TIMBUKTU IN DEN SCHLAGZEILEN – Tombouctou fait la Une des journaux allemands

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Timbuktu: Sankoré-Moschee
Foto (c) rickmann-uk.com: Die Sankoré-Moschee in Timbuktu

Ich bin auf der Suche nach positiven Nachrichten aus Tombouctou.
Die jetzigen, aktuellen, die aus Mali plötzlich ein Land mit Schlagzeilen in der deutschen Presse machen (wirklich, in der SZ z.B. gab es seit Juli, dem Beginn dieses Blogs, keine einzige Meldung über Mali) sind verhängnisvoll, traurig, fast aussichtslos für die Menschen, die in einem wichtigen Wirtschaftszweig, dem Tourismus, arbeiten – und für die, die sich mit ihnen solidarisieren.

Timbuktu, genannt „Perle der Wüste“ ist eine ehemals bei Touristen beliebte Stadt. Die drei wichtigsten Moscheen des Ortes, die Djingarey-ber-Moschee, die Sankóre-Moschee und die Sidi Yahia-Moschee, sowie 16 Friedhöfe und Mausoleen und unzählige Bibliotheken zählen seit 1988 zum Weltkulturerbe der Unesco. Das Auswärtige Amt rät von einem Besuch inzwischen ab:
Landesspezifische Sicherheitshinweise/ Teilreisewarnung
Vor Reisen in die nördlichen und nordöstlichen Gebiete Malis wird ausdrücklich gewarnt. Die o.g. Gebiete umfassen die gesamten Verwaltungsregionen Timbuktu (einschließlich der Stadt Timbuktu und der Gebiete südlich des Niger-Flusses), Gao und Kidal sowie in den angrenzenden Provinzen alle Gebiete nördlich des 15. Breitengrads (Linie auf der Höhe der Städte Kayes und Mopti), sowie bis auf weiteres die gesamte Verwaltungsregion Mopti einschließlich Djenné und Dogonplateau.

Ich denke, dass irgendwann dieser Spuk aufhört und auch Europäer wieder nach Tombouctou reisen werden.

Lesen sie schon mal:
Charlotte Wiedemann berichtet in ihrer eindrucksvollen, mitreißenden Weise über Timbuktu als einen Ort der afrikanischen Renaissance.

1. Die Wüste liest

In Timbuktu entdeckt das islamische Afrika seine uralte Schriftkultur neu.

timbuktu-335x300__alte schrift_ Foto (c) afrol.com

2. Warum ist Timbuktu eine geheimnisvolle Stadt und für Europäer einer der mythischsten Orte der Welt?

tombouctou la mystérieuse
Foto (c) stormchase.ca

Matthias Bode hat hier alle westlich-literarischen Orte zusammengetragen, wo Timbuktu auftaucht, von Jules Verne über Heinrich Heine zu R. W. Emerson – langweilig ist das nicht.

3. Zur Geschichte

(aus einem Reisebericht)
Tombouctou, la mystérieuse, ist in der ganzen Welt bekannt als Ort am „Ende der Welt“. Diese Stadt hat Europäer seit ewigen Zeiten fasziniert. Viele Entdecker haben versucht, Timbuktu zu finden. Der Franzose René Caillé war der erste, der nach Timbuktu gelangen konnte, und aus ihr lebend wieder herauskam. René Caillé beschreibt die Stadt als eine Enttäuschung, die seine Erwartungen nicht erfüllte. Er hatte eine grosse, wunderbare Stadt erwartet, träumte von ihrem legendären Reichtum, von ihrer Grösse – und fand schlecht gebaute Häuser aus Lehm. Nur Lehmhäuser, und immense Sandvorkommen, die sich von weiss bis gelb färbten, und alles mit feinen Körnchen überzogen. Die Wüste war allgegenwärtig, auch mitten in Timbuktu.
Entladen der Azalaï-Salzkarawane aus Taeoudeni im Quartier Abaradjou von Timbuktu
Timbuktu wurde Ende des 11. Jhdts oder im 12. Jhdt. durch die Tuareg Imakeharen gegründet. Ihre Karawanen zwischen dem Niger und dem Azawad wurden durch schwere Gepäckstücke verlangsamt. Also lagerten sie alles, was sie nicht mitnehmen mussten, in dieser Gegend. Eine alte Frau namens Bouctou hütete die Sachen. Wenn die Nomaden sich treffen wollten, fragte man sie. „Wohin zieht Ihr?“, nach „Tin-Bouctou“, antworteten sie, zum Brunnen der Bouctou. Der Name „Tinbouctou“ hat sich durch die Jahre verändert und ist zu Timbuktu geworden. Gemäss den Angaben eines alten Marabouts aus dem Quartier Bella Farandi, namens Khamaye Ag Mohamed Almoubarek, waren die ersten Einwohner von Timbuktu schwarze Menschen. Die berühmte „Bouctou“ soll „Gaichatou Tin-Atouboutoute“ geheissen haben (was in Tamashek „die Frau mit dem grossen Bauchnabel“ heissen soll). Diese Bouctou war eine Songrai oder Bella, die aus Khairache gekommen sei, welches sich östlich der Stadt Rharous befindet. Nach vielen Jahrhunderten ist aus dem Gepäcklager der Tuareg ein Ort der Sesshaften geworden. Tor zur Wüste und zugleich am Rande zur fruchtbaren Zone, wurde Timbuktu im Königreich Mali zu einem grossen Ort, mit Märkten für Stoffe, Seide, Gewürze, Kupfer, Gold, Elfenbein, Straussenfedern, und Sklaven. Parallel dazu entwickelte sich der Salzhandel mit den Karawanen, d.h. die Azalai. Timbuktu wurde zu einem grossen Zentrum der islamischen Kultur – im 16. Jahrhundert. Weise und Poeten kamen, und machten die Stadt zu einem Ort der Philosophie und Wissenschaften.

