mindestens 3 Stunden Marsch für 6 Männer. Aber das soll ja jetzt anders werden mit dem neuen Gesundheitsposten. Auch dieses kleine ländliche Zentrum hat Material aus den letzten Containern bekommen, 3 Betten, 1 Kinderbett, Nachttischchen, Untersuchungsliege, und vieles andere mehr. Damit können sie hier oben starten im Kampf gegen Malaria, Kinderkrankheiten und Problemschwangerschaften. Aber wie ist das ganze Zeug den Berg hochgekommen? – Zu Fuß : 8 Männer 1 Bett , 1 oder 2 Männer einen Nachttisch und das alles 7 km bergauf. Hätte ich es nicht gesehen, ich hätte es nicht geglaubt und wieder einmal erfahre ich hautnah, wie wertvoll unsere Hilfe für die ländlichen Gesundheitsposten ist.
Sie bringen uns noch ins Dorf, wo ich ein Fußballspiel eröffnen muss. „Deutschland gegen Mali“, sag ich , „und der Schiedsrichter ist Deutscher, sonst können wir nicht gewinnen.“ Sie lachen noch lang über diesen Witz.

Den Abstieg (Fahrt kann man kaum sagen) schaffen wir in 1 Stunde und noch vor dem Dunkelwerden und dann geht es 500 km wieder zurück nach Bamako. 5 Stunden durch die tieffinstere afrikanische Nacht, in der manchmal auch eine Kuh auf der Straße steht, aber ein Lob an Bamba, er bringt uns heil zurück nach Bamako, um 24 Uhr sind wir da. Auch der längste Tag geht einmal zu Ende.

Hinter uns liegt der beeindruckendste Tag dieser Reise und die engagiertesten Menschen. Wir beschließen, auch diesen Posten sowie das CSCOM in Kénieba bevorzugt zu beliefern mit Spenden. Hier gibt es kaum andere Hilfsorganisationen. Hilfe ist bitter nötig für diesen vernachlässigten Westen.

Sikoulou : in allen Klassen 50% Mädchen
Unsere Partnerschule in Sikoulou direkt vor den Toren Bamakos sieht äußerlich aus wie eh und je. Der Direktor begrüßt uns sehr freundlich, dank unserer Patenschaftshilfen hat die Schule alles, was sie zum Unterrichten braucht. Wir sehen in jeder Klasse, dass jedes Kind ein Schulbuch hat und die soliden Bänke im Einsatz sind. Der Anteil von Mädchen in allen Klassen ist über 50%, normal ist in Mali ein Verhältnis von 1/3 zu 2/3. Wie sie das machen? Die Aufnahmegebühr ist geringer für Mädchen und die Lehrer gehen von Haus zu Haus und werben für den Schulbesuch. Letztendlich hängt davon auch ihr Gehalt ab (diese Schule ist ja nicht staatlich, sondern eine école communautaire, d.h. sie wird von den Eltern komplett in Umlage finanziert). Von den 6 Lehrern sind 3 Frauen. Und Renate stellt fest, dass die Qualität des Unterrichts – gemessen an der Tatsache, dass es sich um einen Frontalunterricht handelt, ja wegen der hohen Kinderzahl handeln muss – wirklich gut ist.

Der einzige Wunsch ist noch ein Abschluss des Schulgeländes, damit der Schulhof geschützt ist. Ein rundum erfreulicher Besuch, hier hat unsere Hilfe schon viel bewirkt.

Dürre, Hunger, Wassermangel und Koranschulen
Wir fahren nach Norden, wollen unser Hauptprojekt des Jahres 2011 sehen: das Wasserprojekt in den Dörfern Soutiana , N´Tomodo und Sirado. Staubig ist es und trocken. Nach vier Stunden Fahrt erreichen wir zuerst das Dorf Tiessamana. Die Schule gehört schon lange zu unseren Patenschulen, vor 2 Jahren hatten wir als Nothilfe das Material für ein Bancogebäude (Lehmgebäude) finanziert und das Dorf daraus eine Schule gebaut. Stolz werden uns vier Mädchen vorgestellt, die jetzt die 7. Klasse der weiterführenden Schule in Djigué besuchen. 2 von Ihnen fotografieren uns zigmal mit ihren Handys. Die Schule aber hat schrumpfende Schülerzahlen. Mädchen werden oft angemeldet und bleiben nach einiger Zeit weg, weil sie zu Hause auf die Geschwister aufpassen müssen. Viele Eltern schicken ihre Kinder jetzt auf die Koranschule, die direkt daneben entstanden ist, als Privatschule und privat finanziert. Es entspinnt sich ein heftiger Dialog zwischen Haby und dem Iman. Haby ist der Meinung, dass eine Schule, in der die Kinder nur arabisch und den Koran auswendig lernen, ihnen jede Zukunft verbaut. Sie werden nach einigen Jahren entlassen und haben keine Chance z.B. auf eine weiterführende Schule zu gehen.Haby erklärt dem Imam ihre Position In einer intensiven Diskussion mit dem Imam zitiert sie dann ihr eigenes Leben: „Ich habe zwei Kinder, beide haben öffentliche Schulen besucht und die Universität und ich habe sie auch zu guten Moslems erzogen, mein Sohn war gerade in Mekka. Es muss beides sein…“. Sie schlägt dem Dorf vor, alle Kinder zur öffentlichen Schule zu schicken und den Religionsunterricht entweder auf den Nachmittag oder die Sommerferien zu verlegen. Ein schwieriges Problem, das uns in Djigué ähnlich begegnen wird. Optimistisch stimmt uns der Direktor der öffentlichen Schule, der für eine umfassende Bildung kämpft. Dank unserer Patenschaftsgelder ist die öff. Schule gut ausgestattet mit Büchern, Heften, Kreide und Stiften.

Bei der Rückkehr Ende Februar war ein Umdenkungsprozess festzustellen. Der Bruder des Imans hat seine Kinder von der Koranschule zur öff. Schule geschickt. Es gibt Pläne, alle Kinder zur öff. Schule zu schicken. So wurde es in einer Dorfversammlung beschlossen.

Der Hunger droht
Knüppeltrocken ist die Piste. Angekommen in Djigué erfahren wir vom absoluten Wassermangel, die Teiche sind im November schon vollständig trocken gefallen, sonst reicht deren Wasser bis April. Eine 70 jährige sagt: „Eine solche Trockenheit habe ich noch nie erlebt.“

Die Ernte ist zu 2/3 vertrocknet und/oder von heftigen Sandwinden zerstört (gilt für die gesamte Region). Unsere Bohrung samt Wasserturm liefert nicht mehr genügend Wasser für die Menschen im Dorf- das liegt daran, dass die Bohrung in Austausch mit den Teichen steht und die sind seit November schon ausgetrocknet. Die 2.Zapfstelle für Menschen von außerhalb ist geschlossen worden. Einige Dorfbewohner, allen voran die Familie und der Dorfchef selbst, trinken schon seit längerem wieder Wasser aus den traditionellen Brunnen. Durchfallerkrankungen sind zurück im Dorf. Das gute Trinkwasser, das früher für 1500 Menschen reichte, reicht jetzt nur noch für ca. 500. Gegen den Wassermangel hilft letztendlich nur eine neue Bohrung, um eine weitere ertragreiche Quelle ortsnah zu erschließen.

Das Feld der Frauen liegt praktisch brach, nur einige Büsche Ziziphus mauretanius, die Haby beim letzten Mal mitgebracht hat, wachsen dort. (Die Früchte schmecken wie eine Mischung aus Apfel und Birne und brauchen relativ wenig Wasser). Dabei waren hier im ersten Jahr Möhren, Zwiebeln, Tomaten, Okra und Auberginen gut gewachsen. Der Dorfchef erinnert sich: „Als ich Kind war, sind hier Zwiebeln, Tomaten und Kartoffeln gut gewachsen. So fruchtbar ist die Erde hier. Djigué war berühmt für seine Tomaten und Zwiebeln.“ Zurzeit suchen die Frauen eine neue Organisationsform. Der gemeinschaftliche Anbau hatte nur Probleme bereitet, jetzt werden die Parzellen auf einzelne oder kleine Gruppen von Frauen verteilt. „Und dann werden wir ja sehen, wer faul und wer fleißig ist,“ sagt eine jüngere Frau energisch.

Das Bedrückendste aber ist: Es besteht schon jetzt Nahrungsmangel wegen schlechter Ernteerträge, Gemüse (Zwiebeln, Tomaten etc.) ist kaum vorhanden. Die Situation wird sich in den Monaten April, Mai, Juni dramatisch verschlechtern, auch wenn die Regierung um internationale Hilfe nachgefragt hat und angeblich Getreide an die sog. „banque céréale“ liefern soll – ob das wohl stimmt???. Wie stellen wir uns zum Problem des drohenden Hungers? Einerseits ist Soforthilfe erforderlich, um die Menschen über die nächsten Monate zu ernähren, sowie das Saatgut für die nächste Regenzeit zu sichern. Längerfristig aber muss insbesondere Strukturhilfe zur Verbesserung der Landwirtschaft geleistet werden. Aber was lässt sich tun bei zunehmenden Dürren? Wir alle hoffen auf die Bremer Expertengruppe, die Ende Februar in unserem Auftrag die Gegend bereisen wird, um Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Die Stimmung im Dorf ist gedrückt. Das Gespräch mit der Frauenorganisation ist lang und sie betonen, welch große Hilfe die Mühle für sie sei.

In Eigeninitiative haben die Dorfbewohner Geld gesammelt bei Auslands-Maliern und wollen den Viehbrunnen vertiefen, damit nicht all ihre Tiere verdursten (sie sind sozusagen die „Schatztruhe“ der Bevölkerung)

Der Traum ist Wirklichkeit geworden
Der nächste Tag dient der Besichtigung der drei Dörfer, die im letzten Jahr eine neue Wasserversorgung mit unserer Hilfe erhalten haben.