Die Djingarey-ber in Timbuktu (djinger= Moschee, ber= gross in der Sprache der Sonrhai)

In dieser Epoche zählte sie 180 Koranschulen, 25’000 Studierende und zahlreiche Bibliotheken. Die zwei Moscheen Djingareyber und Sidi Yahia wurden zu spirituellen und intellektuellen Zentren. Die letztere wurde vom Freund des „Tombouctoukoi Mohammed Naddi“, dem Shérif Sidi Yéhiya El Tadiarri im Jahre 1441 nicht weit von dessen Palast erbaut. Allerdings behauptet die mündliche Ueberlieferung, die Moschee wurde 1400 vom Marabout Cheick El-Mokhtar Hamalla gebaut, in Erwartung eines Heiligen, eines Chérifs namens Sidi Yahiya El-Tadilissi. Auf jeden Fall wurden beide, Moschee und Sidi Yahiya sehr berühmt und zogen viele Muslime an. Bis heute gilt Sidi Yahiya als heiliger Patron der Stadt. Die Sankoré Moschee ist ca. Mitte des 14. Jh.erbaut worden, gestiftet von einer Berberfrau. Die Frau wollte anonym bleiben, ihr Name ist nie bekannt geworden. Der eigentliche Stadtheilige heisst aber El Farouj und eine Statue von ihm steht auf dem Hauptplatz.

Typische Haustüre in Timbuktu, nach alter marokkanischer Art beschlagen (aus der Zeit, als Timbuktu

Die marokkanische Eroberung läutete den Zerfall des blühenden Timbuktu ein. Nachdem die Songhai – Truppen bei Tondibi von den Marokkanern besiegt waren, die Stadt Gao im Nordosten besetzt, trafen spanische Söldner unter den Marokkanern am 30. Mai 1591 in Timbuktu ein. Viele Häuser wurden zerstört, die Intellektuellen massakriert oder deportiert. Die Stadt verfiel, und wurde von Peuls, Toukolor und Franzosen bewohnt. Heute ist Timbuktu die Hauptstadt der 7. Region von Mali. Viele alte Häuser haben dicke Holztüren, die mit Eisen beschlagen sind. Die Besatzungstruppen des Sultans von Marrakech haben ihre Haustüren im Mittelalter nach maghrebinischer Art mit Eisenblechen beschlagen lassen – dies hat sich bis heute erhalten.
© 2005 und Fotos: EvaLea Baby

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5 Gedanken zu “TIMBUKTU IN DEN SCHLAGZEILEN – Tombouctou fait la Une des journaux allemands

  1. MALI: AQMI-ISLAMISTEN ENTFÜHREN WIEDER AUSLÄNDER – EVAKUIERUNG, TOURISMUS KAPUTT Mali: 5 étrangers enlevés et un tué à Tombouctou et Hombori, derniers touristes étrangers évacués1. Zwei französische Geologen von bewaffneten Männern in Nord-Mali entführt
    Bamako (AFP) – 24.11.2011 19.25 Uhr
    Zwei französische Geologen wurden von bewaffneten Männern im Norden Malis in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag entführt, eine Akt…

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  2. Sehr schöner und wichtiger „Gegenartikel“. Hoffen wir das Beste!
    Diese ständigen Entführungen von Ausländern seitens in halb Nordafrika nomasidierenden islamistischen Terroreinheiten und bezahlter Helfer haben mit Politik überhaupt nichts mehr zu tun, und es darf einfach nicht sein, dass die das Bild eines ganzen Landes prägen und eine wesentliche Einnahmequelle kaputt machen.
    Ich werde diesen Artikel auch weiterempfehlen.

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  3. Der Reisebericht und die Fotos dazu aus Timbuktu stammen von mir. Das ok zur Veröffentlichung hab ich gegeben, aber Name des Autors und Photographen müssten irgendwo erwähnt sein, ich finde das leider nirgends. Danke. Eva Baby

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