N’Tomodo hat einen Wasserturm mit 2 Vorratsbehältern und vier Zapfstellen angetrieben von einer solarbetriebenen Pumpe bekommen, das Wasser läuft mit einem Volumen von 13 m³ pro Stunde, das ist das Doppelte des Erwarteten, jeder Bewohner hat jetzt 25 L/Tag zur Verfügung, alle sind zufrieden – nicht ganz: Sie haben von Maliern aus Frankreich gehört, dass dort jedes Haus einen eigenen Wasseranschluss hat , jeder seinen eigenen Wasserkran, das wäre toll. Im Dorf wird ein Ausbilder noch einen einwöchigen Kurs über Wasser und Organisation halten, Sinn des Ganzen ist es, die Anlage technisch und finanziell zu erhalten. Dabei ist der entscheidende Punkt , ein Wasserkomitee zu etablieren, das demokratisch legitimiert ist und das Wassergeld zur Erhaltung der Anlage auch einzieht. Voller Begeisterung hat die Jugendorganisation des Kreises Nara T-Shirts machen lassen mit dem Wasserturm drauf und dem Slogan: „Der Traum ist Wirklichkeit geworden.“ Bei der Einweihung am 24.12.2011 war sogar das Fernsehen anwesend und es wurde in der malischen „Tagesschau“ darüber berichtet.

Direkt uns gegenüber ist die Wasserzapfstelle, in langer Reihe stehen die Schüsseln, um gefüllt zu werden. Während ihre Schüsseln langsam nach vorne rutschen, halten die Frauen einen Plausch miteinander, jetzt kurz vor Mittag ist hier großer Andrang. Und das an allen vier Zapfstellen mit je 2-4 Wasserkränen.

Auch der Gesundheitsposten profitiert von der Wasserversorgung, eine Zapfstelle liegt direkt dem Posten gegenüber. In Posten ist auch eine Grundausrüstung aus den Containern angekommen. Und die Fußballmannschaft zeigt sich in den neuen Trikots, die der SV Pöppinghausen aus Herne spendiert hat. Ich wünsche ihnen, dass sie schon bald die malische Nationalmannschaft verstärken, so dass die endlich mal den Afrika-Cup gewinnen.

Wir haben ein lebhaftes dreistündiges Gespräch mit der Frauenorganisation, 60 Frauen sind anwesend. Sie haben schon ein kleines Mikrokreditprogramm selbst organisiert, womit sie sich gegenseitig unterstützen – natürlich nur Frauen der Organisation. Jeden Donnerstag muss jedes Mitglied 100 CFA in die Kasse einzahlen. Sie möchten ein Gartenbauprojekt aufbauen. Für die Einzäunung sparen sie. Es gibt schon ein geeignetes Feld, die dort gegrabenen traditionellen Brunnen haben in 4 Metern Tiefe Grundwasser – und das selbst jetzt in der größten Dürre. Gute Voraussetzungen – wir versprechen nichts, aber hier ließe sich wirklich gut helfen!

Soutiana – der Anschluss des Brunnens an die Forage (Bohrung) war viel aufwändiger und kostspieliger als vorhergesehen, da auch hier das Gestänge in die alte Bohrung gefallen ist und sie zusätzlich von oben verstopft worden war. Die veranschlagten 8 m Tiefe für die Verbindung von Bohrung und Brunnen beliefen sich letztendlich auf 26 m, mit entsprechend höherem Verbrauch an Eisen und Zement. Da das Dorf nicht mit offenen Karten gespielt hat, musste es diese zusätzlichen Kosten auch selbst tragen (ein ehemaliger Bewohner, der jetzt in Bamako lebt, legt das Geld – CFA 600.000 – bar auf den Tisch!), aber wir sind auch sicher, auch Makan Keïta (der Wasserbauingenieur) hat hier zugeschossen, um dem Dorf zu helfen. Und so ist auch dieses Projekt zu einem guten Ergebnis gekommen. Als einzige mögliche Trinkwasserquelle für den Ort hatten wir mit einem Ergebnis von 2 m³ pro Stunde gerechnet – in Wirklichkeit liefert der neue Brunnen doppelt soviel. Der Empfang war groß und herzlich: „Wer Wasser schenkt, schenkt Leben.“ – „Ihr könnt wahrscheinlich überhaupt nicht verstehen, welches Glück dieser Brunnen für uns ist.“
In Sirado – der Brunnenbau hat sich wegen der Mehrarbeit in Soutiana verzögert – sind die Bauarbeiten mit einem ähnlich guten Ergebnis abgeschlossen worden.
In Djigué und N’Tomodo wurden auch von uns initiierte Schulungen über das „Management“ der großen Wasseranlagen durchgeführt, die zur Bildung von „Wasserkomitees“ geführt haben.
Alle drei Orte verfügen jetzt über mehr Trinkwasser als geplant – das ist doch mal eine gute Nachricht in dieser Dürre.

Ein Juwel – die weiterführende Schule in Djigué
Die weiterführende Schule in Djigué hat Fortschritte gemacht, es gibt z.Zt. 2 Klassen. In die 7. Klasse gehen 31 Kinder, davon 11 Mädchen (4 aus Tiessamana), in die 8. Klasse gehen 25 Kinder, davon 1 Mädchen. Der Schuldirektor wirkt aufgeschlossen und hat gute Vorschläge für die weitere Arbeit aufgelistet (Kauf von Büchern über Schulpartnerschaft, Erweiterung um Schulbibliothek, Schulkantine, Direktorium).

Die Grundschule in Djigué wie in Tiessamana hat wegen der Konkurrenz mit den Koranschulen rückläufige Schülerzahlen. Ein weiteres Dorf hat jetzt eine eigene Grundschule gebaut. Die Situation ist sehr schwierig – Haby wird mit Salif noch einmal hinfahren, um weitere Überzeugungsarbeit zu leisten. Wir beschließen auf jeden Fall, die öffentlichen Schulen zu unterstützen, weil uns die Zukunft der Kinder am wichtigsten ist und ohne Schulausbildung kann man in der heutigen Zeit nicht mehr bestehen.

Zur Eröffnung der Schule hatten wir 50 Bäume gepflanzt. Es hat nicht einer überlebt. Dabei stehen auf dem Schulhof schon so prächtige Bäume. „Die haben wir auch viermal pflanzen müssen, bevor sie angingen,“ sagt uns Omar Diarrasou, der künftige Dorfchef, „wir haben schon einige angezogen, die werden in der nächsten Regenzeit ausgepflanzt.“ Wir hoffen, dass es so kommt und sind doch etwas enttäuscht, dass es nicht sofort geklappt hat.

„Wir haben gelernt, mit Geld umzugehen.“
Die Vereinigung der Frauen von Djelibougou , die sich um Witwen und Waisen kümmern, besuchen uns. Sie berichten, wie positiv sich der von uns gegebene Mikrokredit im letzten Jahr ausgewirkt hat. Die Produktion von Duftstoffen läuft jetzt beständig auf hohem Niveau und „wir haben gelernt, mit Geld umzugehen.“ In der Nähschule werden Kleider für den lokalen Markt genäht. Ein Koch gibt jetzt zusätzlich Kochkurse mit abschließenden „Diplom“ und sie träumen vom Aufbau einer Grundschule – für die Schulbildung der jungen Mädchen und zur Alphabetisierung der Älteren. Eine vorbildliche Arbeit!

Der Wille zu Veränderung und Bildung
Ja, so war Mali wieder einmal. Gedacht als „business as usual“ brachte es ungeahnte Erlebnisse, allen voran die Menschen aus Golea, die die Krankenhausbetten 6 km bergauf geschleppt haben in ihr Gesundheitszentrum, die Hebamme von Belesso, wo die Frauen auf einem Plastiksack auf dem Lehmboden gebären, das Labor, das dank unserer Spenden wieder lief im CdR (Centre de Référence, kleines Gesundheitszentrum) der Commune IV, die neuen Gesundheitsposten in Signé und Welenguena, die gelungene Trinkwasserversorgung der drei Dörfer, das Zentrum in Sirakélé, das jetzt zumindest als Entbindungsstation fungieren kann und über allem – die Menschen:

Die Herzlichkeit überall, die über tausend rauhen Hände, die ich diesmal geschüttelt habe, der Stolz in den Augen der Lehrer in Sikoulou, der glückliche Adama Traore, der jetzt einen kleinen Gesundheitsposten hat. Die vielen Freunde, die wir inzwischen in Mali haben, ja es waren wieder Wechselbäder der Gefühle, aber eine Sache bedrückt uns noch immer und wird uns in diesem Jahr begleiten – das ist der drohende Hunger im Sahel.

Hilfe aus Bremen
Nach der Rückkehr am 1.2. geht es am 24.2. wieder nach Mali – drei Wochen hatte ich mich zu Hause erholt. Wir haben es geschafft, eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Universität Bremen für die Landwirtschaft zu interessieren. Alles begann mit einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung. „Afrika braucht eine industrielle Landwirtschaft“ schrieb Prof. Hans Bass und sprach mir aus dem Herzen. Also schrieb ich ihm einen Brief. Mit einer Antwort hatte ich – ehrlich gesagt – nicht gerechnet. Aber sie kam schnell und unerwartet: „Gerne helfen wir Ihnen, aber eine Beratung hier vom Schreibtisch aus ist unverantwortlich. Wir bieten an auf unsere Kosten nach Mali zu reisen und das Landwirtschaftsprojekt in Djigué zu untersuchen, sowie eine Machbarkeitsstudie zu erstellen.“

Ich habe dreimal gelesen, ob das nicht eine Fata Morgana ist. War es aber nicht – also auf zu einem Treffen nach Bremen, um die Details zu besprechen. Prof. Bass, der selbst Volkswirt ist und ausführliche Artikel über Industrie und Landwirtschaft in Mali geschrieben hat, hat Frau Dr. Weißköppel als Ethnologin gewonnen, uns zu begleiten , sowie Klaus von Freyhold. Er hat als Experte für Landwirtschaft viele Jahrzehnte in Kenia, Tansania und Somalia verbracht.

Und diese Gruppe macht sich nun auf den Weg. Elke und ich begleiten sie aus Deutschland. Haby und Reinhild haben in vorbildlicher Weise die Organisation vor Ort übernommen. „Dass eine so gut organisierte Reise nach und in Afrika möglich ist, hätte ich nie erwartet“, sagt Frau PD Weißköppel später.

Zuerst stehen Gespräche bei der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität in Koulikourou und ein Besuch der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt auf dem Programm. Wir treffen uns mit einer Expertin der GIZ, besuchen den Obst- und Gemüsemarkt in Bamako, den Markt für landwirtschaftliche Geräte und eine Samenhandlung. Dann geht es nach Djigué. Wir sind eine Gruppe von 11 Leuten. Haby ist bereits einen Tag vorher hingefahren mit einem großen Lasttaxi, in dem auch Köchin, Lebensmittel und die Küchengeräte transportiert wurden. Die Fahrt geht nicht schnell, ein Feld und eine Brunnenstelle werden ausführlich analysiert und protokolliert. Kurzer Stopp in Tiessamana und ein kleines Tamtam bei der Ankunft in Djigué.

Nach ersten Interviews mit den Frauen, werden wir vom Dorfchef Wande Diarassou empfangen und herzlich willkommen geheißen. Er redet von ihren Sorgen: „Diese Entwicklung macht uns Angst, wir haben nie ernsthafte Wasserprobleme gekannt. Früher war Djigué eine „Erde mit Gottes Segen“, alles wuchs gut“. Omar Diarrasou – der kommende Dorfchef – sagt, sie hätten nie Ernährungsprobleme gekannt. Jetzt sieht er den Hunger kommen, da die Ernte dieses Jahr sehr „schwach“ gewesen sei, die Getreidespeicher sind leer. Die jungen Männer und ein Teil der Familienchefs sind bereits in die großen Städte gewandert, um Arbeit zu suchen, damit die Familien Hirse kaufen können.

Schlimmer noch ist die Situation im Nachbardorf Tiessamana. Dort sind nur Oberflächenbrunnen vorhanden, im Mai, Juni droht akuter Trinkwassermangel.

Die folgenden Tage beschäftigen sich die Wissenschaftler mit Gesprächen mit den Frauen aus Djigue und Madina, einen Besuch auf dem Feld, einem ausführlichen Gang längs des trockenen Flussbetts, einer Analyse des Dorfs, Gesprächen mit dem Landwirtschaftsbeauftragten von Fallou, dem Besuch eines benachbarten Gartenbauprojekts, das erfolgreich läuft. Klaus von Freyhold fasst den ersten Eindruck kurz zusammen: „Das Dorf hat keine langfristigen Probleme, das hat Potential…“ Ich bin sehr gespannt auf die Studie, die sie bis Ende Mai erstellen wollen.

Aber bis dahin gilt es erst einmal 6 Monate Hunger zu überstehen und zu hoffen, dass die nächste Regenzeit lang und intensiv wird….

Wir haben dazu eine Pressemitteilung herausgegeben und hoffen, viele Menschen zu einer Spende bewegen zu können. Die Dürre sehe ich als einen Vorboten des Klimawandels. Er wurde im Norden der Welt verursacht und diese Menschen tragen die Folgen. Wir haben eine moralische Verpflichtung, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen auf dem Weg, den sie selbst bestimmen und wählen. Denn diese Erfahrung haben wir in den letzten fünf Jahren gemacht: Die Menschen wissen sehr wohl, was für sie gut ist und wie sie vorankommen können. Und auch das habe ich dieses Mal wieder gefunden: Der Wille zur Veränderung, der Wille zur Bildung, der Wille durch harte Arbeit ein Stück Glück im Leben zu erreichen. Und wenn nicht für sich selbst – so aber doch für die eigenen Kinder.

Wir hoffen, dass wir noch lange an der Seite dieser Menschen stehen können und sehen, wie sie vorankommen!

­ Essen, den 12.3­­.2012 Dr. med. H. Querfurt

Mädchen aus Welenguena

Difficultés du quotidien et rêves qui deviennent réalité…

Carnet de voyage du Dr H. Querfurt
Et oui, encore le Mali – combien de fois y suis-je déjà allé? Que peut-il bien y avoir de nouveau à part la routine des
visites de projets et les discussions concernant les nouveaux projets? J´ai l´impression de déjà tout connaître.
Mais nous sommes heureux à l´idée de retrouver la chaleur -32 degrés à Bamako à 17h -. Mi-janvier nos amies de
APA-Mali nous attendent. Reinhild a réussi à pénétrer dans la salle des bagages. Elle avait expliqué aux douaniers
qu´elle devait aider des amis qui ne parlaient pas bien le français. Et ici ça a fonctionné!
Même la pauvreté nous est devenue familière, celle qu´on découvre en arrivant à Bamako comme si elle faisait partie
du paysage. Peut-on s´habituer à cette misère humaine qui me saute au visage ? ? Et oui, c´est possible et il est
bien difficile de ne pas devenir blasé en considérant les choses comme étant exotiques et ainsi de les accepter.

„La centrifugeuse est arrivée juste à temps…“
Mais au plus tard le lendemain, lors de notre première visite de projet dans l´hôpital de la Commune IVTag, nous
avons une approche totalement différente de la vie au Mali. Dans ce grand hôpital responsable pour 300000 habitants
à l´ouest de Bamako, qui semble encore plus misérable que les autres hôpitaux de Bamako, toute l´activité du
laboratoire était arrêtée parce qu´une centrifugeuse était hors d´état de fonctionner. Par bonheur il y en avait une
dans notre dernier conteneur qui a été tout de suite mise à la disposition de l´hôpital- bien sûr gracieusement. Le
laboratoire pouvait enfin refonctionner. La seule alternative pour l´hôpital aurait été d´en acheter une à crédit-
3000€ selon le devis- en Allemagne un tel appareil coûte environ 500 €. Ici certaines personnes n´hésitent pas à
exploiter leurs compatriotes sans pitié. Depuis que les hôpitaux se financent eux-mêmes celui-ci a déjà dû faire
d´énormes dettes pour subvenir aux besoins de la population. Le médecin chef Idrissa Koné déborde d´énergie. 22
médecins travaillent sous sa tutelle. Nous avons décidé d´aider tout spécialement cet hôpital en lui donnant du matériel
de notre prochain conteneur ! Il faudrait vraiment créer à Bamako un magasin ne faisant aucun profit pour des
appareils médicaux et leur entretien, ce serait d´une grande aide pour les hôpitaux ! Mais c´est hélas un projet trop
grand pour nous. Une autre chose que j´ai vue pour la première fois : une lampe de dentiste qui fume et dégage de
la vapeur. Malgré cela on l´utilise encore car c´est la seule lampe et sa faible lumière permet au moins d´arracher des dents.

„Les instruments : de vrais bijoux….“

Le centre PMI – la grande polyclinique qui soigne la population du centre- ville à Bamako, vient d´être rénové – on
l´a doté de nombreuses salles supplémentaires et il fait bonne impression au niveau architectural. Nous avons visité
le service ophtalmologique. L´année passée nous y avions installé un bloc complet pour les consultations.
Tout est installé dans les nouvelles salles et fait très bonne impression. La directrice soigne cette installation avec
dévotion : « Un technicien malien ne doit même pas oser approcher les appareils avec un tournevis et encore moins
les réparer – les appareils sont bien trop précieux ! » dit-elle énergiquement et je peux m´imaginer les dangers qui
pourraient menacer de tels techniciens. La lueur de ses yeux dévoile combien elle est fière de ce trésor.
L´ophtalmologue de la polyclinique de la commune IV s´exprime ainsi : « Une unité comme le PMI central c´est le rêve de l´avenir. »

Chacun fait ce qu´il veut
La ville de Bamako a reçu une grande quantité de nouveaux feux rouges – tous pourvus d´une cellule solaire- et ces
feux sont respectés par la population. La circulation y est quand même tout aussi chaotique qu´avant, des mobylettes
à droite et à gauche, quelques cyclistes (au péril de leur vie), des charrettes à main ou tirées par des ânes, de
temps à autre une vache. Et bien sûr des autos. Et tout cela circule au millimètre près. Et tout le monde se débrouille
– parce que chacun sait que chacun fera à chaque moment tout ce qui est possible. La circulation se concentre aux
carrefours sans feu et comme sous l´effet d´une baguette magique le noeud se dissout. « C´est ce qu´on comprend
ici sous le terme de démocratie : « Chacun fait ce qu´il veut. » Une des formules préférées de Haby pendant le
voyage.
Maintenant nous continuons en direction de Koutialla, le troisième pont de Bamako au-dessus du Niger est terminé.
Ce qui facilite considérablement le voyage en direction de Segou. La route par elle-même est dans un état pitoyable.
On parle bien de la construction d´une autoroute entre Segou et Bamako- mais personne n´y croit vraiment, on est
en période électorale au Mali, en avril on élira le nouveau président.

Vive le sparadrap
Après 6 heures de voiture nous arrivons à notre première étape : le village de Signé, à environ 20 km de Koutialla.
L´année passée nous y avons construit un petit poste de santé et de plus y avons livré du matériel du conteneur.
Accueil extraordinaire. Après être passés sous une haie d´honneur formée par les habitants du village, nous atteignons
la place centrale et sommes salués par les „ notables“. Un orchestre joue et un griot commence immédiatement
à chanter nos louanges à savoir que nous sommes des types formidables, des personnalités exceptionnelles- ça
nous coûte 5000 CA que nous payons immédiatement – c´est comme ça ici – même si nous n´avions pas commandé
cet accueil. Et puis bien sûr les discours d´usage. Le temps fort pour moi c´est la visite du poste de santé – 2 pièces et
une véranda couverte. L´inauguration officielle commence- c´est à dire que nous tous, Berenice – la sage-femme,
Adama – l´aide soignant, le chef du village, le maire, Haby et moi-même coupons ensemble une bande fixée au mur
sur le côté de la maison par du sparadrap. La médecine est bien pareille dans le monde entier. Et dire que l´inventeur
du sparadrap avait simplement l´intention de panser des plaies. Il ne pouvait pas imaginer à quoi ça pourrait aussi
servir.
Adama Traoré a arrangé le poste de santé avec amour – tout y est propre, recouvert de linges blancs. Quant à
l´ameublement il a organisé lui-même un bureau et une table, mais nous lui avons procuré un lit pour les examens
médicaux, une balance, des pinces pour soigner les plaies, un mètre à ruban, un stéthoscope, un thermomètre et un
appareil pour prendre la tension. Dans les rayonnages il y a quelques médicaments qu´il s´est procurés d´après le
système « Adama » (voir bulletin d´information 12).Dans les autres pièces il y a 2 lits et un déambulateur. Tandis
qu´Amada nous guide dans son petit royaume il a les larmes aux yeux. Moi-même je pense: Tout cela est magnifique,
ici on peut aider la population – et nous sommes fiers de ce qui a été conçu ici. Je crois que ce sont ces petites
choses qui donnent directement des améliorations à la population, qui apportent vraiment le progrès, l´optimisme
pour leur propre avenir et sensibilisent les hommes aux possibilités de changement des conditions de vie. Quelle
différence : il y a 3 ans Amada n´avait que ses connaissances et sa mallette de secours ! Maintenant il ne manque
que l´électricité et l´eau !
Juste en face se trouve la Maternité, mais les bâtiments ne sont pas en très bon état. Bérénice, la sage-femme, est
depuis 2 ans dans notre programme de parrainage et a déjà reçu du matériel. Elle n´est pas mal équipée mis à part
les portes qui sortent de leurs gonds, les fenêtres qui ne ferment pas bien, etc. Une réhabilitation de ce bâtiment
serait le prochain projet urgent ainsi que l´approvisionnement en eau et électricité. Une petite lampe solaire d’Ikea
lui permet de travailler dans l´obscurité. Nous quittons nos amis, poignées de main, ce jour-là une centaine et la
plupart des mains sont rugueuses comme du cuir, rudes et épaisses à cause du travail agricole pénible. Nous nous
efforçons de ne pas oublier une seule main tendue.

Le poste de santé fermé depuis 2 ans
Grande réception à Sirakelé : les chasseurs font une haie d´honneur et tirent pour nous saluer, 2 orchestres, tous les
notables et encore des poignées de main. Sirakelé est à 10 km avant Koutialla et ce lieu deviendra pour moi synonyme
de la détresse médicale au Mali. 14000 habitants ont obtenu un magnifique centre médical en 2008.Ce bâtiment
a coûté 120 000 euros –avec son propre générateur, sa propre source et même un château d´eau. Electricité,
eau, ventilateurs dans toutes les pièces. Les murs sont en partie carrelés, tout en très bon état, tout fonctionne:
l´eau, les ventilateurs. Je n´ai encore jamais vu un bâtiment en si bon état au Mali. Mais le maire Nuhum Traoré a
fermé le centre et ne l´a pas mis en service. Il avait le personnel qui aurait pu y travailler – mais ce qui lui manquait :
le matériel : pas un seul instrument, pas un seul lit, aucun équipement médical. Aucun espoir d´obtenir un jour
quoique ce soit de l´état .C´est la mort dans l´âme qu´il a donc pris cette décision. Lors de notre voyage fin 2010 il
nous avait prié de venir, à l´époque nous n´avions pas eu le temps d´y aller mais cette fois-ci nous y sommes. Les
stocks des derniers conteneurs ont pu pourvoir à quelques besoins – suffisamment pour la maternité. Et c´est pourquoi
Mme Soogologo, la sage-femme récemment engagée, participait aussi à la réception. A l´unanimité notre petit
groupe a décidé de faire parvenir à l´avenir ses dons à cet établissement pour que le reste du centre puisse ouvrir
ses portes à un grand nombre de personnes!
Sirakelé ne sera pas le seul centre vide de ce voyage- il y en aura d´autres: magnifiques à l´extérieur mais rien
d´autre que des salles vides : Sirakelé, Golea, Belaso, N´Tomodo…..,je me demande combien de centres vides il peut
y avoir au Mali !
Et maintenant les cireurs de chaussures : la plupart des enfants entre 8 et 14 ans ne vous lâchent plus avant que
vous ayez accepté de faire cirer vos chaussures. L´un d´entre eux avait un regard inoubliable : mélange de tristesse,
résignation et insolence. Il ne parle pas le français – il n´est donc jamais allé à l´école. 100 CFA (12 centimes) pour 10
minutes de travail, matériaux inclus. La lutte pour la survie est très dure au Mali …

Si tu crois déjà tout savoir sur le Mali, va à Bélleso:
Un village 7 km plus loin dans la brousse, après Welenguena. La réception devait avoir lieu à 9h30 mais lorsque nous
sommes arrivés à 9h 45 il n´y avait pas grand monde. « Il fait trop froid pour se lever si tôt. » Voilà la justification. Je
comprends bien : 25 degrés le matin à 9h30 vraiment pas facile à supporter ! Tout est toujours relatif.
Donc nous allons d´abord à Bélleso. Une école: 5 salles de classe, 5 instituteurs, 120 élèves. Il n´y a que 50% des
enfants qui vont à l´école, dont les 2/3 sont des garçons. Les parents n´ont pas assez d´argent pour payer les cahiers
et les stylos. C´est pourquoi ils envoient leurs enfants à l´école coranique complètement gratuite. Les termites ont
dévoré presque tous les livres d´école pendant les vacances d´été, l´équipement est misérable, il en est de même
dans beaucoup de villages. Près de l´école il y a d´immenses montagnes de coton. On le cultive de façon traditionnelle,
pas de méthode écologique, mais les pesticides ne sont pas utilisés par manque d´argent. On cultive
soi-même les graines. La récolte vient d´être faite. Chaque famille moissonne ses propres champs. Ensuite la récolte
est vendue en commun à l´état, le gain est partagé ou utilisé pour la communauté, cette „association villageois“
comprend 2300 membres.
La sage-femme – elle est depuis 1993 dans le village, nous demande si nous voulons peut-être voir comment elle
travaille. Bien sûr que oui ! La maternité est un bâtiment de 2 pièces, construit il y a 2 ans mais complètement vide à
part un lit d´accouchement. » Nous n´avons rien ! » Mais dites donc, vous travaillez où maintenant ? Elle nous conduit
directement dans le village, dans une cabane en argile. L´entrée est assez sombre, elle me fait penser à une caverne-
ni lumière, ni électricité. Dans la salle d´accouchement je ne vois tout d´abord rien tellement il fait sombre.
Une table branlante dans un coin, quelques papiers et stylos dessus. „Et dites-moi où est-ce que les femmes accouchent
? » « Mais ici » répond Flassoun Diallo. Elle sort un plastique bleu coupé sur la longueur et le pose sur le sol en
terre battue. Elle se couche dessus et dit : « Voilà la table d´accouchement. » Je suis bouleversé. Au 21ème siècle
des femmes doivent encore mettre leurs enfants au monde dans de telles conditions – sur un sac en plastique, à
même la terre battue. Je n´ai jamais rien vu d´aussi dramatique concernant les accouchements. Ce sont des conditions
inhumaines. Mais le comble de la journée nous attendait encore : les instituteurs nous ont remis une lettre de
sollicitation le soir à l´hôtel. Ils aimeraient avoir chacun un ordinateur portable avec cellule solaire pour les recharger.
Nous éclatons tous de rire, pas un rire joyeux, plutôt un rire qui reste dans la gorge. Le cameraman de la télé qui
a assisté à la scène jette un regard incrédule. Il aimerait pouvoir dire : « Ce n´est pas possible après tout ce que nous
avons vu ! » Des femmes accouchent sur des sacs en plastique par terre, dans une cabane et 200m. Plus loin les instituteurs
réclament des ordinateurs portables ! Nous décidons d´aider en premier la sage-femme et l´école qui a besoin
de quelques bancs. Chaque chose à sa place et en son temps…….

Dispensaire „Herbert Querfurt“

Vers midi nous sommes de retour à Welenguena, maintenant tout le monde es t là. Le dispensaire construit par nos
soins vient d´être terminé il y a une semaine. Grande cérémonie d´inauguration – ce dispensaire porte mon nom !!!
Je remercie chaleureusement pour cet honneur et sais instinctivement que je devrais m´occuper de ce dispensaire à
l´avenir. Daouda Koné, l´aide-soignant du village qui est en 3eme année de formation, est venu pour l´inauguration
avec quelques camarades de classe. Il est heureux. La télé qui nous a accompagnés depuis Signé et Sirakelé nous
interviewe. Nos dons sont bien arrivés. Seul problème le lit d´enfant ne passe pas par la porte. Il faut donc le démonter
et le remonter à l´intérieur. Le maire a exprimé le désir d´agrandir le poste de santé. Mais attendons. C´est en
rendant visite à Douada et sa femme que nous prenons conscience des progrès : ils vivent dans une construction en
argile avec 2 pièces. Quand on rentre dans la première pièce on voit un rayonnage branlant près de l´entrée. C´est là
que sont entreposés le matériel médical et les médicaments. Jusqu´à présent c´était ici que les centaines d´habitants

Ein Gedanke zu „ALLTAGSSCHWIERIGKEITEN UND TRÄUME, DIE WIRKLICHKEIT WERDEN – ein Reisebericht aus dem Norden Malis – Difficultés du quotidien et rêves qui deviennent réalité…

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